Sonntag, 15. März 2020

Vorbereitungen für den Fernunterricht am Montag

Voilà, was ich den Eltern meiner Schulkinder heute früh zum Morgenessen sandte. Vielleicht lege ich etwas gar viel Wert auf Struktur. Es sei jedoch angemerkt, dass ich in einer Kleinklasse mit Kindern mit besonderem Betreuungsaufwand unterrichte, die in den Regelklassen trotz Integrationsmassnahmen keinen Platz finden. Und vier Wochen sind eine lange Zeit - und wer weiss, ob es nicht am Schluss sogar vier Monate werden? Zumindest eine Sonntagszeitung stellt diese Vermutung heute in den Raum. Das ist natürlich Öl aufs Feuer der verunsicherten Bevölkerung.




Liebe Eltern

Sie haben es aus den Medien vernommen oder im Brief der Schulleitung gelesen: Der Schulunterricht in der Schule fällt aus bis zu den Frühlingsferien. Die Schulpflicht hingegen bleibt bestehen. Die Schulen stampfen nun übers Wochenende Fernunterricht aus dem Boden. Wie das im Detail vor sich geht erfahren Sie am Montag und am Dienstag. Erlauben Sie mir bereits jetzt ein paar Worte zuvor:

Fernunterricht mit so jungen Kindern ist eine Herausforderung, mit Kindern, die eine so enge Betreuung erfordern wie das Ihre noch viel mehr. Das allerwichtigste für Ihr Kind ist, dass es ab Montag wieder eine klare Struktur hat - so wie an den Schultagen. In der Schule ist unser Stundenplan im Prinzip immer gleich: Singen-Englisch-Rechnen-Deutsch-Sachunterricht (Rest am Nachmittag). Wie das nun zu Hause aussieht, kann ich Ihnen nicht fixfertig vorgeben. Ich empfehle Ihnen jedoch einen Stundenplan schriftlich festzuhalten. Mit Worten oder vielleicht auch Zeichnungen. Zeichnungen und Pläne helfen den Kindern bei der Orientierung. Bei Autisten noch viel mehr. Das allerwichtigste jetzt ist, dass Ihr Kind auch jetzt eine für ihns erkennbare klare Struktur hat.

Als Eckpunkte mögen gelten:
  • Ihr Kind bekommt von der Schule Aufgaben, die es zu Hause lösen muss und dann uns abgeben.
  • Zu den Stundenplanzeiten stehen [die pädagogische Mitarbeiterin] und ich für Fragen zur Verfügung.
  • Wir planen aber auch immer wieder Unterrichtssequenzen z.B. über Skype, Telefon oder andere Kanäle. Das heisst, Ihr Kind muss zu den Stundenplanzeiten Arbeitszeit eingeplant haben. Und erreichbar sein.
  • Es ist nicht sinnvolle, den Kindern nun nur ein paar Links zu schicken und sie täglich vier Stunden am Bildschirm arbeiten lassen. Erfahrungen aus den USA zeigten, dass das sehr schlecht ist.
  • Als Faustregel  könnte gelten: maximal 20 min Arbeit am PC, mindestens 20 min etwas anderes, 20 min Pause, spielen, ...
  • Ihr Kind braucht für die kommenden Wochen (mindestens 4) einen Arbeitsplatz ohne Bildschirm, wo es lesen, schreiben, basteln, schneiden, kleben, ... kann. Schreibzeug, Farben, Massstab, Leim, Papier. (auch ein Vorrat an anderem Material wie leere Eierschachteln, Toilettenpapierrollen, leere Schachteln, und Schächtelchen [auch Lebensmittelpackungen] ist immer gut)
  • Achten Sie darauf, dass die bisherigen Regeln betreffend Bildschirmzeit auch jetzt zu Zeiten von "Schule zu Hause" gelten (wie lange, ab wann frühestens, etc.) - Kommunikation mit der Schule und Schulaufgaben natürlich ausgenommen. Wenn Sie das Gefühl haben, es werde zuviel, dann schränken Sie ein und melden sich bei mir.
  • Planen Sie Pausen ein.
  • Planen Sie Zeit draussen ein. (Das kann auch sein, dass Ihr Kind mit Ihnen und einem Einkaufszettel, nach ein paar Tagen auch alleine für Sie einkaufen geht.)
  • In der Schule decken die Kinder den Tisch*. Dazu gehört auch das Abräumen und den Tisch abputzen. Das können Sie zu Hause übernehmen.
    * In der Schule gilt wie im Restaurant: "von links nach rechts Serviette, Gabel, Teller, Messer, Glas. Gemeinsam anfangen. Am Tisch bleiben bis alle fertig."
  • Planen Sie Zeit für Gesellschaftsspiele* ein. Im Laufe der Zeit werden Sie wohl noch das eine oder andere von uns bekommen.
    * Sich an Regeln halten, aushalten, dass man gewinnt und verliert, miteinander Zeit verbringen... Eile mit Weile, Leiterlispiel, Uno Junior, Memory sind die vier, die wir in den Sportferien gespielt haben bis zum abwinken und zwar über drei Generationen: Grosseltern, Eltern, Kinder [das war noch vor der Quarantäne]. Halma, Mühle, Mikado [ganz gut für die Feinmotorik], ... einige Kinder spielten eine Zeit lang Schach in der Schule. Und dann gibt es sicher noch die Favoriten Ihrer Familie.
  • Falls Ihr Kind ein Instrument spielt, planen Sie tägliches Musizieren ein (falls noch nicht der Fall)
  • Täglich lesen. (Weitere Informationen folgen) Hat Ihr Kind Bücher? Müssen am Montag welche in der Bibliothek ausgeliehen werden?
  • Sport (das ist das einzige Schulfach mit eidgenössischen Vorschriften (aus den 1940ern, weil die Armee sportliche Rekruten braucht!), der Rest ist kantonal): Velo fahren, vor dem Haus Ball spielen, in den Wald gehen, Ihr Kind an Ihren sportlichen Aktivitäten beteiligen (z.B. wenn Sie joggen gehen oder täglich schwimmen im See wie mein Nachbar). Alles was mehr als 25 min dauert. Möglichst täglich.

Grundsätzlich ist der Fernunterricht für Ihr Kind bestimmt und nicht für Sie. Aber je nach Alter und Selbständigkeit braucht Ihr Kind natürlich gewisse Unterstützung bei der Umsetzung. Fachliche Unterstützung hingegen (erklären, nochmals erklären, zeigen wie es geht, etc.) geben wir soweit es die technischen Möglichkeiten ermöglichen. Ebenso die Planung. Wenn Sie weiter oben Punkte wie Tisch decken, einkaufen gehen, Gesellschaftsspiele gesehen haben, müssen Sie nicht Angst haben, dass Ihr Kind deswegen den Anschluss verpasst. Im Einzelunterricht benötigen die meisten Kinder weniger Zeit.

Freundliche Grüsse
[Name]
Klassenlehrer

PS. Sobald ich vom Schulsekretariat die Angaben habe, über welche Kanäle Sie und Ihr Kind gerne kontaktiert werden wollen und können, werde ich mich an diese Liste halten. Welche Kanäle sich am besten bewähren, wird sich hoffentlich bald zeigen.

PPS. Soweit Sie mich über den familieninternen Stundenplan/die Tagesstruktur Ihres Kindes informieren, oder über andere wichtigen Dinge, wie z.B. Betreuung durch andere Personen, da Sie arbeiten, können wir bei Einzeltraining zeitlich darauf Rücksicht nehmen, resp. das soweit möglich einplanen.

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