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Samstag, 10. Januar 2026

Rechnen und Sprachen lernen wie aus Zauberhand

Ich setze gerne Lehrmethoden ein, bei denen sich die Kinder selber korrigieren können, und die wenn möglich auch eine spielerische Komponente haben. Da entdeckte ich bei Frau Wegerer eine ganze Reihe an Kärtchen, für Deutsch und um die Einmaleinsreihen zu lernen: vorne die Aufgabe, hinten das Resultat. Eigentlich nichts neues - ausser, dass dies unter der Rubrik "Schlauer Schacht" veröffentlicht worden war.

Dazu fallen mir in den Sinn, kürzlich gelesen zu haben, dass man mit Papierkärtchen (zum Wenden) doppelt so schnell oder in gleicher Zeit doppelt so gut Wörter (Fremdsprachen) oder Rechnungen (Einmaleins) lernt, als mit bildschirmgestützten Methoden. Erst beim Repetieren von bereits Gelerntem, seien sich die analoge und die digitale Methode ebenbürtig.

Blieb der "Schlaue Schacht". Nach einigen Recherchen wurde mir einiges klar: Der "Schlaue Schacht" ist im Laufe seines Lebens schon unter verschiedenen Namen aufgetreten. Einige nennen ihn "Zauberhut". Bei Betzold heisst er heute "Magischer Zylinder". Dabei handelt es sich um ein technisch einfaches Gerät, das angetrieben durch die Schwerkraft die Kärtchen wie durch Magie wendet.

Ich habe mir für den Schulgebrauch aus Sperrholzresten schnell einen "Schlauen Schacht" zusammengesägt und -geleimt. Zu Hause bastelte ich mit unserem Buben ein Kartonmodell aus einer alten Lebensmittelverpackung - kaschiert mit Blumen aus einem Gartenkatalog.

Wer selber einen "Schlauen Schacht" bauen will, dem möge diese Skizze und die folgenden Masse dienen:

  • Breite ca. 9cm
  • Tiefe ca. 7cm
  • Höhe ca. 15-16 cm
  • Schlitz ca. 1.5cm

Beim Zusammenbau achte man darauf, dass eine Seite vorerst offen bleibt (und erst am Schluss, quasi als Deckel, verschlossen und verleimt wird. Das Innenleben besteht aus zwei Bahnen Zeichenpapier, welche genug Luft lassen, dass das Kärtchen problemlos nach unten fällt und gleichzeitig so stark geführt wird, dass es im Fallen gewendet wird. Obengenannte Masse ermöglichen den Einsatz von Kärtchen sowohl im Format A7 (halbe Postkarte), als auch A8 (Viertel-Postkarte).

Wer Anfangs dritter oder vierter Klasse im Werkunterricht einen "Schlauen Schacht" Schacht baut, kann ihn dann bei den Hausaufgaben einsetzen in Mathematik (Einmaleins), Englisch (Vokabeln) und in der 5. Klasse dann auch in Französisch (Vokabeln). Sich die Kärtchen wie von Zauberhand drehen zu lassen, fasziniert immer wieder...



Donnerstag, 2. Februar 2023

Kinder auf Erfolgskurs?

Professor Margrit Stamm gilt als Pionierin im Bereich der Pädagogischen Psychologie und Erziehungswissenschaft: Margrit Stamm hat sich als eine der ersten Wissenschaftler in der Schweiz mit dem Thema «Frühkindliche Bildung und Familie» auseinandergesetzt. Ihr grosses Forschungs- und Publikationsspektrum umfasst u.a. die Bereiche Begabung und Talententwicklung über die gesamte Lebensspanne, Chancengerechtigkeit und Berufsbildung.

Das Nachdenken über den Schulerfolg der Kinder hat Konjunktur. Eltern fühlen sich verpflichtet, das Bestmögliche aus den Kindern herauszuholen. Wie können Väter und Mütter einen gelingenden Werdegang ihrer Kinder unterstützen, ohne selbst nicht an die eigene Leistungsgrenze zu gelangen? Der Vortrag von Professor Margrit Stamm zeigt auf, dass der Fokus auf gute Noten zu einseitig ist. Kinder sind dann auf Erfolgskurs, wenn ihre Eltern einen entspannten Erziehungsstil pflegen und Lebenskompetenzen wie Hartnäckigkeit und Frustrationstoleranz fördern.

Auzfzeichnung eines Vortrages vom 26. August 2021; Dauer: 1h 10min

Mittwoch, 2. März 2022

Spätfolgen von Frühgeburten

Die Kinder- und Jugendmedizinerin Prof. Dr. Bea Latal ist Extraordinaria für Entwicklungspädiatrie ad personam an der Universität Zürich und leitet die Abteilung Entwicklungspädiatrie am hiesigen Kinderspital. Sie hat sich auf Kinder mit Entwicklungsrisiken – Frühgeborene und Kinder mit einem schweren angeborenen Herzfehler – spezialisiert. Im Rahmen von Langzeitstudien beobachtet sie deren Entwicklung, untersucht eventuelle Auffälligkeiten und Spätfolgen und unterstützt sie dabei, ihre Lebensqualität zu verbessern.

Im Interview 06.10.2020 (26:24 min) erfahren Sie, wie sich Kinder nach extremer Frühgeburtlichkeit entwickeln und welche Möglichkeiten die Medizin bietet. Sie gibt zudem alltagsnahe Empfehlungen, was frühgeborene Kinder stärkt und wo sie Unterstützung benötigen.

Montag, 28. Oktober 2019

Grammatik üben ohne zu schreiben

Ich habe wieder einmal einen Drittklässler. Der schreibt etwas ungelenk. Um ihn nicht zu stark zu quälen, digitalisiere ich ab und zu für ihn eine Aufgabe, die er dann am Rechner lösen kann.

Übung 1: Die angezeigten Wörter nach Endung sortieren



Übung 2: Die richtige Endung aus dem Menü wählen


Bei der zweiten Übung habe ich den Wortschatz leicht erweitert, so dass man manchmal scharf nachdenken muss: Ist das nun ein Verb/Adjektiv oder ein Nomen? Viel Spass beim Anwenden im Unterricht. Mehr Deutschübungen (angeregt von Einsterns Schwester) gibt es sowohl für Zweit- als auch für Drittklässler.

Montag, 26. August 2019

Sprachlos aus den Ferien zurück

In der guten alten Zeit schickten die Kinder Postkarten (Ansichtskarten) aus den Ferien. Später zwangen wir sie, einen Aufsatz über die Ferientage zu schreiben. Gestern schlug ich mit meinen Drittklässlern das Deutschbuch auf und wir schauten auf der ersten Seite ein Strandbild an. Sie sagten nichts. Meinen konkreten Fragen wichen sie aus - bis ich realisierte, dass einige unter ihnen nicht wussten, dass der Mann unter Wasser Taucher heisst, was eine Sandburg oder eine Verkäuferin sind.

Flexibel habe ich innert Sekunden die Lektion umgeplant und statt Nomen Wortschatz gemacht. Aber morgen und übermorgen wird das noch vertieft. Mit einer App. Voilà die erste Hälfte:



Und da das Hörverständis besonders wichtig ist, habe ich die App so erstellt, dass der Computer das Wort vorliest. Im schlimmsten Fall, kann man das "i" antippen, um das Wort auch lesen zu können. Und die zweite Hälfte:



Wer keine Erfahrung mit Learning-Apps hat: Man klicke einen Audio-Schnipsel an, höre das Wort und ziehe dann den Schnipsel auf das passende Bild. Das ist schon alles. Genau so, wie Lernprogramme sein sollten: So einfach in der Handhabung, dass sich die Kinder 100% auf den Inhalt konzentrieren können.

Die App ist inspiriert von Einsterns Schwester, 3. Klasse, Seite 3, aber absolut lehrmittelunabhängig.

Montag, 22. Juli 2019

Erfolgreicher Einstieg ins 2. Jahr Französisch mit Dis Donc! 6

Wenn Sie in der Deutschschweiz unterrichten, dann verwenden Sie im Französischunterricht mit grosser Wahrscheinlichkeit das Buch Dis Donc! In wenigen Wochen beginnt die 6. Klasse. Eine Kollegin verwendet die Vorhilfe-statt-Nachhilfe-Methode und dadurch haben die Kinder ihrer Klasse viel mehr Erfolg im Französisch-Unterricht. In diesem Beitrag zeigt sie konkrete Beispiele, wie sie in den ersten beiden Unités eingestiegen ist; was sie gemacht haben, bevor sie überhaupt das Buch geöffnet haben.



Vorhilfe statt Nachhilfe eignet sich auch für alle anderen Französischlehrmittel und selbstverständlich auch in anderen Sprachen, sei das nun Englisch, Italienisch, Russisch, ... Neben der Vorhilfe empfiehlt es sich auch, die neuen Themen genügend zu vertiefen. Eine Reihe von Lern-Apps findet man auf der Seite learningapps.org. Eine detaillierte Übersicht, sortiert nach Unités befindet sich auf diesem Blog: Apps für Dis Donc! 6.

Montag, 1. Juli 2019

Französisch-Unterricht bereits Ende 4. Klasse starten (Dis Donc! 5)

Seit einiger Zeit unterrichten wir in der Deutschschweiz Französisch mit einem neuen Lehrmittel. Es ist moderner und entspricht eher der Lebenswelt der heutigen Kinder; so kommen soziale Medien, Computer, das Internet oder Mobiltelefone vor...  Der Einstieg in die neue Fremdsprache ist aber ziemlich anspruchsvoll. Es lohnt sich, sich das sehr genau zu überlegen, damit die Kinder mehr Erfolg haben.

Das frühere Lehrmittel Envol 5 begann mit einer Unité 0, in der es um Fremdsprachen im Allgemeinen ging und darum Sprachen unterscheiden zu können. Ich bearbeite dieses Einführungskapitel jeweils Ende der 4. Klasse in den letzten zwei Wochen vor den Sommerferien. Das hat sich sehr bewährt und eignet sich auch ausgezeichnet als Vorbereitung auf jedes andere Lehrmittel, wie zum Beispiel Dis Donc! 5. Die Kinder sind jeweils sehr motiviert und Sprachkenntnisse einzelner Kinder lassen sich gut einbauen.



Karin Holenstein ist nicht nur begeisterte Primarlehrerin, sondern auch zertifizierte Birkenbihl-Trainerin. Im Französischunterricht kombiniert sie das offizielle Schulbuch Dis Donc! mit der Birkenbihl-Methode. In diesem Film zeigt sie, wie die Kinder durch die Dekodierung der Texte von Anfang an einen Einblick in die fremde Sprache bekommen und gehirngerecht lernen können. Dazu wendet sie das aktive und passive Hören an, mit welchem sich Nervenbahnen im Gehirn bilden können, bevor die Übungen aus dem Buch an die Reihe kommen. Dadurch haben die Kinder ihrer Klasse laufend kleine Erfolgserlebnisse. Das steigert die Motivation und entsprechend die Leistung.

Es lohnt sich also, gegebenenfalls noch kurzfristig, ein altes Buch im Keller zu holen und den Start der 5. Klasse jetzt aufzugleisen und nach den Sommerferien das neue Buch in den ersten Tagen noch im Kasten zu lassen.

Montag, 4. Februar 2019

Die Schulreform, die aus den Bergen kommt

Wie kann der Unterricht so angepasst werden, dass er den Bedürfnissen der Kinder entspricht? Diese Frage beschäftigt uns Lehrer wohl das ganze Berufsleben lang. In Chur, einer kleinen Stadt an der jahrtausende alten Kreuzung der Alpenübergänge zwischen Nord und Süd, Ost und West, ging man die Sache unspektakulär und trotzdem revolutionär an: Nicht der pädagogische Ansatz wurde geändert, sondern der Raum, das Schulzimmer. Daraufhin begann sich er Unterricht fast von selbst zu verändern.



Unterstützt wird dies durch 10 Schritte, die dem Lehrer helfen, seinen Unterricht in Richtung Binnendifferenzierung zu verändern. In der Zwischenzeit ist das unter dem Namen Churermodell bekannt und verbreitet sich über das ganze Land.

Das Bestechende am Churermodell sei, dass es die Basis für viele wesentliche Entwicklungen der heutigen Schule lege, sagt Professor Peter Lienhard von der Hochschule für Heilpädagogik in Zürich. Unter den wesentlichen Entwicklungen versteht er individualisierte Lernförderung, inklusive Schulungsform und integrative Begabungs- und Begabtenförderung.

Eine eigene Seite im Internet enthält nähere Informationen zum Churermodell.

Montag, 12. November 2018

Innerlich zur Ruhe kommen

Sich auf den Moment einlassen, wach, aufmerksam und „richtig da“ sein, bei sich selbst ankommen, Ruhe finden: All das verbinden Menschen mit dem Begriff Achtsamkeit. Aber was verbirgt sich dahinter? Esoterik im modernen Gewand oder ein fundierter Ansatz? Und inwiefern können Schule und Lernende davon profitieren? Ein kleiner Film von Herrn Grolimund widmet sich diesem Thema:



Es gibt verschiedene Achtsamkeitsübungen, die sich für den Unterricht eignen. Eine davon stellt der obenstehende Film vor. Auf dieser Seite gibt es noch eine Anleitung zu den Achtsamkeitsübungen. Man kann sie auch praktisch als PDF herunterladen. Die Autoren sind Psychologen und leiten gemeinsam die Akademie für Lerncoaching.

Montag, 5. November 2018

Fehlende Abgrenzung, nicht vorhandene Authentizität und psychischer Störungen

In unserer Gemeinde gibt es einen Bildungsverbund, in dem sämtliche öffentlichen und privaten Schulen, die Bibliothek, die Kunsteisbahn und die Nachhilfeanbieter zusammengschlossen sind. Die organisierten am letzten Donnerstag einen Vortrag durch den führenden Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Michael Winterhoff, denn ich schon länger kenne und als genauen Beobachter und pointierten Redner schätze.




Als Kinder- und Jugendpsychiater und Tiefenpsychologe ist Winterhoff seit über 30 Jahren mit der Diagnose und Behandlung psychischer Störungen von Kindern und Jugendlichen vertraut. Ursache der Entwicklung von narzisstischen Persönlichkeiten liegen seiner Erfahrung nach in der fehlenden Abgrenzung der Eltern und einer nicht vorhandenen Authentizität und einer übertriebenen Aufwertung des Kindes. Als psychodynamischen Hintergrund im klassischen sieht er den Wunsch eines Elternteiles, dass das Kind dem Ideal eines Partners entsprechen (oedipale-Konstellation) oder das selbst nicht erreichte Idealbild erfüllen soll. Oben eingeblendeter Vortrag ist aus Deutschland, wo es gemäss Winterhoff deutlich schlimmer sei, als hier in der Schweiz, wo wir noch rund zehn Jahre "hintendrein" seien.

Weiterführende Literatur

Montag, 2. Juli 2018

Tangram im Unterricht

Das Tangram besteht aus sieben Plättchen in einfachen geometrischen Formen. Die Plättchen entstehen durch das „Zerschneiden“ eines Quadrates in zwei große Dreiecke, ein mittelgroßes Dreieck, zwei kleine Dreiecke, ein Quadrat und ein Parallelogramm.

Aus diesen Plättchen können zahllose Formen gelegt werden, die dann schattenrissartig Tiere, Schiffe oder andere Gestalten zeigen. Üblicherweise müssen dazu alle Teile verwendet werden, wobei sie nicht übereinandergelegt werden dürfen.

Meine Buben sind im Moment völlig vom Tangram begeistert. Nun wollen wir selber ein Tangram zusägen, die Kanten schleifen und das Sperrholz einfärben.Passende Aufgaben gibt es viele. Für Geometrie, knobeln, Konzentrationstraining.

Mathematische Basteleien
Viele einfachere Vorlagen
Förderung mathematischer Kompetenzen mit Tangram

Montag, 26. Februar 2018

Nein, nein, diese Suppe ess' ich nicht

Offene Aufgaben regen zum Denken an. Offene Aufgaben erreichen die Kinder besser. Mit offenen Aufgaben können Kinder dort abgeholt werden, wo sie sind. Das wurde mir allenthalben geraten. Da unser Pflichtlehrmittel in diesem Bezug noch etwas altväterisch ist und ich ein Kind habe, dessen Ansprüche doch etwas sehr speziell sind (nicht vermeintlich zu schwierig oder zu leicht, nicht vermeintlich das Gleiche oder etwas Ähnliches noch einmal, selbst, wenn es noch nicht sitzt, ...) jongliere ich notgedrungen mit mehreren Büchern gleichzeitig.

Das Zahlenbuch bot eine Reihe interessanter Aufgaben zu Werkzeugen und da besagter Knabe sagt, dass er auch nicht Deutsch lernen muss und will, da er ja besser spräche als seine (fremdsprachige) Mutter, ergänzte ich genannten Rechenunterricht durch eine Deutschübung, pardon, peppte ich ihn durch etwas augmented reality auf. Wie dem auch sei. Wer mit dem Zahlenbuch 4. Klasse arbeitet oder Deutsch unterrichtet kann die Übung vielleicht auch verwenden.

Montag, 19. Februar 2018

Über welchen Alpenpass geht es ins Skilager?

Fahren Sie demnächst in die Skiferien? Oder sind Sie bereits in den Ferien und kommen bald nach Hause? Dann mag ihnen dieses kleine Lernprogramm helfen, den richtigen Weg zu finden:

Hergestellt habe ich es aus einem eingescannten Arbeitsblatt (Handskizze auf kariertem Blatt für die Kinder zum Beschriften, Ausmalen, Ergänzen), etwas unterlegt mit gemeinfreien Fotos (da ich nicht gerne am Bildschirm mit Farbstiften coloriere) und die farbigen Linien aufgezeichnet (alles mit Gimp, der freien Photoshop-Alternative); auf learningapps.org heraufgeladen, die virtuellen Stecknadeln eingesteckt und beschriftet. Fertig. Aufwand vielleicht eine halbe Stunde.

Die Kinder haben, wie oben angedeutet, das Thema auch schriftlich und gestalterisch bearbeitet, sich ausserdem gegenseitig Reisen auf der Karte diktiert (wo komme ich an?) und ein Quartett mit Pässen, Eröffnungsjahr, Höhe und Talorten gespielt.

Montag, 1. Januar 2018

Im Unterricht vom Kind ausgehen

Kürzlich quälte ich mich durch einen Onlinekurs. Viele Inhalte wurden als Filme dargeboten. Entsprechend vermittelten sie die Inhalte nicht direkt, sondern in irgendwelche konstruierten Rahmenhandlungen eingebettet. Da der Kursanbieter mehr vom Inhalt, wie von Rahmenhandlungen versteht, dafür aber viel Steuergelder zur Verfügung hatte, kann sich jeder wohl selber vorstellen, wie das Resultat ausfiel. Immerhin. Ganz zum Schluss gab es eine schöne Kirsche auf den versalzenen Kuchen, der mich das vorhergegangene fast vergessen liess...

Dieser Film zeigt, wie Schule sein sollte (sagen die Autoren, denen ich gerne beipflichte). Als Anstoss und Neujahrsvorsatz:



Vielleicht sollten wir uns diesen Film jeden Monat einmal anschauen?


PS. Sagte das nicht schon vor etwa 90 Jahren einmal jemand? (Wer sich nicht erinnert, darf in den Schlagworten nachschauen.)

Montag, 9. Oktober 2017

Gewaschenes Wasser und weitere Erkenntnisse

Montag ist Realiennachmittag; Theorie: immer vor Ort; ich stelle meinen Viertklässlern (fast) nur Fragen. Kürzlich kamen wir bei der städtischen Kläramlage vorbei ("Sie, wieso stinkt es da so?"). Im Erlebnisbericht ("Was habe ich heute Nachmittag alles gelernt?") schrieb Dzifa: "Das dreckige Wasser kommt in ein rundes Haus, wo es gewaschen wird. Nachher kann man es trinken." Und Eduard hat gelernt: "Der Mensch hat aus der Limmat drei Flüsse* gemacht. Aber zuerst macht die Limmat immer noch eine Runde in der Stadt."

Natürlich haben wir nicht nur zwei Lektionen Realien. Aber diese beiden Lektionen dienen dem entdeckenden Lernen, dem Selber denken. Erklären können wir uns gegenseitig und ich den Kindern ja immer noch im Schulzimmer. Ein Besuch der Kläranlage mit Führung kommt dann auch noch, aber im Moment erkunden wir die Wasserläufe im Quartier, der Stadt, ein Bach von der Quelle bis zur Flussmündung.

*gemeint sind der Fluss, der nördliche Nebenkanal des Kraftwerkes und der südliche Nebenkanal einer ehemaligen Fabrik.

Montag, 31. Juli 2017

Magie im Schulzimmer

Auch Kinder, die noch nicht französisch lernen, verstehen zumindest das zweite Wort der clés magiques. Das ist etwas magisches, hat mit Magie zu tun. In der Tat zaubern wir im Kanton Zürich und anderen Deutschschweizer Kantonen seit knapp zwanzig Jahren mit diesen Zauberschlüsseln im Französischunterricht - und zuweilen auch in anderen Sprachen.

Die Autoren des Lehrwerks Envol (5.-9. Klasse), Achermann, Bawidamann, Tchang-George und Weinmann haben diese neun Schritte zum Textverständnis zusammengetragen und sinnigerweise auf deutsch publiziert. Es geht ja darum, wie man französisch versteht, auch wenn man noch nichts - oder zumindest nur wenig - versteht.
Wir arbeiten mit den clés magiques im Französischunterricht ab der 5. Klasse (in welcher sie schrittweise eingeführt werden), setzen sie als Zauberschlüssel jedoch auch schon in der vierten Klasse mit Kindern mit Schwierigkeiten in der Texterschliessung im Deutschunterricht ein. Sechstklässlern halfen sie beim Verständnis eines irre komplizierten Textes der Gymnasiumsprüfungsvorbereitung, Kindern mit balkanesischer Muttersprache beim Entschlüsseln der Geheimnisse der Schweizer Geschichte und vielen anderen auch. Daneben eigenen sie sich auch im Englisch. [Ja, der dritte Schlüssel muss natürlich sinngemäss angewandt werden.]

Wer hat auch Erfahrung mit den clés magiques?
Wer hat Erfahrung mit anderen Textverständnishilfen?

Montag, 24. Juli 2017

Kurzvorträge: Dachs

Ich wollte von meinen Kindern Kurzvorträge hören. Da wir keine richtige Bibliothek im Schulhaus haben und es das erste Mal war, dass sie Vorträge vorbereiteten, brachte ich alte Jugendnaturschutzzeitschriften mit.

Der erste Auftrag war, anhand des Steckbriefes auf Seite zwei und einem A6-Notizblatt (Postkartenformat) innert 30 min einen Einminutenkürzestvortrag zu halten.


Dann, so dachte ich mir, würden die Kinder anhand der vier bis fünf Doppelseiten ein Cluster erstellen, sich mit dem Tier vertiefter befassen, selber einen Steckbrief schreiben und in der Folgewoche ein paar Minuten über das Tier frei erzählen.

Um die Zuhörer zum Zuhören zu animieren durften sie noch eine App auf Learningapps erstellen. Aus einer Woche wurde ein Monat, aber der Aufwand hat sich gelohnt:

Der Dachsvortrag eines Fünftklässlers war sprachlich auf sehr hohem Niveau. Das Kind, das sich sonst mündlich nur wenig beteiligt, zog alle sprachlichen Register und zeigte, was es kann. Inhaltlich hatte ich auch nichts auszusetzen. Zeigen kann man dies nicht; die schöne Dachszeichnung mag einem eine Ahnung davon geben.

Apps erstellte das Kind zwei, die eine als Kurzfassung des Vortrags für all' jene, welche den Vortrag nicht in der Schule hören konnten - also eine eigentliche Lern-App-, damit sie die Fragen in der zweiten App - die Überprüf-App - dann trotzdem beantworten könnten.

* ** *** ** *

Die Leistungen von Kindern einer separierenden Sonderschule, die in Regelklassen trotz Fördermassnahmen nicht beschulbar sind, können nicht eins zu eins mit denjenigen von Regelklassenkindern verglichen werden. Was ich für mich gelernt habe: Klare Vorgaben und Strukturen leiten die Kinder und geben ihnen Sicherheit. Das Gewähren der nötigen Zeit - auch wenn ich manchmal den Eindruck hatte, es gehe fast nicht vorwärts, lohnt sich und ermöglicht den Kindern zu entdecken, zu was sie alles fähig sind - hin bis zu freiwilligen "Hausaufgaben" in einer hausaufgabenfreien Schule.

Montag, 22. Mai 2017

Das riesen Chrüsimüsi im Kopf in der Mathematik muss nicht sein

In der Mittagspause drückte mir ein Kollege eine Postkarte in die Hand, eine Bekannte von ihm hätte ein Lehrmittel geschrieben. Neugierig schaute ich mir die angegebene Internetseite an. Kurz: Es geht ums rechnen, weil rund 7% aller Schulkinder in der Primarschule rechenschwach sind. Bemerkbar wird dies meist etwa in der dritten Klasse.


Die Bekannte meines Kollegen hat nun ein Arbeitsheft mit einem Koffer voller Lernmaterialien entwickelt, welche insbesondere das dezimale Verständnis in den Zahlenräumen 100 und 1000 fördert. Dabei setzt sie auf alle Abstraktionsebenen. Den Fokus setzt sie jedoch aufs Handeln. Selbst Heilpädagogin, hat sie auch Kinder mit grossen Schwierigkeiten im Auge gehabt. Trotzdem lässt es sich sowohl in Regelklassen als auch in Sonderklassen parallel zum "normalen" Lehrmittel einsetzen. Gut zu Wissen: "Gib mir 10" berücksichtigt die neusten Erkenntnisse der Hirnforschung und verwendet die Farben, die schon Maria Montessori im Rechenunterricht verwendet hat. Eingeflossen sind auch sieben Jahre Erfahrung auf dem Gebiet.

Zu kaufen gibt es "Gib mir 20" noch nicht. Wenn alles gut läuft, wird es im kommenden Monat - also gerade richtig um Hinblick auf das neue Schuljahr - erscheinen. Dazu ist noch ein bisschen Geld nötig. In einer Crowdfunding-Aktion hofft die Autorin, das nötige Geld zusammenzubringen. Wer etwas spendet bekommt eine attraktive Gegenleistung, hin bis zu einer Weiterbildung für das ganze Lehrerkollegium zum Thema rechenschwache Kinder und deren Förderung.

Mehr zum Lehrmittel auf gibmir10.ch
Mehr zur Spendenaktion auf https://wemakeit.com/projects/gib-mir-10


Anmerkungen für Leser aus Deutschland und Österreich:
* Chrüsimüsi: Zürichdeutsch für Durcheinander
* Frau Hofmann spricht im Video die deutsche Standardsprache mit leichtem helvetischen Akzent. Schweizerdeutsch wäre etwas anderes ;-)

Montag, 1. Mai 2017

Machtkämpfe ade: Mit Vertrauen erziehen

Kinder gehorchen, weil sie ihre Eltern oder Lehrer mögen und die Hierarchie kennen. Dies besagt die Vertrauenspädagogik. Ihr Begründer,  Heinz Etter, Heilpädagoge, Vater und ehemaliger Leiter eines Sonderschulheims, ist überzeugt, dass es möglich ist, aus dem Kreislauf von Machtkämpfen und Misstrauen auszusteigen.



In diesem Gespräch zeigt Hans Etter, dass Verhalten weniger eine Sache des Charakters, sondern vielmehr der Beziehung ist. Kinder sind so geschaffen, dass sie sich einer fürsorglichen Vertrauensperson gerne anschliessen, solange sie sich angenommen, geachtet und geliebt fühlen. Das Verhalten von Kindern wird nicht von Anreizen bestimmt, sondern folgt der Beziehung. Was das konkret heisst, erklärt Heinz Etter in diesem Film.

Am 6. September 2017 gibt es einen Erfahrungsaustausch für Lehrer mit Heinz Etter über Skype. Das Angebot ist gratis, es jedoch eine Anmeldung nötig.

Literatur: Heinz Etter: Erziehen im Vertrauen: Das Join-up-Konzept.

Montag, 13. März 2017

Guter Lehrer sein - ganz einfach

Gestern schrieb die NZZ am Sonntag über uns Lehrer: Qualität werde nicht durch Schulreformen erreicht, sodern durch unser können. Dabei beruft sie sich auf Hattie und druckt gleich eine Anleitung ab, was einen guten Lehrer ausmacht.

Die Neue Zürcher Zeitung nahm den Ball ihrer Sonntagsausgabe heute Morgen elegant auf und fasst den Artikel in wenigen Zeilen zusammen:

● . . . kann Regie führen und vorausplanen.
● . . . hört den Schülern richtig zu.
● . . . kann Beziehungen eingehen und kennt seine/ihre Schüler.
● . . . hat eine Passion für Zwischenmenschliches.
● . . . kann gut auf die Eltern eingehen.
● . . . findet die Balance zwischen digital und analog.

Um dann den Ball wiederum ihren Lesern zuzuspielen mit der Frage, was einen guten Lehrer ausmache. Die ersten Kommentare tönen durchaus vernünftig.