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Freitag, 3. September 2021

Lepion und andere Leseportale im Vergleich

Lepion ist ein Buchportal für Schüler von der ersten bis zur zehnten Klasse. Die Kinder wählen eigenständig Buchtitel aus, die sie bereits gelesen haben oder noch lesen möchten. Nach dem Lesen beantworten sie dann mit Hilfe von Antolin Fragen zum jeweiligen Buch. Wir Lehrer können die erbrachte Leistung im Portal einsehen. Auf diese Weise fördert Lepion das Lesen und motiviert die Kinder, sich mit den Inhalten der gelesenen Werke auseinanderzusetzen. Haben Sie beim Lesen dieser Zeilen an Antolin aus dem Westermannverlag gedacht? In der Tat sind Antolin und Lepion vergleichbare Angebote. Antolin ist etwas frischer aufgemacht, weniger textlastig. Lepion ist dafür kostenlos. 

Der grösste Unterschied zwischen den beiden Leseportalen ist die Menge verfügbarer Bücher. Bei Lepion sind rund 10 000 Bücher erfasst, bei der Konkurrenz sind es zehn Mal mehr. Bei beiden kann ich fehlende Bücher selber erfassen, so dann das System auch will. Bei Antolin kämpfe ich seit einer Woche mit Hilfe des Supports. Da ich Kunde des Verlags bin, ist meine e-Mail-Adresse irgendwo hinterlegt, weshalb ich mich nicht registrieren kann. Aber das Passwort zurücksetzen geht auch nicht, da es noch kein Konto mit meiner e-Mail-Adresse gibt. Bei Lepion war bestand dieses Problem nicht. 

Vergleich Leseportale


Lepion Antolin
Anzahl Bücher (ca.)
10 000
100 000
Bücher selber erfassen
ja
 ja
Anzahl Fragen
8-12
 10-15
Zeit
15 min
19 min
Frage richtig beantwortet
10 Pluspunkte pro Frage
1 Pluspunkt pro Frage
Frage falsch beantwortet
0
 Minuspunkte
Anzahl Fragen aufs Mal am Bildschirm
alle
eine aufs Mal
Rückmeldung
am Schluss des Quiz
nach jeder Frage
Kosten
Spende
 Jahresgebühr
für Schulen
ja
 ja
für Bibliotheken
ja
 ja
für Privatpersonen (Familien)
ja
 nein
Trägerschaft
privat (Stephan Dreisbach, Schulleiter)
 privat (Westermann Bildungsmedien Verlag GmbH)
Verbreitung
Nordrhein, Westfalen, Bayern, deutschsprachiger Raum
 deutschsprachiger Raum
Auswertung/Statistsik für Lehrer
ja
 ja
Liste aller Bücher verfügbar
ja (pdf)
 ja (csv)

Mittlerweilen sind in vielen Gemeinden und Schulbibliotheken die ausgewählten Bücher mit einem Kleber versehen. Arbeitet die Schule der entsprechenden Gemeinde mit Lepion, so ist es ein Lepionkleber. Arbeitet die Schule der entsprechenden Gemeinde  mit Antolin, so ist es ein Antolinkleber. So sieht das Kind auf den ersten Blick, dass es, wenn es dieses Buch ausleiht, nachher auch auf der Leseplattform Punkte sammeln kann. Bei Lepion können die Kinder auch gezielt nach Büchern suchen, die in ihrer (Schul-)Bibliohtek sind.

Die Lesefertigkeit ist mit vielen intellektuellen Fähigkeiten verbunden. Sie beeinflusst die Entwicklung des Vorstellungsvermögens, der Fantasie, der Sprach- und Ausdrucksweise und ist Grundlage für die Erfahrung, wie bereichernd und spannend Lesen sein kann. Diese Fähigkeiten und Erfahrungen zu entwickeln, zu fördern und zu schützen ist das Ziel von Antolin.

Fazit: Es zeigt sich einmal mehr, dass Antolin durch seine schiere Grösse einen grossen Vorteil hat: Es ist quasi jedes Jugendbuch mit einem Quiz vorhanden. Umgekehrt ist die Mitarbeit und die Eingabe eigener Bücher bei Lepion einfacher (ich stütze mich da auf Erfahrung bei Lepion und das Handbuch von Antolin). Da stellt sich dann die Frage, ob ich in meiner Freizeit lieber Lesequiz für eine gewinnorientierte Firma oder ein nichtkommerzielles Projekt eingebe. Lepion ist mir sehr sympathisch. Aber die Seite könnte durchaus etwas aufgefrischt werden; einige weniger wichtige Texte in den Hintergrund verbannt und die ganze Bildschirmbreite gebraucht werden. Für die Kinder spielt das wohl weniger eine Rolle. Sie lernen in der Schule eines der beiden Portale kennen und nutzen. Ein drittes Portal (LeseLilli) hat sein Angebot eingestellt.

Was sind deine Erfahrungen?

Montag, 2. November 2020

Kind verschwunden - Literatur

(Berliner Zeitung)
Kinder laufen selten weg. Wenn es jedoch geschieht, dann ist vorher viel passiert, viel zu viel; soviel, dass professionelle Helfer übernehmen müssen. Doch auch den Hinterbliebenen, Geschwistern, Mitschülern, Freunden stellen sich Fragen über Fragen, auf die es oft keine schlüsige Antworten gibt. In solchen Fällen kann in der Schule gegebenenfalls ein passendes Vorlesebuch (und etwas erhöhte und verlängerte Vorlesekadenzen) hilfreich sein. Indem man sich mit einer analogen Geschichte beschäftigt, kann man auch Antworten finden. Die Bücher sind aber auch zur individuellen Lektüre geeignet.

Ruedi Klapproth: Die Nacht, die sechs Tage dauerte. Rex.
Ein Mädchen fährt ins Blauringlager und kommt dort nie an. Sein Bruder ist auf der anderen Bergseite im Pfadilager. Nun beginnt die verzweifelte Suche. Ein Jugendroman voller Verzweiflung, Gefühlen, Bergen (auf einer Landeskarte kann alles nachverfolgt werden), spannend erzählt aus wechselnder Sicht (Bruder, Mädchen, Eltern).

Ruedi Klapproth: Flucht durch die Nacht. Rex.
In der Autogarage seines Vaters schläft ein Knabe, der offenbar zu Hause ausgerissen ist. Wer ist es? Weshalb ist er weg? Soll er ihn verraten? Soll er die Eltern beiziehen? Der Roman beginnt in der Mitte der Geschichte und nur Schritt für Schritt erfährt der Leser die Ursachen und Hintergründe. Mit dem Protagonist wundert er sich, fiebert mit; ein stimmiges Gesamtbild erschliesst sich erst gegen den Schluss. Spannung pur!

Ruedi Klapproth: Stefan. Rex.
Der körperlich behinderte grosse Bruder soll in der Regelschule integriert werden. Spannend erklärt von einem Fünftklässler. Das geht natürlich nicht ohne Probleme, doch diesen müssen sich alle stellen; davonlaufen ist keine Lösung.

Carlo Meier: Die Kaminski-Kids: Auf der Flucht. Brunnen.
Die Kamisnki-Kids lernen im Skilager zwei Kinder kennen, die zu Hause weggelaufen sind. Sie versuchen ihnen zu helfen und geraten dabei selbst in die Klemme. Die Schweizer Illustrierte ist überzeugt: Sogar lesefaule Kinder werden durch die Kaminski-Kids zu Leseratten! Meine Kinder würden dies sofort unterschreiben.

Christine Nöstlinger: Ilse Janda, 14 oder Die Ilse ist weg. Oetinger.
Die Erzählerin mag in der 5. Klasse sein. Sie lebt in Österreich in gelinde gesagt komplizierten Familienverhältnissen. Ihre grosse Schwester geht weg. Dabei ist nicht alles so, wie sie erzählt hat. Was die Erzählerin weiss und herausfindet, mag sie jedoch nicht jedem anvertrauen. Das macht die Geschichte ziemlich komplex. Soviel sei verraten: Ilse kommt wieder zum Vorschein; ob die Geschichte gut endet - oder nicht -, das lässt Nöstlinger jedoch offen.

Montag, 17. August 2020

Gelbe Fibel für flinke Leser

Er gibt sich sehr abgeklärt: Andere hätten ein bisschen Angst vor der Schule, aber er habe Frau B... (die Lehrerin) schon einmal gesehen und er wisse, wo das Schulzimmer sei: Im hinteren Schulhaus im oberen Stock... Ausserdem hat sich der selbstbewusste Kindergärtler über die Ferien das Lesen selber beigebracht mit den Wörtern, die sich gerade angedient haben: Ortsnamen von den Wanderwegweisern in den Bergen und von den Endzielanzeigen der Postautos (Linienbusse v.a. im ländlichen Gebiet in der Schweiz). Da muss man schnell sein und manche Wörter beginnen mit dem gleichen Buchstaben. 

Nicht immer steht das Postauto so schön still. 
Oft ist es in Bewegung. Da muss man
die Destination schnell erfassen.

Auch die analoge Zeit mit Punkt und halb war so ein autodidaktisches Projekt, nachdem er im Kindergarten die Zahlen bis 12 kennengelernt hatte. Zu Hause haben die Eltern explizit schulische Themen weggelassen - ausser er hat konkret gefragt: Was ist das für ein Buchstabe/Kantonswappen (auf der Autonummer)/etc. 

Nur in einem Punkt hat sein Vater insistiert, dass er seinen Namen in der üblichen Gross-Klein-Schreibung schreibt. Das hatte er sich Schritt für Schritt erfragt, wurde dann jedoch im Kindergarten (in der Schweiz ist das von 4-6) zurückgebunden, es sei einfacher, alles in MAJUSKELN zu schreiben und man könne (wolle?) das nicht bei jedem Kind je nach Vorwissen anders handhaben.

Das hat mir wieder einmal gezeigt, wie Geschichten helfen. Im Kindergarten musste er einfach ab Vorlage kopieren, was in diesem Alter noch ziemlich abstrakt und entsprechend fehleranfällig ist. Ergo waren oft auch einige Buchstaben gespiegelt. In der Gross-Klein-Schreibung hielt er sich an eine selber erfundene Geschichte: 1 Gipfeli (Croissant), 1 Kreislein, 1 Kleiderhaken, 1 Böglein, 1 Schnecke, 1 Männchen mit einem Köpfchen, 2 Striche, 1 Schnecke. Diese bildhaften Umschreibungen der Buchstaben, die haben natürlich alle einen Namen. Der Kleiderhaken etwa heisst Rrrr.

Bei der Post gibt es übrigens neben den bekannten Unterrichtsmodulen zum Thema "Post" auch ein schönes und sehr altersgerechtes Bilderbuch für die Schulanfänger: Theo und Mia unterwegs - natürlich mit dem gelben Postauto!

Samstag, 14. März 2020

Falls die Schule geschlossen wird

"Falls die Schule geschlossen wird" heisst eine Nachricht, welche die Logopädin gestern Mittag versandte. Natürlich kann sie, wenn sich alles eingespielt hat, per Telefonkonferenz Einzelunterricht, resp. Therapiestunden geben.

Bis dann und parallel dazu gab sie die folgenden Hinweise:
  • Alle Kinder, die Zugang zu Dybuster Orthograph (Legasthenie) und Dybuster Calcularis (Diskalkulie) haben, sollen nach Möglichkeit während einer Quarantäne oder Schliessung der Schule täglich 20min Orthograph und/oder Calcularis üben. Sie werde das dann von zu Hause aus kontrollieren ob und wie geübt wird und wenn notwendig sich mit den Eltern in Verbindung setzen, welche Module geübt werden soll, was sinnvoll ist und was weniger.
  • Ausserdem sollen die Kinder
    • Bücher lesen, 
    • Brett- und Kartenspiele spielen.
Mit Calcularis arbeite ich auch punktuell. Es ist ein ausgefeiltes Programm. Insofern gewöhnungsbedürftig, dass ich als Lehrer nichts einstellen kann. Es beginnt bei null und passt sich immer automatisch dem Lernfortschritt und den Fehlern des Kindes an.

Die beiden "Ausserdem"-Punkte sind ja wohl nicht nur für Logokinder gedacht...

Montag, 14. Januar 2019

Von gebratenen Kartoffelstängelchen und Nervosität vor dem Auftritt

Was bedeutet nachäffen und was ist Lampenfieber? Überall kommen Fremdwörter und seltene Ausdrücke vor. Deshalb ist es auch immer wieder wichtig, Wortschatzarbeit mit den Kindern zu machen. Auch die folgende Übung passt zu einem Kapitel aus dem Taschenbuch Die Linda-Klasse entdeckt die erste Liebe (5. Klasse), kann aber völlig unabhängig davon benutzt werden.


Amüsieren Sie sich an den im Fett gebratenen Kartoffelstängelchen...

Montag, 7. Januar 2019

Fremdwörter und Wortschatzarbeit

Was ist ein Gentleman, was ein Nebenbuhler? Überall kommen Fremdwörter und seltene Ausdrücke vor. Deshalb ist es auch immer wieder wichtig, Wortschatzarbeit mit den Kindern zu machen. Die folgende Übung passt zu einem Kapitel aus dem Taschenbuch Die Linda-Klasse entdeckt die erste Liebe (5. Klasse), kann aber völlig unabhängig davon benutzt werden.

Montag, 26. November 2018

Adventszeit beruhigen

Viele Kinder sind sich der Bedeutung der Adventszeit als vierwöchige Wartezeit auf Weihnachten gar nicht bewusst, insbesondere auch Kinder, die eher Geschenknachten feiern, oft nicht nur an einem Tag (24. oder 25. Dezebember), sondern durchgehend von November bis Neujahr.

Die Auswirkungen bei uns in der Schule sind bekannt: Nervosität, Konzentrationsschwierigkeiten und dergleichen häufen sich. Was hat sich bewährt, um Ruhe und Konzentration in der Adventszeit im Schulzimmer zu stärken?
  • Ein gemeinsamer Anfang. Das kann das tägliche Vorlesen eine (Fortsetzungs-) Geschichte sein oder auch ein Adventskalender, bei dem die Kinder bereits am Vorabend ihr "Törchen" öffnen und am nächsten Morgen bei Kerzenschein einen adventlichen Einstieg vorbereitet vortragen: Etwas über spezielle Tage oder Traditionen, eine Kurzgeschichte, ein Gedicht.
  • Ein Lied, das sich im Laufe der Adventszeit steigert: zuerst eine Strophe, dann zwei, dann drei und in der letzten Woche vier. Der Klassiker ist sicher "Wir sagen euch an, den lieben Advent". Zum Refrain meinte Selin, ein türkischstämmiges Mädchen, den könne es gut mitsingen, denn seine Freundinnen seien ja Christen, sie sänge immer für Nicole, wenn sie sänge "Freut euch, ihr Christen" und ihre Freundin soll sich ja auf Weihnachten freuen. Wer im alemannischen Raum (Deutschschweiz, Liechtenstein, Schwaben, Baden-Würtemberg, Vorarlberg) mit jüngeren Kindern arbeitet, greift wohl eher auf Vier Cheerze von Andrew Bond zurück.

  • Ich habe meinen Kindern vier Papierkerzen hingelegt als "Gutscheine", die sie im Laufe des Tages einlösen können (am nächsten Morgen lagen sie dann wieder an den Plätzen). Mit einem konnte man an einer Hörstation (ein Laptop mit Kopfhörern) ein Stück klassische oder weihnachtliche Musik hören - jeden Tag ein anderes. Mit einem anderen durfte man 10 min in die Bücherecke, mit dem dritten 5 min auf dem Balancierbrett balancieren, ...
  • Grittbänzen backen - respektive viel mehr den Teig anrühren und kneten. Das gleiche gilt auch für anderes Adventsgebäck, etwas Lebkuchen. Auch gibt es im (alten) Französischbuch Envol 5 ein einfaches und sehr schmackhaftes Rezept für Mailänderli.
  • Basteln: Gerade klassische Bastelaufgaben wie Engel, Tannenbäume, Sterne und dergleichen falten kann sehr meditativ und ruhefördernd sein.
  • Das gleiche gilt für Kerzenziehen.
  • Wie schreiben ein Buch: Jedes Kind schreibt eine Geschichte (Aufsatz) zu einem übergeordneten Thema (Weihnachtsgeschichte, Wintergeschichte, wahre Freundschaft o.ä.). Die Kinder überarbeiten die Geschichten in Kleingruppen (wenn man auch sonst von Célestin Freinet inspiriert unterrichtet); erstellen eine Reinschrift von Hand oder am PC und eine schöne Illustration, ggf. mit einer vorgegebenen Technik. Zu guter letzt ergibt dies dann ein (kopiertes) Lesebüchlein im Format A6 (dann wird es auch schön dick!) für jedes Kind am letzten Tag vor den Ferien und die Parallelklasse und die Schulbibliothek.
  • Für Erst- und vielleicht auch noch Zweitklässler gibt es einen wunderschönen Adventskalender von den vier Zwergen Zipf, Zapf, Zepf und Zipflewitz. Jeden Tag lädt ein Bild zum schauen, entdecken, sprechen, schreiben ein. Ein, zwei Sätze auch zum stufengerechten lesen. Dazu gehört eine CD mit 24 kurzen eingängigen Liedlein. Im Original sind die Lieder alemannisch/schweizerdeutsch (der Lehrmittelverlag nennt das "Mundart"). In der Zwischenzeit gibt es für Kolleginnen aus dem nördlichen Deutschland und Hinterarlberg auch eine schriftdeutsche Version (der Lehrmittelverlag nennt das "Hochdeutsch", als wären die alemannischen Dialekte nicht auch Hochdeutsch...).
Wichtig ist sicher, dass man nun nicht alles dieses Jahr ausprobiert, sondern sich auf wenig beschränkt, so dass unsere Schulstube uch wirklich zu einem Hort der Ruhe wird.

Hast du weitere Ideen? Dann schreibe sie doch unten ins Kommentarfeld!

Montag, 31. Juli 2017

Magie im Schulzimmer

Auch Kinder, die noch nicht französisch lernen, verstehen zumindest das zweite Wort der clés magiques. Das ist etwas magisches, hat mit Magie zu tun. In der Tat zaubern wir im Kanton Zürich und anderen Deutschschweizer Kantonen seit knapp zwanzig Jahren mit diesen Zauberschlüsseln im Französischunterricht - und zuweilen auch in anderen Sprachen.

Die Autoren des Lehrwerks Envol (5.-9. Klasse), Achermann, Bawidamann, Tchang-George und Weinmann haben diese neun Schritte zum Textverständnis zusammengetragen und sinnigerweise auf deutsch publiziert. Es geht ja darum, wie man französisch versteht, auch wenn man noch nichts - oder zumindest nur wenig - versteht.
Wir arbeiten mit den clés magiques im Französischunterricht ab der 5. Klasse (in welcher sie schrittweise eingeführt werden), setzen sie als Zauberschlüssel jedoch auch schon in der vierten Klasse mit Kindern mit Schwierigkeiten in der Texterschliessung im Deutschunterricht ein. Sechstklässlern halfen sie beim Verständnis eines irre komplizierten Textes der Gymnasiumsprüfungsvorbereitung, Kindern mit balkanesischer Muttersprache beim Entschlüsseln der Geheimnisse der Schweizer Geschichte und vielen anderen auch. Daneben eigenen sie sich auch im Englisch. [Ja, der dritte Schlüssel muss natürlich sinngemäss angewandt werden.]

Wer hat auch Erfahrung mit den clés magiques?
Wer hat Erfahrung mit anderen Textverständnishilfen?

Montag, 11. Januar 2016

Weiterverarbeitung Freier Texte

Im Herbst wies ich auf die Vorteile des "Freien Schreibens" hin, nachdem in der Woche zuvor auf Gerd Hähnels Jugendroman "Viktor im Schattenland" vorgestellt worden ist. Die Erfahrung zeigt es immer wieder: Wenn die Texte wirklich frei sind, schreiben viele Schüler mit großer Freude. Schreiben und Lesen werden eher als sinnvolle Tätigkeiten erlebt. Das überträgt sich häufig auch auf die üblichen Aufsatzformen, ja beflügelt diese sogar. Dies kann man noch verstärken, indem man geeignete Texte veröffentlicht, etwa durch:
  • Vorlesen in der Klasse
  • Veröffentlichung in einem gemeinsamen Klassenbuch
  • Veröffentlichung in der Klassenzeitung
  • Veröffentlichung in der Klassenrundzeitung "Kinderwelt" (siehe Bindestrich 73/2012, pp. 35-38)
  • Austauschen mit einer Korrespondenzklasse
  • usw. usw.

Viktor im Schattenland (Buch)
Viktor im Schattenland (Unterrichtsmaterial)

Quelle: Gerd Hähnel

Montag, 28. Dezember 2015

Märchen helfen bei der Entwicklung

Illustrationen sind
wichtig.
Zur Ergänzung des letzten Beitrages noch einige Gedanken über Märchen. Sie passen gut zur Unterstufe, den Kindergarten, aber auch das Elternhaus.

Schöne Prinzessinnen, böse Hexen und dunkle Wälder: Märchen entführen unsere Kinder nicht nur in eine sagenhafte Fantasiewelt, sie sind auch aus psychologischer Sicht wichtig für die Kleinen. Wer ist gut, wer ist böse? Im Märchen ist diese Frage leicht zu klären: Es gibt entweder gut oder böse, klug oder dumm, fleißig oder faul. Und genau diese Schwarz-Weiß-Färberei ist es, die Märchen bei Kindern so beliebt macht. Gefühle werden eindeutig und damit für Kinder nachvollziehbar beschrieben.

Natürlich wimmelt es in den meisten Märchen auf den ersten Blick nur so von „Mord und Totschlag“, ein Grund, warum viele Eltern zögern, ihrem Kind diese Geschichte zu erzählen. Doch die Bedenken sind unbegründet. Märchen sind so verfasst, dass sie keine Angst machen. Damit kleine Kinder nicht doch Angst bekommt, sollten Sie nicht zu übertrieben laut oder mit verstellter Stimme den Bösewicht mimen, denn Ihr vertrauter Tonfall gibt dem Kind Geborgenheit. Werfen Sie beim Kauf eines Buches auch einen Blick auf die Illustrationen. Sind sie so, dass die Kinder sich ängstigen könnten, sollten sie sich lieber für ein anderes Buch entscheiden. Bei meiner Tochter musste das wunderschön gestaltete Hänsel und Gretel-Buch wochenlang vor dem Kinderzimmer aufbewahrt werden, weil meine Tochter nicht im Zimmer zusammen mit der gruseligen alte Hexe schlafen wollte.

Übrigens haben Kinder oft ein spezielles Lieblingsmärchen und wollen dieses immer und immer wieder erzählt bekommen. Auch wenn die Geschichte Ihnen selbst schon zu den Ohren rauskommt, geben Sie dem Wunsch unbedingt nach. Vor allem Kinder im Vorschulalter brauchen einfach die Zeit sich mit dem Erzählten zu beschäftigen und auseinander setzen zu können.

Montag, 21. Dezember 2015

Jeden Tag eine halbe Stunde vorlesen

Vorlesen ist auch toll, wenn nur
Mama oder nur Papa es tun. Mit
beiden ist es natürlich noch toller
Foto: Thinkstock
Schon 20 Prozent der Einjährigen sitzen nach einer Erhebung des Internationalen Zentralinstituts für das Jugend- und Bildungsfernsehen (IZI) regelmäßig vor dem Bildschirm, von den Dreijährigen fast 90 Prozent. Auch wenn Entwicklungspsychologen sagen, dass Zweijährige von Fernsehbildern überfordert sind. Und das keineswegs nur von den schlimmen Bildern, die in den Nachrichten gezeigt werden oder von Gewalt in Krimis. Auch mit harmlosen Flimmerbildern tun sie sich schwer.

Eine der schönsten und besten  Förderungsmöglichkeiten für Kinder (und Alternative für den Bildschirm) sind unumstritten Bücher. Alle Kinder lieben es, mit einem Menschen, den sie lieb haben, Bücher anzuschauen: Auf dem Schoß aneinander gekuschelt bringt das für beide eine ganz besondere Erfahrung von Nähe. Jeden Tag eine halbe Stunde, möglichst immer zur selben Zeit, verlässlich und gemütlich: Dieses Gefühl von Vergnügen, Zuwendung und Wohlbefinden verbinden die Kleinen dann für den Rest ihres Lebens mit Büchern. Für diese Kinder ist ein Buch darum auch später ein Anblick, der Freude auslöst und kein Lerngegenstand, vor dem er Angst hat. In der Schule finden Kinder damit einen leichteren und fröhlicheren Zugang zum Lernen. Das haben Untersuchungen in vielen Ländern bestätigt.

Montag, 19. Oktober 2015

Vorteile des Freien Schreibens

Letzte Woche wies ich auf das Buch "Viktor im Schattenland" hin, das sich gut als Klassenlektüre ab der 5. Klasse eignet und in dem das "Freie Schreiben" vorkommt. In der Freinet-Pädagogik billigt man den Freien Texten wichtige Funktionen zu:
  • Als Lehrer erfährt man viel über die Interessenschwerpunkte der Klasse.
  • Die Schüler können sich etwas „von der Seele“ schreiben. Allerdings sollte man hier als Lehrer sehr vorsichtig agieren und die Privatsphäre des Schülers schützen: Nicht jeder Freie Text gehört in die Klassenöffentlichkeit. Aus Freien Texten können sich aber Hinweise dafür ergeben, dass man einem Schüler z. B. fachliche Hilfe vermittelt.
  • Man kann Schüler, die sonst eher zur „schweigenden Mehrheit“ gehören, zur Artikulation ihrer Interessen verhelfen.
Viktor im Schattenland (Buch)
Viktor im Schattenland (Unterrichtsmaterial)

Quelle: Gerd Hähnel

Montag, 12. Oktober 2015

Über das Freie Schreiben

Das vierte Kapitel Gerd Hähnelks Roman «Viktor im Schattenland» trägt den Titel „Den Kindern das Wort geben». Diese Formulierung steht für das pädagogische Selbstverständnis von Célestin Freinet, wie er es in seiner Schrift «Die pädagogischen Invarianten» (1964) ausdrückt (zitiert in: Karlheinz Burk u.a.: Kinder beteiligen – Demokratie lernen. Grundschulverband Frankfurt 2003, S. 271). Im Folgenden nur einige kurze Hinweise zum Freien Schreiben. Seine enormen pädagogischen Möglichkeiten erlebt man im Roman, vor allem in Kapitel 4 und 5.

«Den Kindern das Wort geben» meint einerseits, das Interesse der Schulkinder in möglichst hohem Maße in den Mittelpunkt des Unterrichts zu stellen. Andererseits kann man diese Forderung auch sehr konkret verstehen: Die Schüler sollen an das Freie Schreiben herangeführt werden: nicht nur, aber auch. (Teilweise wird der Begriff «kreatives Schreiben» synonym gebraucht.) Die Schüler sollen also über das schreiben, was sie bewegt.

Viktor im Schattenland (Buch)
Viktor im Schattenland (Unterrichtsmaterial)

Dienstag, 27. August 2013

Besser ohne 45-Minuten-Diktat

Die Klosterschule in Hamburg hat die 45-Minuten-Lektionen abgeschafft, um mehr Zeit und Musse fürs Arbeiten zu bekommen. Dies geht einher mit Unterrichtsmethoden, welche das Kind in den Mittelpunkt stellen. Und siehe: Die Kinder gehen gerne zur Schule, lieber als in andere, frühere Schulen. Dadurch sind sie motivierter, was sich wiederum positiv auf das Lernen auswirkt.




Ähnliches hat ein Kollege in einem kleinen Dorf in der Region Zürich getan, der in einem Pavillon am Rande des Schulareals unterrichtet. Kurzerhand hat er den elektrischen Kontakt der Schulglocke unterbrochen. Schon nach wenigen Wochen haben sich die Kinder vom 45-Minuten-Rhythmus gelöst und konzentrierter gearbeitet. Die Pausen finden nach Bedarf statt: manchmal schon nach einer halben Stunde, manchmal erst nach zwei...

Ausserdem im Filmbeitrag: Vom Erfolg der Lesestunde. Auch das nichts Neues, aber leider viel zu wenig verbreitetes. Bereits vor Jahrzehnten z.B. in St. Michael, Zug eingeführt, indem morgens jeweils zwei 45-Minuten-Lektionen zu einer 80-Minuten-Lektion zusammengezogen wurden, wodurch die Zeit für die Lesestunde gewonnen werden konnte.