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Donnerstag, 2. Februar 2023

Kinder auf Erfolgskurs?

Professor Margrit Stamm gilt als Pionierin im Bereich der Pädagogischen Psychologie und Erziehungswissenschaft: Margrit Stamm hat sich als eine der ersten Wissenschaftler in der Schweiz mit dem Thema «Frühkindliche Bildung und Familie» auseinandergesetzt. Ihr grosses Forschungs- und Publikationsspektrum umfasst u.a. die Bereiche Begabung und Talententwicklung über die gesamte Lebensspanne, Chancengerechtigkeit und Berufsbildung.

Das Nachdenken über den Schulerfolg der Kinder hat Konjunktur. Eltern fühlen sich verpflichtet, das Bestmögliche aus den Kindern herauszuholen. Wie können Väter und Mütter einen gelingenden Werdegang ihrer Kinder unterstützen, ohne selbst nicht an die eigene Leistungsgrenze zu gelangen? Der Vortrag von Professor Margrit Stamm zeigt auf, dass der Fokus auf gute Noten zu einseitig ist. Kinder sind dann auf Erfolgskurs, wenn ihre Eltern einen entspannten Erziehungsstil pflegen und Lebenskompetenzen wie Hartnäckigkeit und Frustrationstoleranz fördern.

Auzfzeichnung eines Vortrages vom 26. August 2021; Dauer: 1h 10min

Mittwoch, 16. März 2022

Die erschreckende Wahrheit darüber, was unseren Kindern schadet

In der letzten Woche habe ich mehrere Studien gelesen, die mir Angst machen... es ist die beängstigende Wahrheit darüber, was unseren Kindern schadet. Wir alle wissen, dass das, was unsere Kinder hören, ihre innere Stimme wird, aber es ist schwer zu kontrollieren, was sie von anderen hören, nicht wahr?

Die erschreckende Wahrheit über das, was unseren Kindern weh tut

CNN interviewte kürzlich Dr. Jean Twenge, die Autorin von iGen, und ihr Interview beunruhigte mich - denn ich sah die Wahrheit, mit der ich in nur wenigen Jahren konfrontiert sein würde, wenn mein ältester Sohn in die Sekundarschule kommt und ich ebenfalls Kinder im Teenager- und Grundschulalter erziehen würde.   Dr. Twenge begann vor 25 Jahren mit der Erforschung von Generationsunterschieden, aber als es 2011-2012 losging, sah sie etwas, das sie bis ins Mark erschreckte.   Dies ist das Jahr, in dem jeder Videospiele hatte und diejenigen, die iPhones hatten, über die 50%-Marke gingen.

Denken Sie darüber nach, was das wirklich bedeutet: Es war das Jahr, in dem die Menschen begannen, Zugang zur digitalen Welt zu haben. Soziale Medien wurden populär, das Versenden von Videos und Fotos nahm zu (zusammen mit dem Gefühl, ausgeschlossen zu sein).  Die Grenze zwischen dem Leben zu Hause, der Schule, der Arbeit und dem sozialen Leben wurde immer unschärfer.

Das Ergebnis war ein Teenager-Verhalten, das uns alle erschrecken sollte.

  • In diesem Jahr begannen mehr Kinder zu sagen, dass sie sich "traurig, hoffnungslos, nutzlos fühlten ... dass sie nichts richtig machen konnten (Depression)."
  • Sie hatten häufige Stimmungsschwankungen.
  • Sie fühlten sich ausgegrenzt und einsam.
  • Die Depressionsrate steigt sogar noch schneller unter Millennials (um 47 Prozent) und Jugendlichen (um 47 Prozent bei Jungen und um 65 Prozent bei Mädchen. (Quelle: BCBS-Bericht)
  • Depression Die Diagnosen von schweren Depressionen steigen am schnellsten bei den unter 35-Jährigen.
  • Depressionsdiagnosen haben seit 2013 bei Millennials (18-34 Jahre) um 47 Prozent zugenommen."
  • Ein erheblicher Anstieg der Selbstmordrate.

Bevor ich Ihnen weitere Informationen gebe, möchte ich, dass Sie sich diese Diagramme ansehen, die zeigen, was als negative Verhaltensweisen angesehen werden könnte, und sich ansehen, wie die Informationen mit den neuen iPhones korrelieren.

Sie hängen nicht mehr so viel mit Freunden ab.


Sie verabreden sich nicht mehr so oft in ihren Teenagerjahren.


Sie fühlen sich in ihren Teenagerjahren eher einsam.


Sie bekommen weniger Schlaf.


Sie sagt weiter, dass wir uns in der schlimmsten psychischen Gesundheitskrise seit Jahrzehnten befinden. Sie können ihr Buch, iGen, auf Englisch in der Bibliothek ausleihen oder hier bestellen, um den Rest ihrer Erkenntnisse zu lesen.

Warum ist das so?  Warum sind Kinder durch die Elektronik depressiver geworden?  Denken Sie daran, als wir in der Schule waren - wir wussten nicht jedes Mal, dass es ein Treffen gab, zu dem wir nicht eingeladen waren, und wir sahen nicht von jedem Ausflug, Spiel oder jeder Party Bilder.

In meinen Teenagerjahren war es uns egal, wie wir aussahen, wenn wir mit Freunden abhingen, denn wir waren die Einzigen, die da waren - ich kann mich daran erinnern, wie wir mit meinen besten Freunden in unseren Jogginghosen herumsaßen und einfach nur lachten - wir Mädchen trugen kein Make-up oder kümmerte mich darum, ob ich meine Haare richtig frisiert hatte, denn die Sorge um ein Telefon oder eine Kamera war nicht da.

Denken Sie an Mobbing. Wenn wir die Schule verließen, verließen wir sie. Wenn wir gehänselt wurden, passierte das nicht zu Hause.  Es passierte nicht so öffentlich. Jeder konnte es nicht sehen oder wissen, worüber sie andere Kinder hänseln, weil sie nicht dabei waren. Jetzt ist alles öffentlich bekannt, und die Gleichaltrigen unserer Kinder können mitmachen oder zusehen. Es ist entsetzlich.

Ich kann mir nicht vorstellen, jetzt ein Tweener oder Teenager zu sein.  Obwohl - als Eltern von Kindern müssen wir es glauben, weil wir unseren Kindern helfen müssen, damit umzugehen. Und die Beziehung zwischen Eltern und Teenager ist noch viel schwieriger. Es ist schwer, ein Vorbild zu sein und Ihren Teenager zu ermutigen, wenn Sie Schwierigkeiten haben, eine Beziehung aufzubauen, und es war noch nie so wichtig, Teenager-Jungen und -Mädchen gut zu erziehen.

Die erschreckende Wahrheit, die unsere Kinder verletzt
Laut Victoria Prooday, Beschäftigungstherapeutin und Autorin bei YourOT.com, "entwickelt sich gerade eine stille Tragödie in unseren Häusern, und sie betrifft unsere wertvollsten Juwelen - unsere Kinder... Forscher haben alarmierende Statistiken über einen starken und stetigen Anstieg der psychischen Erkrankungen von Kindern veröffentlicht, die nun epidemische Ausmaße erreichen:

  • 1 von 5 Kindern hat psychische Probleme
  • 43% Anstieg bei ADHS
  • 37%ige Zunahme von Depressionen bei Jugendlichen
  • 100%ige Zunahme der Selbstmordrate bei Kindern im Alter von 10-14 Jahren".

Sie fährt fort: "Die Kinder von heute werden der Grundlagen einer gesunden Kindheit beraubt:

  • emotional verfügbare Eltern, die in Verbindung bleiben
  • Gespräche, die Blickkontakt beinhalten
  • klar definierte Grenzen und Führung
  • Verantwortlichkeiten
  • ausgewogene Ernährung und ausreichender Schlaf
  • Bewegung und Aufenthalt im Freien
  • kreatives Spiel, soziale Interaktion, Möglichkeiten für unstrukturierte Zeiten und Langeweile

Stattdessen werden Kinder bedient mit

  • digital abgelenkten Eltern
  • nachsichtige Eltern, die ihre jugendlichen Söhne und Töchter "die Welt regieren" lassen
  • ein Gefühl des Anspruchs statt der Verantwortung
  • unzureichender Schlaf und unausgewogene Ernährung
  • bewegungsarmer Lebensstil im Haus
  • leichterer Zugang zu Drogen und Alkohol, der zu Drogenmissbrauch führen kann
  • endlose Stimulation, technologische Babysitter, sofortige Befriedigung und das Fehlen von langweiligen Momenten"
  • wie wahr ... und wie traurig.

Sie können den Rest ihrer Geschichte und mehr auf yourot.com lesen.

Ich könnte nicht mehr zustimmen.  Time schreibt: "Trotz des Anstiegs der Depressionen bei Teenagern, berichtet die Studie, die Daten aus den National Surveys on Drug Use and Health analysierte, dass es keinen entsprechenden Anstieg der psychischen Behandlungen für Jugendliche und junge Erwachsene gab. Die Forscher sagten, dies sei ein Hinweis darauf, dass es eine wachsende Zahl junger Menschen gibt, die wegen ihrer Symptome unterbehandelt oder gar nicht behandelt werden."

In dem Artikel heißt es weiter, dass es nicht nur um das Verhalten und die Gefühle unserer Teenager geht, sondern auch um junge Kinder - in der Grundschule.  Schulberater wie Ellen Chance in Palm Beach sagen, dass sie Beweise dafür sehen, dass Technologie und Online-Mobbing die psychische Gesundheit von Kindern bereits in der fünften Klasse beeinträchtigen, insbesondere von Mädchen.

"Ich kann Ihnen gar nicht sagen, wie viele Schüler über Instagram bösartig zueinander sind. Ich hatte schon Fälle, in denen Mädchen nicht zur Schule kamen, sich selbst schnitten und schwer depressiv wurden, weil sie sich ausgegrenzt und angegriffen fühlten." Sie sagt, dass sie nun fast wöchentlich Schnittvorfälle an ihrer Grundschule sieht, und obwohl sie in ihrer Schwere variieren, ist es ein Signal, dass nicht alles in Ordnung ist.

Was können wir dagegen tun?

1. Tauschen Sie Hausarbeiten gegen Bildschirmzeit
Aufgaben erhöhen das Selbstwertgefühl der Kinder. Beispiel: Wenn du den Tisch nicht deckst, können wir nicht essen.  Wenn du deine Kleidung nicht wäschst, hast du morgen nichts zum Anziehen:

"Um ein hohes Selbstwertgefühl zu entwickeln, braucht eine Person einen Zweck. Eine Schlüsselkomponente für ein hohes Selbstwertgefühl hängt davon ab, wie Sie sich selbst in Bezug auf Ihren Beitrag sehen. Mit anderen Worten: In der kindlichen Entwicklung spielen Hausarbeiten eine große Rolle für das Selbstwertgefühl eines Kindes." ~Impact Parenting.  

Sie müssen lernen, dass Arbeit vor dem Spielen kommt.   Dies wird ihre elektronische Zeit drastisch reduzieren, ohne dass Sie nörgeln oder schreien müssen. Sie können solche Karten einfach selber basteln.

2. Die AAP schlägt nun vor, alle Kinder ab einem Alter von 11 Jahren auf Depressionen zu untersuchen.

3. Gehen Sie zurück zu dem, was wir vor dem Telefon gemacht haben (zurück zu dem, was unsere Eltern gemacht haben, als wir jung waren)... verbringen Sie Zeit mit analogen Spielen mit unseren Kindern. Brettspiele. Kartenspiele, Gesellschaftsspiele. Drinnen und draussen. Basteln. Modelle bauen. etc.

4. Verbringen Sie die Nachtessenszeit mit Gesprächen.

5. Lassen Sie alles stehen und liegen, wenn Ihre Kinder von der Schule nach Hause kommen, um mit ihnen zu SPRECHEN.

6. Essen Sie das Nachtessen, ohne dass der Fernseher läuft, das Telefon in der Nähe ist oder das Tablet auf etwas eingestellt ist.

7. Nutzen Sie jede "Autozeit", um mit unseren Kindern zu sprechen (vielleicht sogar, indem Sie keine Elektronik im Auto erlauben).

8. Achten Sie darauf, dass Ihr Kind genügend Schlafstunden bekommt. Dies ist ein wesentlicher Faktor, der dazu beiträgt.  

9. Bewahren Sie nicht zu viel Junk Food im Haus auf.  Schränken Sie Junk Food ein und ersetzen Sie ihn durch Obst und Gemüse.  Wenn Ihr Kind wählerisch ist, kann es sicherlich ein Obst oder Gemüse finden, das es mag.  (Ich habe unseren Kindern auch beigebracht, Smoothies zu machen, aber sie müssen hinterher aufräumen, oder sie verlieren das Privileg, den Mixer zu benutzen... sie LIEBEN es, sie zu machen, also ist das eine Konsequenz, die sie nicht auf sich nehmen wollen).

10. Machen Sie eine technikfreie Woche und sagen Sie Ihren Kindern, sie sollen "spielen gehen"!   Haben Sie nicht das Bedürfnis, immer mit ihnen zu spielen.  Meine Aufgabe als Spieltherapeutin ist es, Eltern beizubringen, wie sie mit ihren Kindern spielen können, um ihnen zu helfen. Ich denke zwar immer, dass es eine gute Idee ist, mit Ihren Kindern zu spielen, aber ich möchte auch, dass sie alleine spielen.  Ich möchte, dass sie lernen, wie sie sich selbst unterhalten können. Vielleicht besser einen technikfreien Tag pro Woche. In Island sendete bis vor wenigen Jahren das Fernsehen nur Freitag-Mittwoch, damit die Leute am Donnerstag lesen und spielen konnten!

11. Schon als unsere Kinder noch sehr klein waren, habe ich ihnen Zeit gegeben, sich selbst zu unterhalten, und jetzt sind sie in der Lage, Wege zu finden, sich selbst zu beschäftigen (malen, spielen, bauen, etc.)

12.  Retten Sie Ihre Kinder nicht. Hier ist ein Beispiel, das kürzlich in unserem Haus passiert ist: Ich habe angefangen, unsere Kinder ihr Mittagessen einpacken zu lassen (unter meiner Aufsicht), aber gestern beschloss einer unserer Söhne zu warten... und zu warten... und zu warten.  Als es nur noch 10 Minuten bis zur Abfahrt waren, bat er mich, es einzupacken.  

Ich sagte nein, und er fragte dann nach Essensgeld.  

Ich sagte: "Ich glaube, es ist oben in deinem Sparschwein, falls du da was drin hast." Sein Gesicht sagte alles. Ich hatte nicht vor, ihn aus der Sache herauszukaufen. Es war seine Verantwortung.

Es ist NIE einfach, unseren Kindern diese Lektionen beizubringen, aber sie dienen unseren Kindern gut. Er machte sich schnell ein Mittagessen und machte sich auf den Weg. Er lernte eine wertvolle Lebenslektion darüber, wie man sich auf den Tag vorbereitet.

13.  Sprechen Sie mit Ihren Kindern darüber, warum sie zu Ihnen kommen müssen, wenn etwas nicht in Ordnung ist.  Ich spreche mit unseren Kindern über all dies, und sie wissen, dass ich alles tun würde, um ihnen zu helfen.   Ich sage es täglich... "Wenn du dich jemals wegen etwas traurig oder ausgeschlossen fühlst und es zu groß für dich wird, um es einfach zu bewältigen, komm zu mir."

Ja, es ist viel, was ich ihnen sage, aber es ist die Wahrheit.  Sie müssen es wissen.  Es ist keine Sache, mit der man scherzt, und es ist keine, die man auf die leichte Schulter nimmt. Reden Sie HEUTE mit Ihren Kindern.

14. Vereinbaren Sie mit sich selbst eine Regel, dass Sie IHRE Online-Ablenkungen einschränken werden, wenn Ihre Kinder zu Hause sind. Legen Sie eine Zeit fest, zu der Sie die elektronischen Geräte weglegen können... zum Beispiel: Machen Sie die Zeit von 15:30 bis 21:00 Uhr zu einer technikfreien Zeit für Sie als Elternteil. (oder die Zeit, in der Ihre Kinder zu Hause sind). Das wird nicht nur Ihren Kindern gut tun, sondern auch Ihnen.

Ja, es ist die erschreckende Wahrheit darüber, was unseren Kindern schadet, aber wir haben die Macht zu helfen.

(Gastbeitrag von Becky Mansfield)

 

Weitere Bücher von Jean Twenge:

 

Montag, 2. November 2020

Kind verschwunden - Literatur

(Berliner Zeitung)
Kinder laufen selten weg. Wenn es jedoch geschieht, dann ist vorher viel passiert, viel zu viel; soviel, dass professionelle Helfer übernehmen müssen. Doch auch den Hinterbliebenen, Geschwistern, Mitschülern, Freunden stellen sich Fragen über Fragen, auf die es oft keine schlüsige Antworten gibt. In solchen Fällen kann in der Schule gegebenenfalls ein passendes Vorlesebuch (und etwas erhöhte und verlängerte Vorlesekadenzen) hilfreich sein. Indem man sich mit einer analogen Geschichte beschäftigt, kann man auch Antworten finden. Die Bücher sind aber auch zur individuellen Lektüre geeignet.

Ruedi Klapproth: Die Nacht, die sechs Tage dauerte. Rex.
Ein Mädchen fährt ins Blauringlager und kommt dort nie an. Sein Bruder ist auf der anderen Bergseite im Pfadilager. Nun beginnt die verzweifelte Suche. Ein Jugendroman voller Verzweiflung, Gefühlen, Bergen (auf einer Landeskarte kann alles nachverfolgt werden), spannend erzählt aus wechselnder Sicht (Bruder, Mädchen, Eltern).

Ruedi Klapproth: Flucht durch die Nacht. Rex.
In der Autogarage seines Vaters schläft ein Knabe, der offenbar zu Hause ausgerissen ist. Wer ist es? Weshalb ist er weg? Soll er ihn verraten? Soll er die Eltern beiziehen? Der Roman beginnt in der Mitte der Geschichte und nur Schritt für Schritt erfährt der Leser die Ursachen und Hintergründe. Mit dem Protagonist wundert er sich, fiebert mit; ein stimmiges Gesamtbild erschliesst sich erst gegen den Schluss. Spannung pur!

Ruedi Klapproth: Stefan. Rex.
Der körperlich behinderte grosse Bruder soll in der Regelschule integriert werden. Spannend erklärt von einem Fünftklässler. Das geht natürlich nicht ohne Probleme, doch diesen müssen sich alle stellen; davonlaufen ist keine Lösung.

Carlo Meier: Die Kaminski-Kids: Auf der Flucht. Brunnen.
Die Kamisnki-Kids lernen im Skilager zwei Kinder kennen, die zu Hause weggelaufen sind. Sie versuchen ihnen zu helfen und geraten dabei selbst in die Klemme. Die Schweizer Illustrierte ist überzeugt: Sogar lesefaule Kinder werden durch die Kaminski-Kids zu Leseratten! Meine Kinder würden dies sofort unterschreiben.

Christine Nöstlinger: Ilse Janda, 14 oder Die Ilse ist weg. Oetinger.
Die Erzählerin mag in der 5. Klasse sein. Sie lebt in Österreich in gelinde gesagt komplizierten Familienverhältnissen. Ihre grosse Schwester geht weg. Dabei ist nicht alles so, wie sie erzählt hat. Was die Erzählerin weiss und herausfindet, mag sie jedoch nicht jedem anvertrauen. Das macht die Geschichte ziemlich komplex. Soviel sei verraten: Ilse kommt wieder zum Vorschein; ob die Geschichte gut endet - oder nicht -, das lässt Nöstlinger jedoch offen.

Montag, 26. Oktober 2020

Kind verschwunden - Verhalten

Immer wieder laufen Kinder zu Hause fort. Viele Vermisstenfälle klären sich schnell wieder auf, innerhalb von Stunden oder innerhalb der ersten Woche. Nach einem Monat sind 80 Prozent gelöst. 

Für Eltern ist es wohl die größte Horrorvorstellung, wenn das eigene Kind auf einmal verschwindet. Das gleiche gilt auch, wenn man als Lehrer darüber informiert wird. Was kann man tun, wenn ein Kind weg ist?

1.  Bleiben Sie ruhig
Rufen Sie Freunde, andere Eltern und Nachbarn an. Einfach jeden, der wissen könnte, wo ihr Kind steckt. Sorgen Sie dafür, dass die Suche nach ihrem Kind weitergetragen wird. Es muss immer jemand in der Nähe des Telefons sein. Falls Sie das nicht selbst können, bitten Sie jemanden, ihr Telefon zu überwachen.

2. Informieren Sie die Polizei!
Zögern Sie nicht lange, die Notrufnummer 117 anzurufen und erstatten Sie eine Vermisstenanzeige. Es könnte kostbare Zeit verstreichen. Geht ein Kind verloren, taucht es in 99 Prozent aller Fälle schnell wieder auf. Beschreiben Sie der Polizei ihr Kind, welche Kleidung es trägt und ob es eine Zahnspange oder Brille trägt. Erklären Sie außerdem, wo es zuletzt war und wohin es wollte. Jede Information kann helfen. Man kann es getrost der Polizei überlassen, ob sofort eine Suchaktion gestartet wird - oder ob sie noch etwas zuwartet. Wichtig ist, dass die Polizei von allem Anfang an involviert ist.

3. Umgebung gründlich absuchen 
Holen Sie sich Hilfe. Lassen Sie Freunde, Bekannte oder Nachbarn die Umgebung gründlich absuchen. Es sollten alle Orte abgesucht werden, an denen sich Ihr Kind aufhalten könnte (Schulweg, Spielplatz, sonstige Lieblingsplätze, Orte, die man schon besucht hat und in erreichbarer Distanz sind). Versuchen Sie möglichst genau (zusammen mit Angehörigen und Freunden) die Familiensituation und die letzten Tage (inklusive aller Aktivitäten) zu rekonstruieren. Ein Streit oder eine Strafe könnten hinter dem Verschwinden stecken - muss aber nicht.

4. Jemand muss zuhause sein 
Sorgen Sie dafür, dass immer jemand zu Hause ist. Sorgen Sie dafür, dass immer jemand ans Telefon geht.

5. Weitere Such-Initiativen 
Schalten Sie die Presse oder soziale Netzwerke wie Facebook erst nach Rücksprache mit der Polizei ein. Die Polizei hat Spezialisten für Vermisstenfälle. Informieren Sie die Polizei über alle Aktivitäten.

Dienstag, 7. April 2020

Loben in Zeiten des Fernunterrichts


Wenn es die Rückmeldungen der Eltern erlauben, schicke ich gerne auch ein Lob nach Hause. Bei detaillierten Beschreibungen, was und wie das Kind gearbeitet hat (und wenn man die Familie kennt), lässt sich rasch einschätzen, ob es eine sachliche Beschreibung ist oder ob da ein Kind in den siebten Himmel hochgelobt wird. 
Einer Mutter arbeitete ich betreffend der Fortschritte Ihres Kindes: "Ja, es macht das wirklich gut. Kein Vergleich zu dem Kind im August, das schon nach zwei, drei Buchstaben jammerte, es könne nicht mehr. Motivation ist in der jetzigen Zeit und bei Ihrem Kind im Speziellen sicher das Wichtigste. 
Womöglich ist es für es auch eine grosse Chance, denn plötzlich ist es nicht mehr eine kreierte, geplante Situation um es herum, sondern alle kommen an ihre Grenzen und wachsen manchmal sogar darüber hinaus. Das (unbewusst) zu erleben, kann stärkend und aufbauend sein.Ich danke Ihnen für die gute Zusammenarbeit und wünsche Ihnen einen schönen Abend."

Freitag, 3. April 2020

Dranbleiben, Strukturen aufrecht erhalten


Wenn wir mit den Kindern nur noch per e-Mail und Videotelefonie verkehren, brauchen wir Hände, Augen und auch Münder vor Ort, die uns unterstützen. Das sind meistens die Eltern. Für die ist die aktuelle Situation unter Umständen ebenso schwierig, wie für uns. So bin ich dankbar für detaillierte Rückmeldungen, auch wenn daraus manchmal eigentliche Coachings entstehen. Einer Mutter, die drei Kinder zu Hause betreuen muss, teilzeitlich noch vom PC aus arbeiten sollte, antwortete ich: "Danke für die ausführliche Rückmeldung! Ich kann mir das lebhaft vorstellen. In der Schule haben wir manchmal auch solche Tage, an denen fast nichts geht, nicht einmal, wenn man die Portionen halbiert und noch kleiner macht.

Zu Ihrer Entlastung: Ich verkleinere die Portionen, nehme mir Zeit, soviel wie es mir fünf Kindern (in der Kleinklasse habe ich fünf Kinder) geht. Verbal - zur Motivation - übernehme ich durchaus Teile der Aufgaben, im Sinne von "komm, ich helfe dir, zusammen schaffen wir das doch!" aber in der Tat "finde" ich dann z.B. höchstens zwei, drei Teile beim Zusammensetzspiel - Es sind ja seine Aufgaben, nicht meine. Das kann zur Folge haben, dass er an einem Tag in der Rechnungsstunde vielleicht nur etwas zur Hälfte ausschneidet und die pädagogische Mitarbeiterin oder ich noch ad hoc ein paar Aufgaben mündlich mit ihm lösen.

Falls an einem Tag wie gestern fasst nichts geht, müssen Sie absolut kein schlechtes Gefühl haben. Denn Ihr Sohn arbeitet ja an Zielen (die ich nicht immer hinschreibe) wie: ich halte durch, ich schaffe es, ich kann schwierig scheinende Aufgaben lösen, ich kann Aufgabenschwierigkeitsgrade richtig einschätzen u.a.m. Wenn er deshalb an einem Tag dann nicht rechnet, ist bei ihm die Erreichung des Lernziels Mathematik nicht in Gefahr."

Dranbleiben, die Strukturen aufrecht erhalten ist enorm wichtig. Seit Montag hat ein Kind sich bei meinen halbtäglichen Anrufen versteckt. Gestern stand es zwar hinter der Kamera, aber es sprach: "Nein!" und plötzlich spielten wir online ein Würfelspiel. Einen Absturz aufgefangen.

Mittwoch, 25. März 2020

Ideen für Kindergärtler zu Hause

Wie aus den letzten Beiträgen ersichtlich ist, sind der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Nutzen Sie die «Corona-Ferien» um sich mit ihren Kindern auseinander zu setzen, um selbst wieder Kind zu sein. Es werden sicherlich keine Schwiegermütter oder ungeliebte Gäste vorbei kommen um Ordnung und Sauberkeit zu kommentieren, also nehmen Sie das Chaos locker und machen Sie das beste daraus.

Allgemein gilt; lassen Sie ihre Kinder möglichst viel selbst machen, stellen Sie sich dumm, beharren sie auf Details. Als Beispiel; zum Hütten bauen brauch es vielleicht erst einen Bauplan? Die Baustelle muss sicherlich abgesperrt werden… Eine Hütte ist erst fertig wenn sie auch genau eingerichtet ist, und dazu brauchts eine Klingel und einen Vorgarten und Beleuchtung und und und… Lassen Sie ihr Kind die Ideen haben – es wird verblüffend viel kommen, warten Sies ab.

Und, sehen Sie es positiv; am Ende werden diese Corona-Ferien für die Kinder ein unvergessliches Erlebnis- sie geniessen nämlich die Familienzeit wahnsinnig und bekommen die ganze Panik gar nicht wirklich mit.
Corona - Entertainment für die Kleinsten

Natürlich variieren die Interessen und Fähigkeiten von Kind zu Kind und von Alter zu Alter. Schätzen sie selbst ab, zu was ihr Kind schon fähig ist und was noch zu gefährlich ist.

Sonntag, 22. März 2020

Tägliche Online-Lektionen für Kinder zu vielen spannenden Themen

Das ist ein tolles Versprechen: Bis die Schule wieder losgeht soll es werktäglich eine halbstündige Lektion geben. Sie ist von Erwachsenen für Kinder gemacht. Aber nur um 9:00 Uhr - genau wie in der Schule: Wer zu spät kommt, hat den Unterricht verpasst. Es gibt keine Aufzeichnung.

Hinter der Seite https://www.schlaumeier.online stehen Eltern, die selber Kinder haben und diesen nun eine Struktur geben müssen. Frei nach demm Motto «Chumm, verzell!» erfahren die Kinder spannende Erfahrungen, spezielles Wissen und erlebte Abenteuer erzählt von Eltern, Grosseltern und andern Schlaumeiern, die das alles selber können und erlebt haben.

Die Zielgruppe sind Kinder des Kindergartens und der Primarschule, hauptsächlich 1. bis 4 Klasse, aber man kann auch in der 5. und 6. noch zuhören und interessantes erfahren. Weil alles direkt ist, können die Kinder auch Fragen stellen. Es ist aber keine Schule und deshalb auch nicht auf Schriftdeutsch, sondern auf Alemannisch (Schweizerdeutsch). Für Kinder aus der Deutschschweiz ebenso geeignet wie für solche aus Liechtenstein, dem Vorarlberg, Schwaben, Südbaden, dem südlichen Elsass und den italienischen Walsertälern.

Ein tolles Angebot in nicht besonders tollen Zeiten!

Sonntag, 15. März 2020

Vorbereitungen für den Fernunterricht am Montag

Voilà, was ich den Eltern meiner Schulkinder heute früh zum Morgenessen sandte. Vielleicht lege ich etwas gar viel Wert auf Struktur. Es sei jedoch angemerkt, dass ich in einer Kleinklasse mit Kindern mit besonderem Betreuungsaufwand unterrichte, die in den Regelklassen trotz Integrationsmassnahmen keinen Platz finden. Und vier Wochen sind eine lange Zeit - und wer weiss, ob es nicht am Schluss sogar vier Monate werden? Zumindest eine Sonntagszeitung stellt diese Vermutung heute in den Raum. Das ist natürlich Öl aufs Feuer der verunsicherten Bevölkerung.




Liebe Eltern

Sie haben es aus den Medien vernommen oder im Brief der Schulleitung gelesen: Der Schulunterricht in der Schule fällt aus bis zu den Frühlingsferien. Die Schulpflicht hingegen bleibt bestehen. Die Schulen stampfen nun übers Wochenende Fernunterricht aus dem Boden. Wie das im Detail vor sich geht erfahren Sie am Montag und am Dienstag. Erlauben Sie mir bereits jetzt ein paar Worte zuvor:

Fernunterricht mit so jungen Kindern ist eine Herausforderung, mit Kindern, die eine so enge Betreuung erfordern wie das Ihre noch viel mehr. Das allerwichtigste für Ihr Kind ist, dass es ab Montag wieder eine klare Struktur hat - so wie an den Schultagen. In der Schule ist unser Stundenplan im Prinzip immer gleich: Singen-Englisch-Rechnen-Deutsch-Sachunterricht (Rest am Nachmittag). Wie das nun zu Hause aussieht, kann ich Ihnen nicht fixfertig vorgeben. Ich empfehle Ihnen jedoch einen Stundenplan schriftlich festzuhalten. Mit Worten oder vielleicht auch Zeichnungen. Zeichnungen und Pläne helfen den Kindern bei der Orientierung. Bei Autisten noch viel mehr. Das allerwichtigste jetzt ist, dass Ihr Kind auch jetzt eine für ihns erkennbare klare Struktur hat.

Als Eckpunkte mögen gelten:
  • Ihr Kind bekommt von der Schule Aufgaben, die es zu Hause lösen muss und dann uns abgeben.
  • Zu den Stundenplanzeiten stehen [die pädagogische Mitarbeiterin] und ich für Fragen zur Verfügung.
  • Wir planen aber auch immer wieder Unterrichtssequenzen z.B. über Skype, Telefon oder andere Kanäle. Das heisst, Ihr Kind muss zu den Stundenplanzeiten Arbeitszeit eingeplant haben. Und erreichbar sein.
  • Es ist nicht sinnvolle, den Kindern nun nur ein paar Links zu schicken und sie täglich vier Stunden am Bildschirm arbeiten lassen. Erfahrungen aus den USA zeigten, dass das sehr schlecht ist.
  • Als Faustregel  könnte gelten: maximal 20 min Arbeit am PC, mindestens 20 min etwas anderes, 20 min Pause, spielen, ...
  • Ihr Kind braucht für die kommenden Wochen (mindestens 4) einen Arbeitsplatz ohne Bildschirm, wo es lesen, schreiben, basteln, schneiden, kleben, ... kann. Schreibzeug, Farben, Massstab, Leim, Papier. (auch ein Vorrat an anderem Material wie leere Eierschachteln, Toilettenpapierrollen, leere Schachteln, und Schächtelchen [auch Lebensmittelpackungen] ist immer gut)
  • Achten Sie darauf, dass die bisherigen Regeln betreffend Bildschirmzeit auch jetzt zu Zeiten von "Schule zu Hause" gelten (wie lange, ab wann frühestens, etc.) - Kommunikation mit der Schule und Schulaufgaben natürlich ausgenommen. Wenn Sie das Gefühl haben, es werde zuviel, dann schränken Sie ein und melden sich bei mir.
  • Planen Sie Pausen ein.
  • Planen Sie Zeit draussen ein. (Das kann auch sein, dass Ihr Kind mit Ihnen und einem Einkaufszettel, nach ein paar Tagen auch alleine für Sie einkaufen geht.)
  • In der Schule decken die Kinder den Tisch*. Dazu gehört auch das Abräumen und den Tisch abputzen. Das können Sie zu Hause übernehmen.
    * In der Schule gilt wie im Restaurant: "von links nach rechts Serviette, Gabel, Teller, Messer, Glas. Gemeinsam anfangen. Am Tisch bleiben bis alle fertig."
  • Planen Sie Zeit für Gesellschaftsspiele* ein. Im Laufe der Zeit werden Sie wohl noch das eine oder andere von uns bekommen.
    * Sich an Regeln halten, aushalten, dass man gewinnt und verliert, miteinander Zeit verbringen... Eile mit Weile, Leiterlispiel, Uno Junior, Memory sind die vier, die wir in den Sportferien gespielt haben bis zum abwinken und zwar über drei Generationen: Grosseltern, Eltern, Kinder [das war noch vor der Quarantäne]. Halma, Mühle, Mikado [ganz gut für die Feinmotorik], ... einige Kinder spielten eine Zeit lang Schach in der Schule. Und dann gibt es sicher noch die Favoriten Ihrer Familie.
  • Falls Ihr Kind ein Instrument spielt, planen Sie tägliches Musizieren ein (falls noch nicht der Fall)
  • Täglich lesen. (Weitere Informationen folgen) Hat Ihr Kind Bücher? Müssen am Montag welche in der Bibliothek ausgeliehen werden?
  • Sport (das ist das einzige Schulfach mit eidgenössischen Vorschriften (aus den 1940ern, weil die Armee sportliche Rekruten braucht!), der Rest ist kantonal): Velo fahren, vor dem Haus Ball spielen, in den Wald gehen, Ihr Kind an Ihren sportlichen Aktivitäten beteiligen (z.B. wenn Sie joggen gehen oder täglich schwimmen im See wie mein Nachbar). Alles was mehr als 25 min dauert. Möglichst täglich.

Grundsätzlich ist der Fernunterricht für Ihr Kind bestimmt und nicht für Sie. Aber je nach Alter und Selbständigkeit braucht Ihr Kind natürlich gewisse Unterstützung bei der Umsetzung. Fachliche Unterstützung hingegen (erklären, nochmals erklären, zeigen wie es geht, etc.) geben wir soweit es die technischen Möglichkeiten ermöglichen. Ebenso die Planung. Wenn Sie weiter oben Punkte wie Tisch decken, einkaufen gehen, Gesellschaftsspiele gesehen haben, müssen Sie nicht Angst haben, dass Ihr Kind deswegen den Anschluss verpasst. Im Einzelunterricht benötigen die meisten Kinder weniger Zeit.

Freundliche Grüsse
[Name]
Klassenlehrer

PS. Sobald ich vom Schulsekretariat die Angaben habe, über welche Kanäle Sie und Ihr Kind gerne kontaktiert werden wollen und können, werde ich mich an diese Liste halten. Welche Kanäle sich am besten bewähren, wird sich hoffentlich bald zeigen.

PPS. Soweit Sie mich über den familieninternen Stundenplan/die Tagesstruktur Ihres Kindes informieren, oder über andere wichtigen Dinge, wie z.B. Betreuung durch andere Personen, da Sie arbeiten, können wir bei Einzeltraining zeitlich darauf Rücksicht nehmen, resp. das soweit möglich einplanen.

Montag, 5. November 2018

Fehlende Abgrenzung, nicht vorhandene Authentizität und psychischer Störungen

In unserer Gemeinde gibt es einen Bildungsverbund, in dem sämtliche öffentlichen und privaten Schulen, die Bibliothek, die Kunsteisbahn und die Nachhilfeanbieter zusammengschlossen sind. Die organisierten am letzten Donnerstag einen Vortrag durch den führenden Kinder- und Jugendpsychiater Dr. Michael Winterhoff, denn ich schon länger kenne und als genauen Beobachter und pointierten Redner schätze.




Als Kinder- und Jugendpsychiater und Tiefenpsychologe ist Winterhoff seit über 30 Jahren mit der Diagnose und Behandlung psychischer Störungen von Kindern und Jugendlichen vertraut. Ursache der Entwicklung von narzisstischen Persönlichkeiten liegen seiner Erfahrung nach in der fehlenden Abgrenzung der Eltern und einer nicht vorhandenen Authentizität und einer übertriebenen Aufwertung des Kindes. Als psychodynamischen Hintergrund im klassischen sieht er den Wunsch eines Elternteiles, dass das Kind dem Ideal eines Partners entsprechen (oedipale-Konstellation) oder das selbst nicht erreichte Idealbild erfüllen soll. Oben eingeblendeter Vortrag ist aus Deutschland, wo es gemäss Winterhoff deutlich schlimmer sei, als hier in der Schweiz, wo wir noch rund zehn Jahre "hintendrein" seien.

Weiterführende Literatur

Montag, 8. Mai 2017

Beziehung statt Erziehung

Als Ergänzung zum Beitrag zur Vertrauenspädagogik vom vergangenen Montag, heute ein Gespräch mit Jesper Juul. Er vertritt den Ansatz: Erziehung ist kein Leistungssport, Kinder wollen Beziehung statt Erziehung.


Das Gespräch mit Jesper Juul führte Teresa Arrieta im Dezember 2013.

Bücher zum weiterlesen:



Montag, 1. Mai 2017

Machtkämpfe ade: Mit Vertrauen erziehen

Kinder gehorchen, weil sie ihre Eltern oder Lehrer mögen und die Hierarchie kennen. Dies besagt die Vertrauenspädagogik. Ihr Begründer,  Heinz Etter, Heilpädagoge, Vater und ehemaliger Leiter eines Sonderschulheims, ist überzeugt, dass es möglich ist, aus dem Kreislauf von Machtkämpfen und Misstrauen auszusteigen.



In diesem Gespräch zeigt Hans Etter, dass Verhalten weniger eine Sache des Charakters, sondern vielmehr der Beziehung ist. Kinder sind so geschaffen, dass sie sich einer fürsorglichen Vertrauensperson gerne anschliessen, solange sie sich angenommen, geachtet und geliebt fühlen. Das Verhalten von Kindern wird nicht von Anreizen bestimmt, sondern folgt der Beziehung. Was das konkret heisst, erklärt Heinz Etter in diesem Film.

Am 6. September 2017 gibt es einen Erfahrungsaustausch für Lehrer mit Heinz Etter über Skype. Das Angebot ist gratis, es jedoch eine Anmeldung nötig.

Literatur: Heinz Etter: Erziehen im Vertrauen: Das Join-up-Konzept.

Montag, 13. März 2017

Guter Lehrer sein - ganz einfach

Gestern schrieb die NZZ am Sonntag über uns Lehrer: Qualität werde nicht durch Schulreformen erreicht, sodern durch unser können. Dabei beruft sie sich auf Hattie und druckt gleich eine Anleitung ab, was einen guten Lehrer ausmacht.

Die Neue Zürcher Zeitung nahm den Ball ihrer Sonntagsausgabe heute Morgen elegant auf und fasst den Artikel in wenigen Zeilen zusammen:

● . . . kann Regie führen und vorausplanen.
● . . . hört den Schülern richtig zu.
● . . . kann Beziehungen eingehen und kennt seine/ihre Schüler.
● . . . hat eine Passion für Zwischenmenschliches.
● . . . kann gut auf die Eltern eingehen.
● . . . findet die Balance zwischen digital und analog.

Um dann den Ball wiederum ihren Lesern zuzuspielen mit der Frage, was einen guten Lehrer ausmache. Die ersten Kommentare tönen durchaus vernünftig.

Montag, 20. Februar 2017

Aktueller Schreibanlass

Es ist schön in den Ferien...
(auch wenn ich an einem anderen
gefrorenen See weile)
Ferien sind für mich immer ein aktueller Schreibanlass. Selbst noch ein Schulkind, ging ich zur Materialverwalterin zur Schule. So bekamen wir für jede Ansichtskarte, die wir ihr schrieben einen Farbstift, oft auch seltene Farben, die nicht mehr produziert wurden (Restbestände) oder Muster, die sie von Vertretern hatte.

Später habe ich das selber praktiziert - jedoch etwas weniger materialistisch: Wer mir eine Postkarte schreibt, der bekommt auch eine. Die Erfahrung der letzten Jahre zeigt, jedoch, dass dies je länger desto sorgfältiger eingeführt werden muss, da manche Kinder gar nicht mehr wissen, was eine Postkarte ist und was man das so schreiben kann. Haben sie es einmal begriffen, freuen sie sich dann umso mehr auf die unerwartete (weil seltene) Post im Briefkasten.

Montag, 26. Dezember 2016

Bald ist Weihnachten - oder: schlau schenken das ganze Jahr

Vorgestern war bei den meisten Kindern Weihnachtsbescherung - wenn sie nicht schon seit Halloween und St. Nikolaus Dauerbescherung haben. Vor vierzehn Tagen schrieb zu diesem Thema Maren Levin einen wichtigen Artikel unter dem Titel: Gehören digitale Geräte unter den Weihnachtsbaum? Levin ist wissenschaftliche Mitarbeiterin bei LegaKids, der absolut tollen Lernspielseite Legakids - nicht nur für Kinder mit Lese- und Rechtschreibeschwäche.

Da nach Weihnachten ja immer auch vor Weihnachten ist und die Geschenkorgie mit Neujahr, Dreikönigstag, Ostern, Zeugnistag, Geburtstag, Schulbeginn weitergehen kann, das Wichtigste hier zusammengefasst:
  • Zuerst muss man sich im Klaren sein, ob es ein digitales Gerät geben soll oder nicht, denn es gibt gute Gründe dafür, aber auch gute Gründe dagegen. Dabei spielt weit mehr eine Rolle, als der Wunsch des Kindes und vielleicht noch das Alter. In der Broschüre „Digitale Weihnachtsgeschenke für Kinder!?“ finden Eltern, Paten und Grosseltern wichtige Hinweise und Denkanstösse.
  • Wenn es dann etwas aus der digitalen Welt geben sollte, stellt sich die Frage nach dem Was. Mit einer Suchmaschine können Spiele nach Kriterien wie etwa Spielspaß, Bedienung und technische Qualität oder Altersgruppe gesucht werden. Ausserdem wird ein kurzer illustrierter Überblick über die Rahmenhandlung des Spiels gegeben.
Kurz: Ob man zu Pastorini geht und ein pädagogisch wertvolles Holzspielzeug kaufen will, oder ob es ein digitales Gerät geben soll oder doch eher ein virtuelles oder reelles Spiel: gute Geschenke fallen nicht vom Himmel, sondern müssen seriös ausgesucht werden. Dies wird aus Levins Beitrag einmal mehr deutlich.

Montag, 31. Oktober 2016

«Das war jetzt voll cool und ich will nun überhaupt alle, alle Biber-Aufgaben der anderen Stufen auch noch lösen.»

Vor zwei Jahren bin ich eher zufällig auf den Informatik-Biber gestossen - uns habe seither jedes Jahr mit meiner Klasse am Wettbewerb teilgenommen. Wahrlich, ich bin begeistert - meine Schulkinder auch.



Eigentlich geht es beim Informatik-Biber gar nicht um Informatik, sondern ums logische Denken. Er passt gut in den Informatikunterricht (den wir nicht haben). Ich verbuche ihn in der Mathematik und beim Leseverständnis. Der Wettbewerb kann im Laufe der Wettbewerbswoche zu einem frei gewählten (passenden) Zeitpunkt durchgeführt werden. Was es braucht ist einen Computerarbeitsplatz pro Schulkind und eine Anmeldung. Anmelden kann man sich beim Schulhausverantwortlichen - falls es einen solchen nicht gibt, kann man das auch selber werden. Man gibt die Namen der Kinder, das Schuljahr und ein Passwort ein, das ist alles. Die Fragen sind nämlich abgestuft für 3./4., für 5./6., für 7./8. und für 10.-13. Klasse.



Natürlich wollen wir gewinnen, auch wenn die Chancen für die Kinder einer Sonderschule klein sind. Stolz tragen sie jedoch das ausgestellte Diplom mit nach Hause und fleissig üben sie seit den Herbstferien. In der Tat: Auf der Seite http://wettbewerb.informatik-biber.ch stehen die Wettbewerbe seit 2011 zu Übungszwecken zur Verfügung. Ausserdem habe ich von http://informatik-biber.ch/aufgabensammlung/ die Aufgaben ausgedruckt und laminiert. Die so entstandene Biberkartei lösen die Kinder - auch übers Jahr verteilt - mit wasserlöslichen Filzstiften und waschen sie dann wieder sauber. Am Schluss jeder Rechenstunde gut zehn Minuten.

Für mich als Lehrer gibt es quasi nichts vorzubereiten - ausser auf dem Heimweg im Bus die alten Biberaufgaben zu lesen, dass ich dann den Kindern beim Üben bei Bedarf auch helfen kann. Der Begeisterungsfaktor bei den Kindern ist hoch - bei den Eltern ebenso... Ach ja, der diesjährige Biber-Wettbewerb findet nächste Woche statt. Schnellentschlossene können sich noch anmelden.

PS. Der Wettbewerb läuft nicht nur in der Schweiz, sondern auch in Deutschland: http://informatik-biber.de und in Österreich: http://wettbewerb.biber.ocg.at (immer nächste Woche).

Montag, 29. August 2016

Richtig Wörter lernen

Immer wieder müssen die Kinder in der Schule neue Wörter lernen: in der Muttersprache und im Fremdsprachunterricht. Oft sollten sie diese zu Hause üben. Welches Drama. Dabei können wir Lehrer den Eltern bei der Arbeit, die sie uns hier abnehmen etwas zur Hand gehen. Zum  Beispiel, indem wir diesen Kurzfilm mit ihnen teilen oder ihn ihnen sogar am Elternabend vorführen.



Ich kenne den Vater des kleinen Hasen persönlich und wende seine Lernstrategien seit manchen Jahren an. Der Erfolg gibt ihm Recht.

Montag, 2. Mai 2016

Lumina und Pangolin im Land der Krokodile

Erst als ich die kleine Serie über Neuerscheinungen zum Themenbereich Flucht abgeschlossen hatte, kam mir ein Buch in den Sinn, das ich vor knapp zwanzig Jahren gekauft habe, an seiner Zeitlosigkeit und Aktualität nichts eingebüßt hat: «Lumina und Pangolin im Land der Krokodile». Es ist ein Bilderbuch, basierend auf dem Roman Le crocodile ne dévore pas le pangolin.

Anne-Lise Thurler hat die Geschichte aus dem eigenen Roman extrahiert, Suzanne Auer vom Schweizerischen Flüchtlingshifswerk das ursprünglich unter dem Titel L'enfant et le pangolin au pays des crocodiles erschienene Kinderbuch ins Deutsche übertragen und Maté Mermoud die aussagekräftigen Illustrationen gemalt.

«Lumina und Pangolin im Land der Krokodile» ist eine moderne, symbolreiche Geschichte, die Kindern das Thema von Flucht, ihren Ursachen und von Asyl
und Freundschaft nahe bringt. Nur wer den Roman gelesen hat, weiß, dass die Geschichte in Zaire spielt und das dicke Krokodil Mobutu darstellt. Während das Land von den Karten verschwunden und der Diktator gestorben ist, bleibt die Geschichte weiterhin aktuell und hat uns und den Kindern viel zu sagen.

artlink.ch
Anders als im realen Leben siegen am Ende Freundschaft und Menschlichkeit, und alle entdecken das Leben ganz neu. Dazu trägt auch die didaktische Beilage von Elisabeth Zurbriggen bei, die sich an acht- bis elfjährige Kinder (im Schulunterricht) wendet. Dank der CD kann die Geschichte auch gehört werden, wahlweise auf deutsch oder alemannisch (schweizerdeutsch).

Das Buch ist zwar vergriffen, es lässt sich jedoch in einer Bibiothek ausleihen, oder antiquarisch beschaffen.

Anne-Lise Thurler ; Maté Mermoud: Lumina und Pangolin im Land der Krokodile. Lausanne : Loisirs et Pédagogie, 1998. 47 p ; 1 CD-ROM (Deutsch-Schwytzerdütsch); 1 Dossier/Arbeitsunterlagen 


weitere Artikel zum Thema Flüchtlinge im Unterricht:
- Mit Kindern über Flüchtlinge reden (4. April)
- Wie man über Flüchtlinge reden kann (18. April)
- Weshalb man in der Schule über Flüchtlinge reden muss (25. April)

Montag, 25. April 2016

Weshalb man über Flüchtlinge in der Schule reden muss

Komplexes Thema, kindgerecht erzählt
aus «Bestimmt wird alles gut» (Klett).
Bei Gesprächen, Geschichten und Spielen zu unangenehmen Themen, wie etwa der Tod oder eben Flüchtlinge, nicht darum, den Kindern Angst zu machen oder gar ein schlechtes Gewissen. Vielmehr geht es um Aufklärung. Den Kindern von Unrecht, Missständen und dem Leid anderer zu erzählen, bedingt aber auch, ihnen die Möglichkeit zu geben, zu handeln. Andernfalls ist es für sie schwer auszuhalten. Hilflosigkeit zermürbt ja auch uns Erwachsene und treibt uns in die Verzweiflung, den Zynismus oder die Gleichgültigkeit, welche dann zu genau solch unsäglichen Situationen führen, in denen man Kindern verbietet zu reden.

Darum gehört es dazu, nicht nur mit den Kindern das Thema anzugehen, entsprechende Bücher, Geschichten zu lesen, zu besprechen, sondern den Kindern auch zu zeigen und vorzuleben, dass man durchaus etwas Kleines beisteuern kann. Wenn Kinder etwas selber Gebackenes verkaufen und den Erlös an ein Hilfswerk spenden, wird damit aktuell kaum Elend verhindert. Aber im Sinne der politischen Bildung ist es das mehr als Wert. Unsere Kinder sind die Politiker, Verkäufer, Wähler, Lehrer, Ärzte und Eltern von morgen.

Zu den Büchern der letzten Wochen sind mir noch folgende Unterlagen in die Hände gefallen:

weitere Artikel zum Thema Flüchtlinge im Unterricht:
- Mit Kindern über Flüchtlinge reden (4. April)
- Wie man über Flüchtlinge reden kann (18. April)
- Lumina und Pangolin im Land der Krokodile (2.Mai)

Montag, 18. April 2016

Wie man über Flüchtlinge reden kann

Es geht nicht mehr darum, ob man die Flüchtlingskrise in der Schule oder dem Kindergarten thematisiert, sondern höchstens noch darum, wie. Das ist in der Tat schwierig, weil man weit vorausdenken muss und unserer Generation schlicht die Erfahrung fehlt.

Andrea Fischer Schulthess schrieb vor rund einem Monat im Tages-Anzeiger dazu: Alles, was man einem Kind erzählt hat, kann man ja nicht wieder aus ihm herausnehmen. Es ist da drin und beginnt dort ein Eigenleben zu führen. Wer das Bild von Aylan noch im Kopf hat und die Bilder der Zäune in Idomeni oder von Athens Strassen, weiss, was ich meine.

Darum ist es wichtig, Kindern solche Bilder nicht einfach krud vorzusetzen, auch nicht im Gutgemeinten. Doch mit behutsam gewählten, einfachen und dosierten Worten können sie meiner Überzeugung nach an praktisch alles herangeführt werden. Je nach Kind in unterschiedlicher Form. Das bedingt, dass man genau beobachtet, wie es reagiert, und ihm zuhört.

Auch die Kleineren haben schon das Werkzeug und die Erfahrung, sich einzufühlen und auf ihre Art zu verstehen. Irgendwo hinkommen, wo man die Regeln nicht versteht, wo man nicht versteht und nicht verstanden wird, nicht dazugehören, Angst und der Verlust von etwas Geliebtem – im Kleinen kennen alle Kinder diese Sorgen. Einige Unterrichtsmaterialien arbeiten daher auch mit einfachen Übungen und Spielen. Zum Beispiel: «Was ist dein wichtigster Gegenstand, was würdest du packen etc.?»

Ergänzend zu den bereits vorletzte Woche vorgestellten Büchern seien noch erwähnt:


weitere Artikel zum Thema Flüchtlinge im Unterricht:
Mit Kindern über Flüchtlinge reden (4. April)
- Weshalb man in der Schule über Flüchtlinge reden muss (25. April)