Posts mit dem Label Literatur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Literatur werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 25. Januar 2021

Ein Kinderbuch für Eltern

Der bekannte Schweizer Pädagoge und Philosoph Marcel Müller-Wieland (1922-2015) strebte nach einer individualisierenden Vertiefung erzieherischer Kräfte, gemeinschaftsbildender Pädagogik und Entfaltungsmöglichkeiten. Dabei zielte auf die Erneuerung der Bildung in Familie, Schule und Gesellschaft.Neben einer ganzen Reihe an Fachliteratur schrieb er auch ein "Kinderbuch für Eltern". Es richtet sich ebenso an Kinder von neun bis zwölf Jahren, wie auch an ihre Eltern und Lehrer.

Im Laufe dieses Jugendromans Lukas und Sina, helfen Kinder, eine neue Schule zu entwickeln, eine Vision, die von jedem einzelnen Kind ausgeht, welche das Kind wirklich in den Mittelpunkt stellt. Das tönt etwas floskelhaft, Müller-Wieland ist das aber wirklich gelungen und manche Szene hält auch uns einen Spiegel vor oder öffnet uns die Augen.

Eine Schule, wie sie Müller-Wieland vorschwebt, gibt es heute nicht. Es ist eine Schule, welche den Kindern dienen soll. Das braucht von uns Lehrern dann und wann auch Mut, dann, wenn wir es merken, nicht das zu tun was man von uns erwartet, sondern das, was richtig ist. Ein Beginn könnte sein, das Buch in der Klasse vorzulesen und jeweils nach einem Kapitel mit den Kindern ganz offen darüber zu reden. Das braucht etwas Mut, da man nicht weiss, was die Kinder sagen werden. Wenn der Ansatz ist, nach vorne zu schauen und die Vergangenheit Vergangenheit sein zu lassen, würde ich es wagen.

Marcel Müller-Wieland: Lukas und Sina : Ein Kinderbuch für Eltern. Norderstedt, 2010: BOD. ISBN 9783842339835 (gedruckt oder E-Buch für Kindle)

Montag, 3. Dezember 2018

Bücher für den Wochenplanunterricht und Planarbeit

Ich war einmal an einem obligatorischen Kurs für Wochenplanunterricht und Planarbeit. Inhaltlich gab er leider nicht besonders viel her, aber der Büchertisch hinten im Saal war meines Erachtens wirklich gut. Manche Klassiker befanden sich darunter und auch einige Bände, auf die ich immer wieder gerne zurückgreife.

Das es keine Literaturliste gab, habe ich kurzerhand die Tiel selber selber notiert. Vergriffene (und auch andere) Bücher findet man in jeder guten Bibliothek. Oder man kann sie sich auf Weihnachten wünschen...

Montag, 1. Mai 2017

Machtkämpfe ade: Mit Vertrauen erziehen

Kinder gehorchen, weil sie ihre Eltern oder Lehrer mögen und die Hierarchie kennen. Dies besagt die Vertrauenspädagogik. Ihr Begründer,  Heinz Etter, Heilpädagoge, Vater und ehemaliger Leiter eines Sonderschulheims, ist überzeugt, dass es möglich ist, aus dem Kreislauf von Machtkämpfen und Misstrauen auszusteigen.



In diesem Gespräch zeigt Hans Etter, dass Verhalten weniger eine Sache des Charakters, sondern vielmehr der Beziehung ist. Kinder sind so geschaffen, dass sie sich einer fürsorglichen Vertrauensperson gerne anschliessen, solange sie sich angenommen, geachtet und geliebt fühlen. Das Verhalten von Kindern wird nicht von Anreizen bestimmt, sondern folgt der Beziehung. Was das konkret heisst, erklärt Heinz Etter in diesem Film.

Am 6. September 2017 gibt es einen Erfahrungsaustausch für Lehrer mit Heinz Etter über Skype. Das Angebot ist gratis, es jedoch eine Anmeldung nötig.

Literatur: Heinz Etter: Erziehen im Vertrauen: Das Join-up-Konzept.

Montag, 27. Februar 2017

Kinder- und Jugendbücher zu Krieg und Flucht

(DW)
Die grosse Flüchtlingswelle ist vorbei.Aber zu hunderten, zu tausenden sind sie nun hier, und auch ohne Welle kommen Tag für Tag weitere Migranten zu uns in den Westen und den Norden. Weshalb? Warum? Manchmal ist es einfacher, komplexe Inhalte über eine Geschichte zu transortieren. Eine persönliche Auswahl.

Mehr zum Thema Flüchtlinge in der Schule (ältere Beiträge):
Mit Kindern über Flüchtlinge reden.
Wie man über Flüchtlinge reden kann.
Weshalb man über Flüchtlinge reden muss.

Montag, 2. November 2015

Reformpädagogisches Buch kostenlos

Paul Le Bohec, ein französischer Reformpädagoge, der Célestin Freinet noch persönlich kannte, hat zusammen mit Michèle Le Guillou ein hochinteressantes Buch verfasst: Patricks Zeichnungen.
Erfahrungen mit der therapeutischen Wirkung des freien Ausdrucks.

In zahllosen Zeichnungen begibt sich der zehnjährige Patrick auf den Weg, sein innerstes Gleichgewicht  wiederzufinden. An der Entwicklung dieser Zeichnungen ist unübersehbar, dass das Kind belastende Fantasien in einer immer dichteren Form zum Ausdruck bringt, bis es sich von ihnen distanzieren kann und dadurch unmerklich eine Krise überwindet, ohne dass die Lehrerin sich jemals anmaßt, als Therapeutin zu wirken. Patricks Zeichnungen ist ein Plädoyer für den Freien Ausdruck! 

Gedruckt ist das Buch zwar vergriffen, in elektronischer Form kann man es kostenlos jedoch bei der deutschen Freinet-Kooperative herunterladen: http://freinet-kooperative.de/verein/material/buecher/

Montag, 12. Oktober 2015

Über das Freie Schreiben

Das vierte Kapitel Gerd Hähnelks Roman «Viktor im Schattenland» trägt den Titel „Den Kindern das Wort geben». Diese Formulierung steht für das pädagogische Selbstverständnis von Célestin Freinet, wie er es in seiner Schrift «Die pädagogischen Invarianten» (1964) ausdrückt (zitiert in: Karlheinz Burk u.a.: Kinder beteiligen – Demokratie lernen. Grundschulverband Frankfurt 2003, S. 271). Im Folgenden nur einige kurze Hinweise zum Freien Schreiben. Seine enormen pädagogischen Möglichkeiten erlebt man im Roman, vor allem in Kapitel 4 und 5.

«Den Kindern das Wort geben» meint einerseits, das Interesse der Schulkinder in möglichst hohem Maße in den Mittelpunkt des Unterrichts zu stellen. Andererseits kann man diese Forderung auch sehr konkret verstehen: Die Schüler sollen an das Freie Schreiben herangeführt werden: nicht nur, aber auch. (Teilweise wird der Begriff «kreatives Schreiben» synonym gebraucht.) Die Schüler sollen also über das schreiben, was sie bewegt.

Viktor im Schattenland (Buch)
Viktor im Schattenland (Unterrichtsmaterial)

Montag, 10. Februar 2014

Offener Unterricht:... hier lerne ich was ich will!

Neuerscheinung
Es gibt eine andere Möglichkeit, Schule zu gestalten: Statt von Lehrern mit den richtigen und erwünschten Inhalten belehrt zu werden, dürfen Schüler lernen, was ihnen selbst wichtig ist, was sie selbst i nteressiert.

Falko Peschel hat vor 10 Jahren seine Dissertation Offener Unterricht in der Evaluation veröffentlicht und gezeigt, dass auch dann, wenn jeder tat sächlich nur das lernt, was ihn interessiert, was ihm wichtig ist und nicht einem vorgegebenen Lehrplan folgt, die Lernergebnisse überdurchschnittlich sowohl im Schreiben, Rechtschreiben, Lesen und Rechnen (Arithmetik) ausgefallen sind. Viele vertrauen nicht wirklich auf das 'Lernenwollen' der Kinder und bleiben bei der Auffassung stehen: 'Ohne Belehrung geht es nicht!'

Das Buch Offener Unterricht: ... hier lerne ich was ich will! versucht diesen grundlegenden Wechsel aus verschiedenen Perspekti ven zu beleuchten, der von Hartmut von Hentig mit dem Satz: 'Schule neu denken' schon 1993 gefordert worden war.

Kinder scheitern nicht in der Schule, weil sie einen Stoff nicht lernen können, sondern daran, dass sie ihn nicht auf diese Weise wie Schule ihn darbietet und verbindlich mach, ohne auf die Interessen ihrer Schüler Rücksicht zu nehmen lernen können oder lernen wollen. Von Célestin Freinet (1896 -1966) stammt die Geschichte, die zu dem Schluss kommt: 'Wenn man in der Schule Velofahren lernen würde und nirgendwo sonst, dann würden nur wenige Menschen Velo fahren!'

Das Buch Offener Unterricht: ... hier lerne ich was ich will geht einem Lernen nach, das dieser anderen ption folgt. Es folgt Comenius nicht in seiner 'Didactica' den Bedingungen des Lehrens, sondern in seiner 'Mathetica', den Bedingungen des Lernens. Es breitet einen Unterricht und einen Schulalltag aus, in dem die 'Lebenswelt' der Kinder im Mittelpunkt steht und so der Forderung der Reformpägagogik gerecht wird, diese Lebenswelt in die Schule zu holen. Wenn man die Kinder lernen lässt, was sie interessiert, was sie lernen wollen, lernen sie nicht nur alles das lernen, was dieser Lehrplan vorschreibt, sondern sogar noch viel mehr
.


Jürgen Göndör: Offener Unterricht:... hier lerne ich was ich will!: Von der Freiheit, das eigene Lernen im Unterricht selbst zu bestimmen jetzt portofrei bestellen

Schülermeinungen: 'Man kann zum Beispiel sagen: 'Ich mach jetzt eine Seite Mathe' und man kann auch mittendrin die Arbeit wechseln - ohne jemandem etwas zu sagen!' aus: Nachrichtensendung für Kinder: Logo über Offenen Unterricht vom 21.9.2006

'Das ist ja wohl die tollste Klasse der Welt. Hier kann man alles lernen, was man will und muss nicht immer auf die Tafel gucken. ...' Ihr wisst ja gar nicht, wie gut ihr es hier habt! Mehmet bei: Falko Peschel (2006): S. 816 

Lernergebnisse: 
Trotz durchschnittlicher bzw. leicht unterdurchschnittlicher Voraussetzungen liegen in der hier untersuchten Klasse bzw. Stichprobe überdurchschnittliche Ergebnisse sowohl für den Bereich der Schreib- und Rechtschreibentwicklung (Vgl. S. 605ff), als auch den Bereich des Lesenlernens (Vgl. S. 625ff), für den Bereich der Arithmetik (Vgl. 665ff) als auch für leistungsschwächer erscheinende Kinder - sogar für Kinder vor, die an der Regelschule als nicht 'beschulbar' galten und die daher in diese Klasse eingewiesen wurden. Auch sie haben im offenen Unterricht 'wider Erwarten' eine positive Entwicklung durchlaufen. In allen Bereichen hat kein lehrgangsmäßiger Unterricht stattgefunden. Die Behauptung, dass diese Bereiche nur mit einem expliziten Lehrgang erlernt werden können, müsse zumindest relativiert werden, da die Stichproben diese Annahme widerlegen. Falko Peschel (2006): Offener Unterricht in der Evaluation Lernen lassen statt belehren Die derzeitige Auffassung in der Schulpädagogik, dass automatisch jedem Lehren von der Seite einer LehrerIn auch das Lernen des gelehrten auf der Seite der Lernenden folgt, ist Unsinn. Lernen - das zeigen die Lerngeschichten einzelner Lernender sehr deutlich - ist die Leistung der Lernenden. Konsequente Lehre hindert Lernende am Lernen, weil sie - statt ihren eigenen Fragen in ihrem eigenen Lerntempo, ihrem eigenen Lernweg nachzugehen - ständig aufpassen müssen, auf das was die LehrerIn vorgibt. Manfred Spitzer sagt: 'Unser Gehirn ist für das Lernen optimiert. Es lernt nicht irgendwie und mehr schlecht als recht, sondern kann nichts besser und tut nichts lieber! .... Lernen ist buchstäblich kinderleicht.' (Spitzer, Manfred (2007): Lernen, Heidelberg, S. 14) Daraus folgt: Wir sollten endlich damit aufhören, dem Gehirn vorzuschreiben, wie es seine Arbeit tun soll - Lernenden vorzuschreiben, was und wie sie lernen sollen. 'Und wir können es anders und es wird Zeit, dass wir es anders machen.' (Hüther, Gerald, hier, S. 13)