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Montag, 18. November 2019

Ist Célestin Freinet ein Youtuber?

Das ist ein interessanter Ansatz: Celéstin Freinet, der Begründer der nach ihm benannten Freinet-Pädagogik, sprich gleich selber in einem Youtube-Video zu uns. Freinet - ein Youtuber? Im Rahmen eines Schulprojekts haben das Studenten ein solches Video zur Freinet Pädagogik realisiert. Wenn man vom akzentfreien Deutsch des Franzosen Freinet absieht, scheint es mir sehr realistisch.



Das Kind im Mittelpunkt, seine Neugier als Ausgangspunkt für die Detailplanung. Das bewährt sich seit Jahrzehnten. Wenn im Lehrplan Referat steht, dann spielt das Thema für mich als Lehrer ja nicht besonders im Vordergrund, für die Motivation des Schülers hingegen kann es entscheidend sein.

Montag, 1. Januar 2018

Im Unterricht vom Kind ausgehen

Kürzlich quälte ich mich durch einen Onlinekurs. Viele Inhalte wurden als Filme dargeboten. Entsprechend vermittelten sie die Inhalte nicht direkt, sondern in irgendwelche konstruierten Rahmenhandlungen eingebettet. Da der Kursanbieter mehr vom Inhalt, wie von Rahmenhandlungen versteht, dafür aber viel Steuergelder zur Verfügung hatte, kann sich jeder wohl selber vorstellen, wie das Resultat ausfiel. Immerhin. Ganz zum Schluss gab es eine schöne Kirsche auf den versalzenen Kuchen, der mich das vorhergegangene fast vergessen liess...

Dieser Film zeigt, wie Schule sein sollte (sagen die Autoren, denen ich gerne beipflichte). Als Anstoss und Neujahrsvorsatz:



Vielleicht sollten wir uns diesen Film jeden Monat einmal anschauen?


PS. Sagte das nicht schon vor etwa 90 Jahren einmal jemand? (Wer sich nicht erinnert, darf in den Schlagworten nachschauen.)

Montag, 25. Dezember 2017

Was eine gute Schule ausmacht - auch als Neujahrsvorsatz geeignet

Zu Weihnachten ein kleiner Dachbodenfund: Ein Film, der in den letzten fast zwanzig Jahren nichts an Aktualität eingebüsst hat. Im Gegenteil, er enthält alles, was eine gute Schule ausmacht.

Montag, 27. November 2017

Den Kindern Zeit lassen

Kinder brauchen Zeit zum Lernen. Was sie daran hindert, sind wir mit unseren Förderprogrammen und unseren Lehrplänen, Semesterplänen, Quartalsplänen, Wochenplänen, ... Logisch. Wenn ich meinen Kindern genügend Zeit liesse, dann ... Nur: wie soll ich das tun, mit vorgegebenen Lehrzielen und gerade zwei Lektionen pro Woche?

Nein, so schlimm ist es nicht. In der Tat habe ich ja noch meine eigene Klasse. Und dort balanciere ich immer ein bisschen zwischen den Vorgaben und Zeit lassen. Letzhin haben zwei Knaben zwei meiner didaktisch aufbereiteten Lernspiele miteinander kombiniert und kaum hatte ich ihnen den Rücken zugedreht, angefangen zu spielen. Tagelang. Was wollte ich mehr: Sie taten etwas Vernünftiges, waren leise, konzentriert und ich hatte Zeit für die anderen.



Als ich dann mit einer Woche Verspätung kürzen und erweitern von Brüchen einführen wollte, da konnten sie es schon fast; wir besprachen eigentlich nur noch kurz einige formale Aspekte. Wie das soweit kommen konnte, schrieb der bekannte Pädagoge Célestin Freinet in seinem Bildungs-Gleichnis Adler steigen keine Treppen (zum nachlesen hier oder nacherzählt zum schauen oben).

Montag, 29. Mai 2017

Von nichtswissenden Journalisten, hinterwäldlerischen Lehrern und Subventionen

Der Artikel über uns digitalen Hinterwäldler liess mich nicht in Ruhe. So schreibe ich auch diese Woche noch etwas dazu. Den Bock schiesst der Schreiberling aus dem Hause Tamedia, dank der Digitalisierung könnten wir nun endlich, endlich individualisieren und besser auf jeden einzelnen Schüler eingehen. Er hat wohl noch nie von Wochenplan, Projektunterricht, Werkstatt-Unterricht oder von Célestini Freinet gehört. Erste Reformer haben bereits 1870 getan, was nun mit Tabletts möglich wird?! Vergessen sind der Projektunterricht Zuberbühlers (1925), die Unternehmung im Freien der libertären École Ferrer (Wintsch 1919), die langen Lektionen des Gestaltungsunterrichts im Landerziehungsheim (Senn 1933), die individualisierenden Unterrichtsarrangements im Genfer pädagogischen Laboratorium (Dottrens 1936, Begert 1954) oder die Inneren Differenzierung der Klasse (Bovet 1925) und in der aktiven Schule (Ferrière 1923). Nein, liebe Tamedia AG, auch bevor wir Tabletts hatten, konnten die Kinder schon selbständig lernen und bereits in vordigitaler Zeit gingen wir an heissen Sommertagen in den Wald, nicht das e-Book, sondern das Buch unter dem Arm!

Der Bund müsse die Kantone bei diesem Prozess finanziell unterstützen. Toll, damit die Lehrer endlich lernen, das zu tun, was sie seit hundert Jahren tun? Hat der Bund die Kantone finanziell unterstützt, als die Schule von der Schiefertafel auf das neue Medium «Heft» umgestiegen ist? Oder gab es Subventionen, als der Diaprojektor durch einen Videoprojektor (Beamer) ersetzt wurde? Als das Epidiaskop durch den Hellraumprojektor - völlig andere Bedienung! - ...?

Nun brauche es völlig neues Lernmaterial. Richtig. Als der Fülli durch den Kugelschreiber ersetzt worden war, gehörten wir auch alle zum alten Eisen und mussten umgeschult - nein schlimmer noch: neu ausgebildet! - werden. Nein, Frau Lätzsch*, die Situation ist nicht schwieriger als in der Mathematik (neues Lehrmittel, neue Didaktik, neuer Lehrplan), im Französisch (neues Lehrmittel, neue Didaktik, neuer Lehrplan) oder im... Überall gibt es immer wieder neue didaktische Konzepte, altes, das nicht mehr klappt, das angepasst und ersetzt werden muss. Von Klassenzug zu Klassenzug, von Jahr zu Jahr, von Lektion zu Lektion.

Beim Verband Swiss ICT heisst es gar: «Zwar sind die Schüler ihren Lehrern weit voraus. Manch ein Achtjähriger kennt sich bei der Anwendung neuer Technologien besser aus als ihre Lehrer.» Aber: Die ältere Generation könne den Jungen trotzdem viel beibringen. «Gerade beim bewussten Umgang und Verständnis der Technologie können die Jungen viel lernen.» Immerhin. Meine Erfahrung ist - zumindest an der Primarschule (und auf die Bezug sich der kommentierte Zeitungsartikel) - ist da etwas ernüchternder: Schüler kennen sich in den allermeisten Fällen nicht besser aus als ihre Lehrer. Klar kennen sie die aktuellsten Spiele und You-Tube-Videos, aber alles, was darüber hinausgehe, überfordert viele. Kinder wissen teilweise nicht einmal, was ein Tabulator ist.

Hinweis: Nächste Woche noch ein passendes Video aus dem Spätmittelalter, als in den Klöstern neue Medien einzug hielten...

*Präsidentin des Zürcher Lehrerverbandes

Montag, 28. März 2016

Optimale Möglichkeiten

Wenn - nach Célestin Freinet - die Schule nicht besonders erfolgreich ist, stellt sich - vielleicht gerade an Ostern - die Frage, was der Schule eine Auferstehung bringen könnte.
So intensiv zu leben wie nur möglich, liegt nicht dort im Endeffekt das Ziel unserer Anstrengungen und sollte es nicht die wesentliche Aufgabe der Schule sein, die optimalen Möglichkeiten zu entwickeln um dieses Ziel zu erreichen?
Auch diesen Gedanken gibt uns der Reformpädagoge Célestin Freinet mit in die neue Woche, die in der Schule natürlich erst morgen beginnt.

Montag, 21. März 2016

Mißerfolg

Wenn es Kinder gäbe, die ausschließlich in der Schule gelernt hätten - und nirgendwo sonst - würde man den totalen Misserfolg dieser Lernform feststellen. Wir meinen, und die Erfahrung liefert uns in jedem Moment den Beweis, dass das Kind sich selbst erzieht - nicht durch von außen herangetragenen Unterricht, sondern durch experimentelles Versuchen im Leben selbst.
Diesen Satz gibt uns der Reformpädagoge Célestin Freinet mit in die neue Woche.

Montag, 11. Januar 2016

Weiterverarbeitung Freier Texte

Im Herbst wies ich auf die Vorteile des "Freien Schreibens" hin, nachdem in der Woche zuvor auf Gerd Hähnels Jugendroman "Viktor im Schattenland" vorgestellt worden ist. Die Erfahrung zeigt es immer wieder: Wenn die Texte wirklich frei sind, schreiben viele Schüler mit großer Freude. Schreiben und Lesen werden eher als sinnvolle Tätigkeiten erlebt. Das überträgt sich häufig auch auf die üblichen Aufsatzformen, ja beflügelt diese sogar. Dies kann man noch verstärken, indem man geeignete Texte veröffentlicht, etwa durch:
  • Vorlesen in der Klasse
  • Veröffentlichung in einem gemeinsamen Klassenbuch
  • Veröffentlichung in der Klassenzeitung
  • Veröffentlichung in der Klassenrundzeitung "Kinderwelt" (siehe Bindestrich 73/2012, pp. 35-38)
  • Austauschen mit einer Korrespondenzklasse
  • usw. usw.

Viktor im Schattenland (Buch)
Viktor im Schattenland (Unterrichtsmaterial)

Quelle: Gerd Hähnel

Montag, 23. November 2015

Reformschulen im Überblick: Célestin Freinet

Montessori, Waldorf, Jenaplan und wie sie alle heißen – die reformpädagogischen Konzepte sind Trend. Allerorts werden Schulen gegründet, die einen Gegenentwurf zur staatlichen Regelschule darstellen wollen. Und immer mehr Eltern und Schüler wenden sich ihnen zu, trotz nicht immer günstigem Schulgeld entscheiden sich viele Familien für alternative Schulen. Sie wünschen sich einen besseren Lehrerschlüssel, mehr Individualität und weniger Leistungsdruck. Doch was steckt eigentlich hinter diesen Begriffen? Heute Célestin Freinet.

Freinet-Schulen sind vor allem im romanischen Raum verbreitet. Freinet-Pädagogik verfolgt vier zentrale Ziele: freie Persönlichkeitsentfaltung, Selbstverantwortlichkeit, Zusammenarbeit und kritische Auseinandersetzung mit der Gesellschaft. Klassen oder Gruppen werden von Erwachsenen und Kindern als selbstverwaltete Kooperative geführt, Entscheidungen trifft die Gemeinschaft. Zwar hat der französische Pädagoge Célestin Freinet sein Konzept ursprünglich für Schulen entwickelt. Aber mittlerweile arbeiten auch immer mehr Kindergärten und Tagesstätten im deutschsprachigen Raum nach dem Freinet-Ansatz.

Unterricht an Freinet-Schulen verläuft nicht lehrergelenkt, sondern von den Schülern selbstbestimmt. Das Vertrauen in die Kinder ist eine wichtige Grundlage der Freinet-Pädagogik. Die Schüler bestimmen weitgehend selbst, womit und wie lange sie sich beschäftigen. Individuelle sowie klasseninterne Tages- und Wochenpläne spielen ebenso wie Projektwochen und Feierlichkeiten der Schulgemeinschaft eine große Rolle. Das Klassenzimmer ist – ähnlich wie an Montessorischulen – in einzelne Arbeitsbereiche, so genannte Ateliers, aufgeteilt. Ihre Ergebnisse stellen sie anschließend der – meist jahrgangsgemischten – Klassengemeinschaft vor. Eine typische Einrichtung an Freinet-Schulen ist die Schuldruckerei. Freinet-Schulen setzen nicht auf Noten und Zeugnisse, sondern auf individuelle Arbeitspläne und Wochen- bzw. Jahresbilanzen.

Auch im Freinet-Kindergarten ist die aktive Beteiligung an der Tagesgestaltung zentrales Element. Die Kinder entscheiden gemeinsam mit den Erwachsenen, was die Gruppe am jeweiligen Tag unternimmt. In einer Morgenkonferenz werden Vorschläge zum Programm diskutiert und der Tagesablauf entschieden.

Montag, 2. November 2015

Reformpädagogisches Buch kostenlos

Paul Le Bohec, ein französischer Reformpädagoge, der Célestin Freinet noch persönlich kannte, hat zusammen mit Michèle Le Guillou ein hochinteressantes Buch verfasst: Patricks Zeichnungen.
Erfahrungen mit der therapeutischen Wirkung des freien Ausdrucks.

In zahllosen Zeichnungen begibt sich der zehnjährige Patrick auf den Weg, sein innerstes Gleichgewicht  wiederzufinden. An der Entwicklung dieser Zeichnungen ist unübersehbar, dass das Kind belastende Fantasien in einer immer dichteren Form zum Ausdruck bringt, bis es sich von ihnen distanzieren kann und dadurch unmerklich eine Krise überwindet, ohne dass die Lehrerin sich jemals anmaßt, als Therapeutin zu wirken. Patricks Zeichnungen ist ein Plädoyer für den Freien Ausdruck! 

Gedruckt ist das Buch zwar vergriffen, in elektronischer Form kann man es kostenlos jedoch bei der deutschen Freinet-Kooperative herunterladen: http://freinet-kooperative.de/verein/material/buecher/

Montag, 19. Oktober 2015

Vorteile des Freien Schreibens

Letzte Woche wies ich auf das Buch "Viktor im Schattenland" hin, das sich gut als Klassenlektüre ab der 5. Klasse eignet und in dem das "Freie Schreiben" vorkommt. In der Freinet-Pädagogik billigt man den Freien Texten wichtige Funktionen zu:
  • Als Lehrer erfährt man viel über die Interessenschwerpunkte der Klasse.
  • Die Schüler können sich etwas „von der Seele“ schreiben. Allerdings sollte man hier als Lehrer sehr vorsichtig agieren und die Privatsphäre des Schülers schützen: Nicht jeder Freie Text gehört in die Klassenöffentlichkeit. Aus Freien Texten können sich aber Hinweise dafür ergeben, dass man einem Schüler z. B. fachliche Hilfe vermittelt.
  • Man kann Schüler, die sonst eher zur „schweigenden Mehrheit“ gehören, zur Artikulation ihrer Interessen verhelfen.
Viktor im Schattenland (Buch)
Viktor im Schattenland (Unterrichtsmaterial)

Quelle: Gerd Hähnel

Montag, 12. Oktober 2015

Über das Freie Schreiben

Das vierte Kapitel Gerd Hähnelks Roman «Viktor im Schattenland» trägt den Titel „Den Kindern das Wort geben». Diese Formulierung steht für das pädagogische Selbstverständnis von Célestin Freinet, wie er es in seiner Schrift «Die pädagogischen Invarianten» (1964) ausdrückt (zitiert in: Karlheinz Burk u.a.: Kinder beteiligen – Demokratie lernen. Grundschulverband Frankfurt 2003, S. 271). Im Folgenden nur einige kurze Hinweise zum Freien Schreiben. Seine enormen pädagogischen Möglichkeiten erlebt man im Roman, vor allem in Kapitel 4 und 5.

«Den Kindern das Wort geben» meint einerseits, das Interesse der Schulkinder in möglichst hohem Maße in den Mittelpunkt des Unterrichts zu stellen. Andererseits kann man diese Forderung auch sehr konkret verstehen: Die Schüler sollen an das Freie Schreiben herangeführt werden: nicht nur, aber auch. (Teilweise wird der Begriff «kreatives Schreiben» synonym gebraucht.) Die Schüler sollen also über das schreiben, was sie bewegt.

Viktor im Schattenland (Buch)
Viktor im Schattenland (Unterrichtsmaterial)

Montag, 11. Mai 2015

Freinetpädagogik: Ein Praktiker erzählt

Herbert Vogt ist Lehrer, Fortbildner - unter anderem am Odenwaldinstitut -, Leiter einer Kindertagesstätte und Mitbegründer des Kronberger Kreises für Qualitätsentwicklung. In diesem Interview zeigt er, wie Freinet-Klassen zu Beginn gar nicht als solche erkannt werden und weshalb. Dann führt er jedoch weiter und weist auf die andere pädagogische Haltung hin, die sich auf den zweiten Blick dann durchaus erkennen lässt.



In der zweiten Hälfte des Interviews geht er auf die typischen Atelieres und Werkstätten ein. Zur weiteren Lektüre sei sein Buch "Freinetpädagogik in der Kindertagesstätte empfohlen.

http://freinet-kooperative.de/


Montag, 4. Mai 2015

Erfrischender Unterricht

Die Freinet Pädagogik ist auf die Entwicklung der Selbstständigkeit der Kinder ausgerichtet. Der französische Pädagoge gilt auch als der Begründer der Schülerzeitungen. In dem kurzen Film zum Schulbeginn nach den Frühlingsferien werden die Grundzüge seiner Pädagogik am Beispiel des Freinet Kinderhauses Görlitz erläutert.



Es kommen die Erzieher und auch viele der kleinen Kinder zu Wort.

Montag, 30. März 2015

Ostereier voller praxisorientierter Weiterbildung

Bereits ist es frühlingshaft... und damit rückt auch die nächste Freinet-Werktagung vom Mai 2015 ins Blickfeld (siehe auch Beitrag Die kindsgerechteste Weiterbildung der Schweiz). Noch ist Zeit, sich für dieses inspirierende Treffen anzumelden!

Wer sich gerne nicht nur mit Kollegen aus dem eigenen Schulhaus austauscht ist hier genau richtig: verschiedene Leute aus verschiedenen Stufen und Kantonen, manchmal auch aus dem benachbarten Ausland: So konzentriert und kompakt kommt man selten zu inspirierenden Ideen. Nur einlassen muss man sich selber (und heute noch hier anmelden - denn das gibt es nur alle zwei Jahre).

Die organisierenden Kolleginnen und Kollegen freuen sich über jede Anmeldung. Fragen beantwortet Lulu Müller gerne unter der Adresse lulumueller Affenschwanz les-coquelicots Punkt ch

Mehr zur Reformpädagogik nach Célestin Freinet gab es bereits letzte Woche und hier noch ein Artikel mit näheren Informationen aus der Zeitschrift "Bindestrich":



Montag, 23. März 2015

Drucken in der Schule macht Spass

Bild: schuldrucker.de
Bereits Célestin Freinet liess seine Schulkinder die Aufsätze mit Bleilettern setzen und dann drucken. Auf der ganzen Welt gibt es seither Schulen, welche eine kleine Druckerei für den Unterricht haben. Die Bergedorfer Waldorfschule (Hamburg) hat vor sieben Jahren gleiche eine ganze Druckerei übernommen. Dort stehen eine moderne Offset-Maschine und zwei traditionelle Buchdruckmaschinen. Auf diesen entstehen unter Mithilfe und Anleitung des pensionierten Druckers, Drucksachen für die Schule und von den Schülern. Zum Beispiel die monatliche Schulzeitung, Handzettel und Plakate für Veranstaltungen und natürlich Produkte aus dem Unterricht:

Der kurze Film gibt einen kleinen Einblick. Im Gegensatz zum Fotosatz oder Computersatz, ist das Setzen von Bleilettern (spiegelverkehrt mit einem kleinen Spiegel) ein äusserst geeignetes Hilfsmittel zur Förderung der Rechtschreibung. Wer sich selber fürs Drucken in der Schule interessiert, findet im Netz
- eine umfassende Übersicht,
- eine Schritt-für-Schritt-Anleitung,
- den Arbeitskreis Schuldruckerei.

Montag, 16. März 2015

Einführung in die Freinet-Pädagogik


Falls oberhalb nichts angezeigt wird: Dies ist eine Präsentation von Michael Ziemons, die einen Überblick über die Freinet-Pädagogik gibt. Sie kann auch auf dieser Seite auferufen werden: https://prezi.com/6kuowy9q-aht/copy-of-freinet-padagogik/# (einbetten fremder Inhalten ist technisch halt immer so eine Sache)

Montag, 19. Januar 2015

Kinder lehren Kinder

Renate Kock legt mit ihrem Buch Kinder lehren Kinder eine Recherche zum Begriff des tâtonne-ment expérimental vor. Nach einer historischen Übersicht und der Abgrenzung gegenüber anderen Tendenzen arbeitet sie den Zusammenhang zwischen den individuellen Interessen und der Struktur des allgemeinen Arbeitsplanes heraus. Damit gelingt es Célestin Freinet sich von den ministeriellen Vorgaben abzukoppeln und transparent für die Kinder eine Struktur der Welt aufzubauen, die konse-quent an ihren eigenen Interessen orientiert ist. Die Kinder lernen also, dass ihr Bild der Welt sich nicht aus einer objektiven und vorgegebenen Sicht dieser Welt ergibt, sondern aus der Konstruktion ihrer eigenen Lernaktivitäten.

Der Titel des Buches ‘Kinder lehren Kinder’ ist also nicht der Ansatz ‘Lernen durch Lehren’ von Jean Pol Martin, in dem Kinder von einem Lehrer den Auftrag bekommen, in seine Rolle zu schlüpfen und dadurch dass sie ein Thema Lehren viel über dieses Thema lernen. Kock verdeutlicht den Ansatz von Freinets: Indem er die Freien Texte der Kinder zum Ausgangspunkt seines Unterrichts macht, das thematisiert, was die Kinder einbringen. Sie beschreibt vor allem auch, wie das Schritt für Schritt geschieht. ‘Kinder lehren Kinder’ bedeutet daher, dass das, was ihnen so wichtig war, das sie es in ihren Freien Texten erzählt haben, genutzt wird, um ihre Fragen dazu zu sammeln und diese schließlich im Unterricht zu bearbeiten.

Hier schliesst sich der Kreis zum Beitrag der letzten Woche: anstelle eines Schulbuchthemas der freie Text. So dminiert nicht der Lehrplan, sondern das Interesse der Kinder. Es ist der akribischen Darstellung von Renate Kock zu verdanken, dass nicht nur der Begriff des tâtonnement expérimental im Werk Célestin Freinets bestimmt wird, sondern, ausgehend von diesem Begriff auch Fragen an dieses Konzept Freinets möglich werden.

Renate Kock (2001): Kinder lehren Kinder – Der Begriff des tâtonnement expérimental im Werk Célestin Freinets – Hrsg. Jürgen Bennack, Baltmannsweiler, Schneider-Verlag Hohengehren, als gebundenes Buch bestellen: ISBN: 3-89676-404-7
als Taschenbuch bestellen: ISBN: 9783896764041

Dieser Beitragist eine bearbeitete und gekürzte Version einer Besprechung von Jürgen Göndör.

Montag, 12. Januar 2015

Auch virtuelle Schulbücher unterwerfen Kinder und Lehrer

Nochmals Schulbücher: In Zukunft sind Schulbücher interaktiv. Das scheint unbestritten. Und wenn alle Schulbücher von der Fibel in der ersten Primarklasse bis zu den Vorlesungsskripten an der Universität in einem iPad drin sind, hat das auch logistische und gesundheitliche Vorteile: es gibt weniger Gewicht herumzutragen.

Der kalifornischen Firma Apple schwebt vor, dass jeder Schüler oder Student nur noch ein Tablet-Gerät (natürlich aus Cupertino) bei sich hat. Die Lerninhalte können interaktiv erarbeitet werden, sind immer aktuell und sind dank Anschluss ans Netz immer aktuell. Wie das im Detail aussehen könnte, darüber hat der Infwiss-Blog bereits vor drei Jahren berichtet: Apple revolutioniert das Schulbuch.

Technisch mag das ausgefeilt sein, wie so manches von dieser kalifornischen Firma. Inhaltlich, das heisst von pädagogischen Standpunkt aus, ändert das an der Kritik Freinets überhaupt nichts: Ob man sich einem reellen oder einem virtuellen Diktat unterwirft, bleibt das selbe.

Montag, 5. Januar 2015

Schule ohne Schulbücher!

Zum Neujahr nochmals der gleiche Beitrag, wie zu Silvester? Nicht ganz; das Satzzeichen macht den Unterschied und dreht den Inhalts ins Gegenteil. Nachdem ich den Beitrag bereits veröffentlicht hatte, erinnerte ich mich an den französischen Reformpädagogen Célestin Freinet, der den Schulbüchern äusserst skeptisch gegenüberstand.

Schulbücher verdummen die Kinder
"Schulbücher sind ein Instrument der Verdummung. Sie dienen lediglich den offiziellen Lehrplänen - und auch das manchmal sehr schlecht. ... Schulbücher dienen also de facto in erster Linie der Unterwerfung des Kindes unter den Erwachsenen und noch genauer, unter die gesellschaftliche Klasse, die durch Lehrpläne und Finanzen das Unterrichtswesen beherrscht. ...

Selbst wenn die Schulbücher gut wären, wäre es am besten, sie so wenig wie möglich zu benutzen. ... Das Buch ist dann eine Welt für sich, fast etwas Göttliches, dessen Behauptungen man kaum noch in Frage stellt. ... So töten die Schulbücher jede Kritikfähigkeit; und wahrscheinlich verdanken wir ihnen diese Generationen von Halbgebildeten, die jedes einzelne Wort glauben, das in der Zeitung steht."

Schulbücher verdummen die Lehrer
"Aber die Schulbücher unterwerfen auch die Lehrer. Sie gewöhnen sie daran, das immer gleiche Wissen auf immer gleiche Art weiterzugeben, ohne sich darum zu kümmern, ob das Kind es aufnehmen kann. ... Es ist unbedingt notwendig, daß die Lehrer sich von dieser mechanischen Vermittlung freimachen, um sich der Erziehung des Kindes zu widmen. "

zitiert aus: Célestin Freinet: Schluß mit den Schulbüchern, zi.tiert nach: Hering/Hövel: Immer noch der Zeit voraus, 1976, S.117ff