Montag, 2. Dezember 2019

Mit Kindern Schule machen

Wer eine Freinet-Klasse besucht, dem fällt vielleicht das viele Material, die Lernangebote auf. Vielleicht aber auch gar nichts. Bleibt er etwas länger in der Klasse, wird ihm wohl auffallen, wie selbständig manche Kinder arbeiten.



Das ist sicher wesentlich: In der Freinet-Pädagogik werden die tatsächlichen Fragestellungen der Kinder aufgenommen und spielen eine wesentliche Rolle in der Unterrichtsgestaltung. Dabei ist es die Roll von uns Lehrer, die Partizipation der Kinder mit dem Lehrplan in Einklang zu bringen. Das gelingt meistens ganz gut, wenn man sich auf das Wesentliche konzentriert: Um was geht es dem Lehrplan? Was müssen die Kinder wirklich können?

Wie das dann erreicht werden kann, da besteht bekanntlich sehr viel Spielraum - wenn wir uns nicht vom heimlichen Lehrplan, den Schulbüchern, den Blick einschränken lassen. Das mag ein Grund gewesen sein, weshalb Celéstin Freinet selbst ohne Schulbücher gearbeitet hat. Soweit müssen wir ja nicht gehen, aber je mehr wir den Kindern das Wort geben und mit ihnen am Montag die neue Woche planen, Ideen aufnehmen und gemeinsam mit den Kindern weiterentwickeln, desto weniger werden wir die Schulbücher dann noch brauchen.

Montag, 25. November 2019

Letzte Vorbereitungen für die Adventszeit - oder: rettet die Weihnachtsgeschenke!

In den letzten Jahren habe ich mit den Kindern im Advent jeweils neben den klassischen Adventsthemen wie Kerzen, Gedichte, Geschichten, Lieder und so jeweils auch Krypto, Kryptina und ihrem Hund Kryptix geholfen die Spione zu fangen, welche die Weihnachtsgeschenke stehlen wollten. Die Sache ist eigentlich ganz einfach: Jeden Tag öffnet sich ein Törchen im Adventskaleder. In einem kurzen Video erfährt man die Aufgabe und mit Hilfe der historischer und moderner Hilfsmittel der Kryptologie können die Kinder den drei Helden helfen. Während sich die Wochentagetörchen abends wieder schliessen, bleiben diejenigen von Samstag und Sonntag bis Montag offen, dass man in der Schule nacharbeiten kann, wenn man übers Wochenende nichts zu Hause macht.



Informatik drängt ja immer mehr in die Schule und oft frage ich mich, um was es da geht: Grundlagen, welche den Kindern im späteren Leben hoffentlich hilfreich sind; nur um Produkteschulung für aktuelle Software oder etwas Spass am Bildschirm?

Spionensuche mit Krypto, Kryptina und Kryptix ist ganz klar auf einem anderen Niveau. Auf einem hochstehenden Niveau - und gleichzeitig sehr kindgerecht. In vielen Fällen wird gebastelt, gehirnt und gerätselt. Es eignet sich auch als Partner- oder Gruppenarbeit und kann somit teambildend wirken. Die Aufgaben gibt es einerseits für Einsteiger (3. bis 6. Klasse) und für Fortgeschrittene (6. bis 9. Klasse). Ach ja, hinter dieser Undercover-Mission steht die pädagogische Hochschule Karlsruhe. Weitere Informationen und Anmeldung unter https://www.krypto-im-advent.de

Montag, 18. November 2019

Ist Célestin Freinet ein Youtuber?

Das ist ein interessanter Ansatz: Celéstin Freinet, der Begründer der nach ihm benannten Freinet-Pädagogik, sprich gleich selber in einem Youtube-Video zu uns. Freinet - ein Youtuber? Im Rahmen eines Schulprojekts haben das Studenten ein solches Video zur Freinet Pädagogik realisiert. Wenn man vom akzentfreien Deutsch des Franzosen Freinet absieht, scheint es mir sehr realistisch.



Das Kind im Mittelpunkt, seine Neugier als Ausgangspunkt für die Detailplanung. Das bewährt sich seit Jahrzehnten. Wenn im Lehrplan Referat steht, dann spielt das Thema für mich als Lehrer ja nicht besonders im Vordergrund, für die Motivation des Schülers hingegen kann es entscheidend sein.

Montag, 4. November 2019

Schulstunden wie Ferien

Kürzlich war ich am Herbstmarkt und hütete einen Stand. Wenige Schritte weiter standen ein paar Frauen und redeten miteinander. Einige Stichworte liessen mich aufhorchen. Eine der Frauen war offenbar eine Kollegin unbekannterseits. Sie bestätigte ihren Bekannten, dass es ihr gut gehe, ja ausgezeichnet. Sie hätte nun seit August eine neue Klasse und seither sei jeder Schultag wie Ferien.

Bevor ich mich jedoch schon für sie freuen konnte, kam der Hammer: Der Satz von den Ferien endete nicht mit einem Punkt, sondern mit einem Komma. Die Begründung liess mich bestürzt zurück: "weisst du, keine Autisten, ADHSler und solchen Scheiss."

Ich verstehe diese Lehrerin sehr gut, wenn sie sich freut, in einer Regelklasse kein Kind mit Autismus oder überbordendem Bewegungsdrang zu haben. Was bei mir jedoch grosse Fragezeichen aufscheinen liess, war die Titulierung, den Fäkalausdruck, mit dem sie diese Kinder bezeichnete. Für mich hat das absolut nichts mit Respekt und Achtung vor dem Mitmenschen zu tun. Wie können wir eine gute Beziehung zu den Kindern unserer Klasse, ihren Eltern aufbauen, wenn wir sie nicht als Menschen akzeptieren? Wie können wir ihnen Respekt und Achtung beibringen, wenn wir es ihnen nicht selber zollen?

Montag, 28. Oktober 2019

Grammatik üben ohne zu schreiben

Ich habe wieder einmal einen Drittklässler. Der schreibt etwas ungelenk. Um ihn nicht zu stark zu quälen, digitalisiere ich ab und zu für ihn eine Aufgabe, die er dann am Rechner lösen kann.

Übung 1: Die angezeigten Wörter nach Endung sortieren



Übung 2: Die richtige Endung aus dem Menü wählen


Bei der zweiten Übung habe ich den Wortschatz leicht erweitert, so dass man manchmal scharf nachdenken muss: Ist das nun ein Verb/Adjektiv oder ein Nomen? Viel Spass beim Anwenden im Unterricht. Mehr Deutschübungen (angeregt von Einsterns Schwester) gibt es sowohl für Zweit- als auch für Drittklässler.

Montag, 21. Oktober 2019

Welches sind deine Superkräfte?

Kürzlich sah ich nebenstehendes Leibchen zu kaufen. Oft scheint es mir, dass viele Leute, denken,  mit der Digitalisierung der Schule werde alles besser - ein Tablett pro Kind sei so eine Superkraft. Ich bin da eher skeptisch. Umso mehr freute ich mich an den sehr differenzierten Aussagen von Robert MacKenzie der Firma Labster an einem Lehrerbilungskurs.

MacKenzie unterscheidet klar zwischen Digitalisierung und Transformation. Wenn ich mich einfach an der Wandtafel abfilme, ist das zwar dann digital. Aber die Methode bleibt genau dieselbe. Die grössten Effekte erreicht man jedoch in der Kombination.




Montag, 30. September 2019

Reales Spielen mit einer App fördern?

Kinder lernen durchs Spiel. Doch immer mehr gelangen sie in den Sog elektronischer Medien. Die Eidgenössisch Technische Hochschule (ETH) in Zürich will hier mit sogenannter Augmented Creativity (wie heisst das auf deutsch?) Gegensteuer geben, indem im Game Technology Centre kreative und spielerische Aktivitäten mit Ergänzungsrealität (englisch: Augmented Reality AR) ergänzt werden. Erstaunlich und unglaublich, aber wahr, was heutige Technologie bereits kann! Im Filmausschnitt stellt Bob Summer diese erweiterte Kreativität (auf englisch) vor:



Die vorgestellten Funktionen sind Bestandteil einer Vorzeige-App, mit welcher die ETH Einblick in Ihr Arbeiten gibt.
  • Mit dem AR-Malbuchmodul können Figur mit normalem Papier und Stiften ausgemalt und die Farben dann auf eine auf dem Bildschirm angezeigte 3D-Figuren übertragen werden.
  • Mit dem AR Band Modul können Musikinstrumente und Musikstile in AR spielerisch kombiniert werden, um eigene Arrangements eines Songs zu erstellen. 
  • Schließlich zeigt das Modul AR Museum, wie die AR-Technologie die Interaktivität eines Museumserlebnisses verbessern kann. Durch AR kann mit Gemälden interagiert, Farben und Formen verändert und so ein eigenes Meisterwerk geschaffen werden!

Ob wir das bei uns im Unterricht einbauen wollen, ist eine berechtigte Frage. Sich mit neusten Entwicklungen auseinandersetzen eine andre. Bevor die App genutzt werden kann, muss man das PDF Augmented Creativity herunterladen und drucken.