Mittwoch, 19. August 2026

Tür und Tor öffnen für Spanner & Co?

Smart Glasses sehen aus wie gewöhnliche Alltagsbrillen, können aber Video und Ton aufnehmen. Und genau das macht sie gefährlich.

In Deutschland gibt es bereits zahlreiche Fälle, in denen Frauen mithilfe dieser Brillen heimlich gefilmt wurden. Die Aufnahmen wurden anschliessend auf TikTok und Instagram veröffentlicht, wo Aussehen und Körper der Frauen öffentlich kommentiert wurden. (1)

Aber auch Kinder sind betroffen: In Badis, Umkleidekabinen und anderen intimen Situationen darf ihr Schutz nicht davon abhängen, ob Eltern, Betreuungspersonen oder Kinder selbst erkennen, dass sich hinter einer scheinbar gewöhnlichen Brille eine Kamera verbirgt.

Wir dürfen nicht warten, bis sich diese Technologie hier etabliert und erst im Nachhinein versuchen, ihre Folgen einzudämmen!

Denn auch in der Schweiz verbreitet sich das neue “Tech-Gadget”: 2025 wurden weltweit bereits sieben Millionen Smart Glasses von Meta gemeinsam mit Ray-Ban und Oakley verkauft. Weitere Tech-Konzerne arbeiten an eigenen Modellen. (2)

Unsere Privatsphäre steht auf dem Spiel! Zwar schützt das Recht am eigenen Bild grundsätzlich die Entscheidung jeder Person darüber, ob und wie sie aufgenommen wird. Der Eidgenössische Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragte (EDÖB) warnt bei Smart Glasses aber ausdrücklich vor Risiken für die Persönlichkeitsrechte. (3)

Recherchen zeigen, dass Meta Aufnahmen von Smart Glasses zum Training einer KI auswerten liess, darunter höchst intime Situationen. (4) Gleichzeitig entwickelte Meta eine Gesichtserkennungsfunktion, mit der Menschen im Blickfeld der Brille in Echtzeit identifiziert werden können. Das wäre das endgültige Ende der Anonymität im öffentlichen Raum. (5) Auf Nachfrage des EDÖB erklärte Meta, dass Daten von Nutzern aus der Schweiz nicht dafür verwendet werden würden. Aufgrund dieser Aussage eröffnete der EDÖB vorerst keine formelle Untersuchung. (6)

Eine kleine LED-Lampe, freiwillige Verhaltensregeln oder Verbote an einzelnen Orten lösen dieses grundsätzliche Problem nicht. Denn eine Kamera, die wie eine gewöhnliche Brille getragen werden kann, macht jede Umgebung zu einem möglichen Aufnahmeort.

Es braucht jetzt ein Verkaufsverbot, bevor Smart Glasses zur neuen Normalität und zur Gefahr für Frauen, Kinder und unseren Datenschutz werden. Petition in neuem Fenster.

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Quellen: 
  1. tagesschau.de / SWR: "Neue Form digitaler Gewalt? Heimlich gefilmt mit Smart Glasses", 13.05.2026
  2. Watson: "Smart Glasses sind ein Frontalangriff auf unsere Privatsphäre", 28.06.2026.
  3. Eidgenössischer Datenschutz- und Öffentlichkeitsbeauftragter EDÖB: "Wearables: Smartwatches, Fitnesstrackers, Smartglasses".
  4. The Guardian: "Kenyan firm sacks more than 1,000 workers after losing Meta contract", 17.04.2026.
  5. WIRED: "Meta Silently Added Face-Recognition Code for Its Smart Glasses to Millions of Phones", 04.06.2026.
  6. EDÖB: 33. Tätigkeitsbericht 2025/2026, "Vorabklärung Meta", S. 23.

Mittwoch, 18. März 2026

Wie KI die Schule zerstört

Unter dem Titel Es braucht klare Regeln statt naiven Optimismus schrieb Giorgio Scherrer am Dienstag einen äusserst lesenswerten Kommentar in der Neuen Zürcher Zeitung, nachdem bereits am Montag ein längerer Hintergrundartikel zum Thema KI in der Schule erschienen ist. Kurz zusammengefasst geht es um folgendes: An Schulen überall im Land spielt sich gerade ein seltsames Theater ab. Gemäss NZZ geht es so: Der Lehrer, etwa an einem Gymnasium, gibt den Schülern ein Aufgabenblatt, das er mit KI generiert hat. Die Gymnasiasten lösen es mit KI, oftmals direkt im Klassenzimmer, an den dort mittlerweile omnipräsenten Tablets. Und dann gehen alle zusammen die Antworten durch. Die Jugendlichen lesen vor und sagen dabei stets dasselbe, einer nach dem anderen. Der Lehrer muss nichts korrigieren, nie eingreifen – es ist ja alles korrekt. Und so steht er bloss vorne und nickt. Ein Theater, von dem alle wissen – und vor dem doch zu viele die Augen verschliessen: Schule als inhaltsleeres Theaterstück, zu dem die KI das Skript geschrieben hat. 

Sogenannte «künstliche Intelligenz», also von Algorithmen generierte Antorten hat zwar nur eine Trefferquote von 55% oder anders herum formuliert sind 45% falsch, doch neunzig Prozent der Schweizer Mittelschüler nutzen sie mittlerweile und geben automatisch generierte Inhalte als eigene Texte, Prüfungen oder Vorträge aus. Dies ergab eine Befragung bei 9000 Jugendlichen durch die Universität Zürich. 

Und die Schulen? Dreizehn Prozent von uns Lehrern nutzt Algorithmen auf eine Art, die dem Lernen zuträglich ist und nur eine von fünf Schulen hat Regeln für den Umgang mit der Technologie. Kulturpessimismus sagen: Alles ist ohnehin verloren. Diese Fraktion ignoriert das Phänomen grösstenteils. Naive Tech-Optimisten sprechen gern luftig von «Chancen» und «Möglichkeiten» und fabulieren von den Verlockungen des virtuellen Klassenzimmers. Sie kleiden schlechte Nachrichten gern in wohlmeinende Worthülsen – bis alle beruhigt und keine Probleme gelöst sind. 

Beide Ansätze bringen niemanden weiter. Schulen müssen – gemeinsam mit Eltern, Lehrpersonen und Jugendlichen – klare Regeln für den Umgang mit Algorithmen definieren. Und zwar möglichst sofort. Gefragt sind gemäss der NZZ bindende Vorgaben, nicht vage Absichtserklärungen, für Schüler und Lehrer:
  • Algorithmen (KI) soll Lernassistenz, nicht Schummelcompagnon sein. 
  • Tech-Firmen müssen schleunigst technischen Möglichkeiten schaffen, damit Schulen den Gebrauch ihrer Werkzeuge sinnvoll einschränken oder gezielt ermöglichen können.
  • Es braucht eine Stärkung der analogen Unterrichtssphären, in denen das Denken und das Lernen ohne KI im Zentrum stehen. 
  • Mindestens die Hälfte der Zeit im Klassenzimmer sollte ganz ohne elektronische Geräte stattfinden. 
Solch deutliche und regulierende Worte in den Spalten der freisinnigen NZZ mögen auf den ersten Blick überraschen. Aber in diesem Punkt hat sie recht: Das Diskutieren und Erarbeiten von Wissen, gemeinsam, von Angesicht zu Angesicht, ist am Ende das Wertvollste, was die Schule bietet. Das darf nicht kampflos aufgegeben werden. (Quelle: NZZ, 17.3.2026, gekürzt)

Samstag, 10. Januar 2026

Rechnen und Sprachen lernen wie aus Zauberhand

Ich setze gerne Lehrmethoden ein, bei denen sich die Kinder selber korrigieren können, und die wenn möglich auch eine spielerische Komponente haben. Da entdeckte ich bei Frau Wegerer eine ganze Reihe an Kärtchen, für Deutsch und um die Einmaleinsreihen zu lernen: vorne die Aufgabe, hinten das Resultat. Eigentlich nichts neues - ausser, dass dies unter der Rubrik "Schlauer Schacht" veröffentlicht worden war.

Dazu fallen mir in den Sinn, kürzlich gelesen zu haben, dass man mit Papierkärtchen (zum Wenden) doppelt so schnell oder in gleicher Zeit doppelt so gut Wörter (Fremdsprachen) oder Rechnungen (Einmaleins) lernt, als mit bildschirmgestützten Methoden. Erst beim Repetieren von bereits Gelerntem, seien sich die analoge und die digitale Methode ebenbürtig.

Blieb der "Schlaue Schacht". Nach einigen Recherchen wurde mir einiges klar: Der "Schlaue Schacht" ist im Laufe seines Lebens schon unter verschiedenen Namen aufgetreten. Einige nennen ihn "Zauberhut". Bei Betzold heisst er heute "Magischer Zylinder". Dabei handelt es sich um ein technisch einfaches Gerät, das angetrieben durch die Schwerkraft die Kärtchen wie durch Magie wendet.

Ich habe mir für den Schulgebrauch aus Sperrholzresten schnell einen "Schlauen Schacht" zusammengesägt und -geleimt. Zu Hause bastelte ich mit unserem Buben ein Kartonmodell aus einer alten Lebensmittelverpackung - kaschiert mit Blumen aus einem Gartenkatalog.

Wer selber einen "Schlauen Schacht" bauen will, dem möge diese Skizze und die folgenden Masse dienen:

  • Breite ca. 9cm
  • Tiefe ca. 7cm
  • Höhe ca. 15-16 cm
  • Schlitz ca. 1.5cm

Beim Zusammenbau achte man darauf, dass eine Seite vorerst offen bleibt (und erst am Schluss, quasi als Deckel, verschlossen und verleimt wird. Das Innenleben besteht aus zwei Bahnen Zeichenpapier, welche genug Luft lassen, dass das Kärtchen problemlos nach unten fällt und gleichzeitig so stark geführt wird, dass es im Fallen gewendet wird. Obengenannte Masse ermöglichen den Einsatz von Kärtchen sowohl im Format A7 (halbe Postkarte), als auch A8 (Viertel-Postkarte).

Wer Anfangs dritter oder vierter Klasse im Werkunterricht einen "Schlauen Schacht" Schacht baut, kann ihn dann bei den Hausaufgaben einsetzen in Mathematik (Einmaleins), Englisch (Vokabeln) und in der 5. Klasse dann auch in Französisch (Vokabeln). Sich die Kärtchen wie von Zauberhand drehen zu lassen, fasziniert immer wieder...



Dienstag, 25. November 2025

Winterstimmung im Schulhausgang

Diese grossformatigen Bilder aus unserem Schulhausgang mögen einen Ausblick auf den kommenden Winter geben und der Inspiration dienen, was möglich ist, wenn man die Kinder in Techniken einführt und genügend Zeit lässt, sie auszuprobieren und umzusetzen.

Samstag, 25. Oktober 2025

Schule muss langsamer werden

Die Welt verändert sich gerade radikal. Sollte sich die Schule auch radikal verändern? Auf diese Frage antwortete Erziehungswissenschaftler Prof. Roland Reichenbach kürzlich in einem Interview:

Im Gegenteil, wenn alles schneller wird, sollte die Schule langsamer werden. Lesen, schreiben und rechnen lernen benötigen Zeit und Übung. Ich jogge zum Beispiel nicht gern, und wenn es eine KI gäbe, die mir das abnehmen könnte, würde ich sie machen lassen. Aber das geht eben nicht. Üben ist mühsam. Das wird sich nie ändern. Schon Hannah Arendt schrieb, dass Bildung ein konservatives Geschäft sei. Und zwar konservativ im Sinne von konservieren. Man sollte das, was sich bewährt hat, bewahren und weitergeben. Im Übrigen hat man der Schule schon immer vorgeworfen, sie sei träge.

Obwohl: Die Digitalisierung hat die Schule längst erreicht. Das Problem ist, dass das Neue einen prinzipiell guten Ruf hat. Von dieser Neomanie ist auch die Schule geprägt. Neu ist besser, während das Alte verpönt ist. Natürlich kann sich die Schule nicht von den digitalen Medien lösen, und es wäre auch dumm, das zu fordern. Aber sie kann sich von ihrer Dominanz lösen. Also von ihrer Selbstverständlichkeit und Aufdringlichkeit. Dass wir immer und überall vor diesen Bildschirmen sitzen, ist erbärmlich, da muss die Schule nicht auch noch mitmachen. Das Problem ist, dass die digitalen Medien uns ablenken. Es sind nicht die Medien an sich, es ist die Zeit, die man verschwendet, ohne damit den Menschen zu stärken. Mit Lernen hat dieses schnelle Sich-ins-Bild-Setzen nichts zu tun. Es hat mit Üben nichts zu tun. Es hat nichts mit Verfeinerung des Denkens oder des Urteilens zu tun. Deshalb ist weniger Digitalität sicher mehr.

Donnerstag, 25. September 2025

Sprachen lernen - aber richtig

Sprachen lernen gehört zur Schule, wie das Amen zur Kirche. Am einfachsten gibt man den Kindern Wörtli (in Deutschland Vokabeln genannt) auf, die diese lernen müssen und die man regelmässig abfragen und benoten kann.

Zuallererst verweise ich auf einen Beitrag, den ich schon vor Jahren veröffentlicht habe. Der eingebettete Film (am Beispiel Französisch), ist heute noch genau so gültig wie damals und hat in der Zwischenzeit schon hunderten, wenn nicht tausenden von Eltern geholfen, ihre Kinder bei den Hausaufgaben effizient zu unterstützen: Wörter richtig lernen

Nach dem richtigen Wörter lernen kommt das richtige Wörter abfragen. Dazu schrieb ich vor sieben Jahren, wie ich es während Jahren gemacht habe. Nun gibt es zu dem Thema einen äusserst lesenswerten Artikel, der alles bisherige auf den Kopf stellt. In der Tat ist es wichtig, im Französisch-Unterricht nur Französisch oder im Englisch-Unterricht nur Englisch zu bewerten. Das heisst: was auf deutsch sinngemäss stimmt, darf nicht falsch sein, da z.B. die deutsche Rechtschreibung oder mangelhafter deutscher Wortschatz nicht Bestandteil der Fremdsprachennote sein darf. Ein Mädchen übersetzte einmal "la casquette" mit "Tschäppy", was umgangssprachlich für Schirmmütze ist. Es bekam den Punkt.

Aufpassen muss man auch mit Muttersprachlern, oder cleveren Kindern, die gegebenenfalls andere Ausdrücke kennen, als auf der Wörterliste stehen, jedoch das gleiche bedeuten. Ist ein "breakfast" etwa kein "Frühstück", sondern nur ein "Morgenessen"?

Jakob Wüest weist in "Der moderne Fremdsprachenunterricht" [1] richtigerweise darauf hin, dass [i]n Übereinstimmung mit neuen pädagogischen Einsichten [. . .] dem Wortschatz eine wichtige Rolle zu[kommt], was mit möglichst vielseitigen Wortschatzübungen im Unterricht umgesetzt wird. Diese können allerdings die systematische Repetition des Wortschatzes durch die Schulkinder selbst nicht ersetzen.

Die bekannteste Methode, Wörter zu lernen, ist die Übersetzung, obwohl wir alle wissen, dass je nach Kontext eine Übersetzung unterschiedlich ausfallen kann. Sie kann deshalb nur ein Einstieg ins Wörterlernen bieten, mehr nicht. Es darf dabei auch nicht vergessen werden, dass viele Kinder zu Hause nicht deutsch sprechen, weshalb sie dann unter Umständen nicht an der Fremdsprache, sondern an der deutschen Übersetzung scheitern.

Wüest nennt verschiedene Methoden. Die Autoren des äusserst durchdachten Französischlehrgang Envol haben auf den bekannten tschechischen Pädagogen  Johann Amos Comenius und dessen Orbis sensualium pictus von 1653 zurückgegriffen und dem Buch eine Wörterkartei mit Bildern beigelegt: 500  Wortschatzkärtchen mit den Wörtern, manchmal ergänzt mit einem Satz (Wort im Kontext), auf der Rückseite ein aussagekräftiges Bild. Die Lehrer waren zuerst entsetzt (was ist nun die richtige Übersetzung?, die Kinder begeistert (das führte dann zu vorgenanntem Tschäppy und gleichlangen Spiessen für alle DAZ-Kinder).


[1] Jakob Wüest: Der moderne Fremdsprachenunterricht. Zürich, 2001: Lehrmittelverlag. ISBN 3-906743-51-9 (bei Amazon bestellen oder bei Eurobuch bestellen)

Scan https://www.optimisme.ch/files/documents/fd_I_teil1_envol_wueest.pdf


Freitag, 29. August 2025

Grosse Meister

Sie stammen von Kirchner, Miro, van Gogh und hängen in London, Amsterdam oder Neu York im Museum. Oder bei uns im Treppenhaus der Primarschule.
Ich habe ein paar Kunstbände mitgebracht und den Kindern gezeigt. Anhand des Titelbildes haben sie sich für einen der Bände entschieden, für sich alleine betrachtet und bei drei Bildern ein Buchzeichen hineingelegt. Diese drei Bilder durften sie dann der Klasse zeigen und sagen, weshalb sie ihnen gefallen. Nach der Pause haben sie dann das schönste der dreien grossformatig kopiert - zuerst die Proportionen vorgezeichnet mit ganz heller, wässriger Wasserfarbe, dann das Bild selbst ebenso mit Wasserfarbe. Die Beispiele sind von Primarschülern der 3. bis 6. Klasse.