Montag, 2. November 2020

Kind verschwunden - Literatur

(Berliner Zeitung)
Kinder laufen selten weg. Wenn es jedoch geschieht, dann ist vorher viel passiert, viel zu viel; soviel, dass professionelle Helfer übernehmen müssen. Doch auch den Hinterbliebenen, Geschwistern, Mitschülern, Freunden stellen sich Fragen über Fragen, auf die es oft keine schlüsige Antworten gibt. In solchen Fällen kann in der Schule gegebenenfalls ein passendes Vorlesebuch (und etwas erhöhte und verlängerte Vorlesekadenzen) hilfreich sein. Indem man sich mit einer analogen Geschichte beschäftigt, kann man auch Antworten finden. Die Bücher sind aber auch zur individuellen Lektüre geeignet.

Ruedi Klapproth: Die Nacht, die sechs Tage dauerte. Rex.
Ein Mädchen fährt ins Blauringlager und kommt dort nie an. Sein Bruder ist auf der anderen Bergseite im Pfadilager. Nun beginnt die verzweifelte Suche. Ein Jugendroman voller Verzweiflung, Gefühlen, Bergen (auf einer Landeskarte kann alles nachverfolgt werden), spannend erzählt aus wechselnder Sicht (Bruder, Mädchen, Eltern).

Ruedi Klapproth: Flucht durch die Nacht. Rex.
In der Autogarage seines Vaters schläft ein Knabe, der offenbar zu Hause ausgerissen ist. Wer ist es? Weshalb ist er weg? Soll er ihn verraten? Soll er die Eltern beiziehen? Der Roman beginnt in der Mitte der Geschichte und nur Schritt für Schritt erfährt der Leser die Ursachen und Hintergründe. Mit dem Protagonist wundert er sich, fiebert mit; ein stimmiges Gesamtbild erschliesst sich erst gegen den Schluss. Spannung pur!

Ruedi Klapproth: Stefan. Rex.
Der körperlich behinderte grosse Bruder soll in der Regelschule integriert werden. Spannend erklärt von einem Fünftklässler. Das geht natürlich nicht ohne Probleme, doch diesen müssen sich alle stellen; davonlaufen ist keine Lösung.

Carlo Meier: Die Kaminski-Kids: Auf der Flucht. Brunnen.
Die Kamisnki-Kids lernen im Skilager zwei Kinder kennen, die zu Hause weggelaufen sind. Sie versuchen ihnen zu helfen und geraten dabei selbst in die Klemme. Die Schweizer Illustrierte ist überzeugt: Sogar lesefaule Kinder werden durch die Kaminski-Kids zu Leseratten! Meine Kinder würden dies sofort unterschreiben.

Christine Nöstlinger: Ilse Janda, 14 oder Die Ilse ist weg. Oetinger.
Die Erzählerin mag in der 5. Klasse sein. Sie lebt in Österreich in gelinde gesagt komplizierten Familienverhältnissen. Ihre grosse Schwester geht weg. Dabei ist nicht alles so, wie sie erzählt hat. Was die Erzählerin weiss und herausfindet, mag sie jedoch nicht jedem anvertrauen. Das macht die Geschichte ziemlich komplex. Soviel sei verraten: Ilse kommt wieder zum Vorschein; ob die Geschichte gut endet - oder nicht -, das lässt Nöstlinger jedoch offen.

Montag, 26. Oktober 2020

Kind verschwunden - Verhalten

Immer wieder laufen Kinder zu Hause fort. Viele Vermisstenfälle klären sich schnell wieder auf, innerhalb von Stunden oder innerhalb der ersten Woche. Nach einem Monat sind 80 Prozent gelöst. 

Für Eltern ist es wohl die größte Horrorvorstellung, wenn das eigene Kind auf einmal verschwindet. Das gleiche gilt auch, wenn man als Lehrer darüber informiert wird. Was kann man tun, wenn ein Kind weg ist?

1.  Bleiben Sie ruhig
Rufen Sie Freunde, andere Eltern und Nachbarn an. Einfach jeden, der wissen könnte, wo ihr Kind steckt. Sorgen Sie dafür, dass die Suche nach ihrem Kind weitergetragen wird. Es muss immer jemand in der Nähe des Telefons sein. Falls Sie das nicht selbst können, bitten Sie jemanden, ihr Telefon zu überwachen.

2. Informieren Sie die Polizei!
Zögern Sie nicht lange, die Notrufnummer 117 anzurufen und erstatten Sie eine Vermisstenanzeige. Es könnte kostbare Zeit verstreichen. Geht ein Kind verloren, taucht es in 99 Prozent aller Fälle schnell wieder auf. Beschreiben Sie der Polizei ihr Kind, welche Kleidung es trägt und ob es eine Zahnspange oder Brille trägt. Erklären Sie außerdem, wo es zuletzt war und wohin es wollte. Jede Information kann helfen. Man kann es getrost der Polizei überlassen, ob sofort eine Suchaktion gestartet wird - oder ob sie noch etwas zuwartet. Wichtig ist, dass die Polizei von allem Anfang an involviert ist.

3. Umgebung gründlich absuchen 
Holen Sie sich Hilfe. Lassen Sie Freunde, Bekannte oder Nachbarn die Umgebung gründlich absuchen. Es sollten alle Orte abgesucht werden, an denen sich Ihr Kind aufhalten könnte (Schulweg, Spielplatz, sonstige Lieblingsplätze, Orte, die man schon besucht hat und in erreichbarer Distanz sind). Versuchen Sie möglichst genau (zusammen mit Angehörigen und Freunden) die Familiensituation und die letzten Tage (inklusive aller Aktivitäten) zu rekonstruieren. Ein Streit oder eine Strafe könnten hinter dem Verschwinden stecken - muss aber nicht.

4. Jemand muss zuhause sein 
Sorgen Sie dafür, dass immer jemand zu Hause ist. Sorgen Sie dafür, dass immer jemand ans Telefon geht.

5. Weitere Such-Initiativen 
Schalten Sie die Presse oder soziale Netzwerke wie Facebook erst nach Rücksprache mit der Polizei ein. Die Polizei hat Spezialisten für Vermisstenfälle. Informieren Sie die Polizei über alle Aktivitäten.

Montag, 31. August 2020

Mit der Schule in den Wald und den Wald in die Schule bringen


Anfangs Schuljahr unternehmen wir jeweils einen Sternmarsch in ein nahegelegenes Bachtobel. Je nach Altersstufe ist der Weg natürlich eher ein Spaziergang oder eine mittlere Wanderung. Spätestens um Mittag treffen alle am gleichen Ort ein, wo es Würste und ein reichhaltiges Salatbuffett gibt. Für die Kinder ist dies oft das erste Mal, dass sie mit Kindern anderer Klassen in Kontakt treten.

Dieses Jahr habe ich diesen Ausflug in den Wald zum Anlass genommen, im Sachunterricht den Wald etwas zu vertiefen. Als Grundlage dient mit eine uralte Wekstatt aus dem damaligen Verlag der Elementarlehrerkonferenz, ergänzt durch allerlei Trouvaillen aus dem Internet. Vergleichebare Unterrichtseinheiten sind zum Beispiel "Werkstattunterricht Wald 3./4. Klasse von Schubi", "Themenheft Wald von BVK" oder wenn man auch nur ein kleines Wäldchen in der Nähe hat "Den Wald erleben und erforschen: … im (fast) papierfreien Projektunterrich vom Verlag an der Ruhr". 

Für den Büchertisch habe ich unter anderem zwei Klassiker von Irmgard Lucht mitgebracht: Die Baum-Uhr und Die Wald-Uhr. Aus vier Illustrationen habe ich kleine Lernprogramm für den Computer erstellt.

Das obenstehende Lernprogramm kann auch mit dieser Verknüpfung aufgerufen werden:  https://learningapps.org/13785228

Dies sind die drei anderen:

https://learningapps.org/13785354

https://learningapps.org/13785445

https://learningapps.org/13785601

Ich hoffe, sie finden im einen oder anderen Schulzimmer Anklang und helfen den Kindern, sich Tiere, Bäume und Früchte besser zu merken.

Bevor hier die grosse Urheberrechtsdebatte in der Kommentarspalte losgetreten wird: Für Unterrichtszwecke dürfen wir Ausschnitte aus Werken verwenden und ich nehme an, dass Ihr die Bücher von Irmgard Lucht ebenfalls anschafft oder in der Bibliothek ausleiht, wenn ihr mit den Kindern über den Wald sprecht; die kindgerechten und naturalistischen Illustrationen drängen sich geradezu auf. Dann ist ja ein Exemplar des Buches vorhanden.

Montag, 17. August 2020

Gelbe Fibel für flinke Leser

Er gibt sich sehr abgeklärt: Andere hätten ein bisschen Angst vor der Schule, aber er habe Frau B... (die Lehrerin) schon einmal gesehen und er wisse, wo das Schulzimmer sei: Im hinteren Schulhaus im oberen Stock... Ausserdem hat sich der selbstbewusste Kindergärtler über die Ferien das Lesen selber beigebracht mit den Wörtern, die sich gerade angedient haben: Ortsnamen von den Wanderwegweisern in den Bergen und von den Endzielanzeigen der Postautos (Linienbusse v.a. im ländlichen Gebiet in der Schweiz). Da muss man schnell sein und manche Wörter beginnen mit dem gleichen Buchstaben. 

Nicht immer steht das Postauto so schön still. 
Oft ist es in Bewegung. Da muss man
die Destination schnell erfassen.

Auch die analoge Zeit mit Punkt und halb war so ein autodidaktisches Projekt, nachdem er im Kindergarten die Zahlen bis 12 kennengelernt hatte. Zu Hause haben die Eltern explizit schulische Themen weggelassen - ausser er hat konkret gefragt: Was ist das für ein Buchstabe/Kantonswappen (auf der Autonummer)/etc. 

Nur in einem Punkt hat sein Vater insistiert, dass er seinen Namen in der üblichen Gross-Klein-Schreibung schreibt. Das hatte er sich Schritt für Schritt erfragt, wurde dann jedoch im Kindergarten (in der Schweiz ist das von 4-6) zurückgebunden, es sei einfacher, alles in MAJUSKELN zu schreiben und man könne (wolle?) das nicht bei jedem Kind je nach Vorwissen anders handhaben.

Das hat mir wieder einmal gezeigt, wie Geschichten helfen. Im Kindergarten musste er einfach ab Vorlage kopieren, was in diesem Alter noch ziemlich abstrakt und entsprechend fehleranfällig ist. Ergo waren oft auch einige Buchstaben gespiegelt. In der Gross-Klein-Schreibung hielt er sich an eine selber erfundene Geschichte: 1 Gipfeli (Croissant), 1 Kreislein, 1 Kleiderhaken, 1 Böglein, 1 Schnecke, 1 Männchen mit einem Köpfchen, 2 Striche, 1 Schnecke. Diese bildhaften Umschreibungen der Buchstaben, die haben natürlich alle einen Namen. Der Kleiderhaken etwa heisst Rrrr.

Bei der Post gibt es übrigens neben den bekannten Unterrichtsmodulen zum Thema "Post" auch ein schönes und sehr altersgerechtes Bilderbuch für die Schulanfänger: Theo und Mia unterwegs - natürlich mit dem gelben Postauto!

Montag, 13. April 2020

Selbstkorrektur im Fernunterricht

Wie korrigiere ich die Aufgaben meiner Kinder, welche sie zu Hause lösen? Manchmal lasse ich mir die Aufgaben vor der Webkamera zeigen. Dabei sehe ich vor allem, ob die Aufgabe gelöst ist. Dann gebe ich den Kindern am Folgetag die Lösungen bekannt und bitte sie, selber zu korrigieren. Sie schreiben mir dann, wieviele Aufgaben richtig waren.

Es gibt aber auch ganz viele Aufgabentypen, welche für Selbstkorrektur vorgesehen sind. Eine ganze Menge davon habe ich auf einer Unterseite dieses Blogs zusamengestellt. Im Artikel Nie mehr korrigieren! (das gilt natürlich auch für Präsenzunterricht, nicht nur Fernunterricht), steht mehr.

Was sich lohnt, sind entsprechende Geräte, die man einfach mit Aufgaben befüllen kann. Ich denke dabei an den guten alten Profax. Oder an den Logico oder an das LÜK. Oft haben wir solche Geräte in der Schule. Übungen sind schnell selber erstellt oder man findet sie z.B. bei Frau Wegerer.

Wie machen wir das nun, wenn die Kinder zu Hause sind? Eigentlich ganz einfach: Im Fernunterricht sollte es ja auch Zeichnen, Werken, Handarbeit, etc. geben. Weshalb nicht den Kinder einen entsprechenden Auftrag erteilen: Baue ein ... Und schon hat jeder sein persönliches LÜK, seinen privaten Logico. (Und wenn der eine oder andere Vater mithilft, soll das unser Schaden nicht sein.)

Für das Material sehe ich zwei Möglichkeiten:
  • In unserem Dorf wurde Material vor dem Schulhaus in Mäppchen ausgelegt und die Kinder konnten es an einem Nachmittag zwischen ein und fünf Uhr abholen.
  • In einer anderen Gemeinde betätigten sich Kollegen als Velokuriere und legten Material ins Ablagefach des Briefkastens (Milchkasten).

Donnerstag, 9. April 2020

Online-Spiel der anderen Art im Fernunterricht

Erfolg mit Frau Lockes
Rechenspiel
Bei Frau Locke gibt es Lernspielpakete zu den einzelnen Reihen des Einmaleins. Das Bingo daraus habe ich in den letzten Tagen auch online gespielt mit Zweitklässern. Dabei hat das Kind für mich die Spielfigur geschoben, die Felder abgedeckt und mir die Rechnungen vorgesagt. Ich selber habe nur gewürfelt, wenn ich an der Reihe war...

Für die Kinder aus Förderklassen, die kein Sitzleder, keine Ausdauer haben, ist das eine dreifache Herausforderung:
  1. genug Energie haben, um bis ans Ende zu spielen
  2. zusätzlich meine Figur führen
  3. nicht nur gewinnen, sondern auch verlieren können

Da die Sicht bei der Bildtelefonie eingeschränkt ist, haben wir immer ganz viel gesprochen; in Zeiten des Fernunterrichts enorm wichtig, insbesondere bei jungen Kindern. Wenn man einem Artikel der NZZ Glauben schenkt, jedoch auch bei Jugendlichen.

Mittwoch, 8. April 2020

Ostern für Erstleser

Vorgestern habe ich meine Osterwörter-App geteilt. Für Unterstufenkinder ist die etwas gar Textlastig. Das folgende Beispiel ist nicht von mir; ich fand es auf learningapps.org. Für alle Erst- und Zweitklässler, die morgen Donnerstag noch Schule haben (oder denen es zu Hause langweilig* ist):



Und unter dieser Adresse kann man das Buchstabenrätsel jederzeit wieder aufrufen: https://learningapps.org/1450412



* https://www.schlaumeier.online ist auch in den Osterferien jeden Tag um 9.00 Von Montag bis Freitag, incl. Karfreitag und Ostermontag.