Montag, 19. April 2021

Feuerwehr im Unterricht

Die Feuerwehr ist magisch. Hört man das Horn in der Strasse, wer dreht nicht mindestens den Kopf zum Fenster hin? Wir haben letzte Woche von der Feurwehr gesprochen. Dazu verwendeten wir unter anderem eine Seite aus einem längst vergriffenen Mini-LÜK-Heft von 1973 (Umweltkunde 2).

Für die Viert- und Fünftklässler fand ich ein schönes Blatt über die Ausrüstung und eine Bildergeschichte mit einigen Vorübungen zum Schreiben. Auch aus dem Buch Feuer, Brandschutz & Feuerwehr in der Grundschule von Auer habe ich einige Seiten verwendet. Vieles als Posten, teils Pflicht, teils Wahlpflicht. Die Kleinen, pardon, Erstklässler, machten zwei Zusammensetzspiele von Ravensburger, die ich meinenn Sohn ausgeliehen habe. Diese bildeten dann die Grundlage für Bildbeschreibung und weiter Mündlichübungen.

Die Kinder haben die Feuerlöscher im Schulhaus gesucht und gezählt und wissen die Notrufnummer 118 auswendig und haben Telefonübungen gemacht. In normalen Zeiten hätte ich noch versucht die städtische Feuerwehr zu besuchen.

Spannende Evakuatioonsübung
(eigene Fotomontage)

Eine gute Kollegin, die Schulleiterin ist, hat sich bei der Feuerwehr gemeldet und die Schule für eine Übung zur Verfügung gestellt. Das wurde zum grossen Anlass. Während die Feuerwehr im und ums Schulhaus übte, haben andere Feuerwehrmänner für die Kinder auf einem Teil des Schulareals verschiedene Posten zusammengestellt. Zum Schluss erfolgte die "Evakuierung" sämtlicher Kinder aus dem obersten Stockwerk über die grosse Drehleiter. Die Schulleiterin stand oben und sprach den zögernden Mut zu. Als das letzte Kind unten war, wollte sie das Fenster schliessen. Unten standen jedoch die Kinder und riefen ihren Namen. Auch die Feuerwehr kannte kein Pardon: Entweder die Drehleiter oder das Sprungruch! Mit weichen Knien und pochendem Herzen liess sie sich dann doch noch retten...

Zum Schluss noch zwei Computerwortschatzübungen, inspiriert vom Minilük:

- Leseverständnis: https://learningapps.org/19324406

- Hörverständnis: https://learningapps.org/19324573

Dienstag, 9. März 2021

Wenn der Hahn auf Englisch kräht

Bei uns in der Schweiz wird es jedem Kind spätestens im Laufe der ersten oder zweiten Klasse klar, dass Tiere nicht überall auf der Welt gleich sprechen. Während der Hahn auf dem Bauernhof "güggerügü" ruft, kräht er im Schulbuch auf Schriftdeutsch "kikeriki". 

In unserem Englischbuch hat es im 3. Lernjahr (5. Klasse) eine Übung, bei der einerseits die Tiernamen repetiert werden und dazu die Tierrufe auf deutsch, französisch und englisch verglichen werden. Da dazu nur schnell eine Tabelle ausfüllen etwas öde  ist, haben wir am nächsten Tag das noch ein bisschen trainiert: mit einem Logico (Bild zu Text), zwei Übungen am Computer (Text lesen zu Bild und Text hören zu Bild), ein Tier zeichnen mit einer Sprechblase, ein Kreuzworträtsel aus dem Schulbuch (laminiert zum Abwaschen), ... 

In einer grösseren Klasse könnte man das die Hälfte der Kinder parallel zu einer geführten Einheit tun lassen oder in den Wochenplan einbauen.


Die Computerübungen spielten wir dann zu guter Letzt noch gegeneinander (das geht, wenn sie über die gleiche Antenne oder den gleichen Switch am Netz angeschlossen sind) gespielt. Für die Kinder war das schon fast wie zu Hause... Spielifizierung (oder auf englisch Gamification) nennt man das in der Fachsprache. Immer möchte ich das nicht, aber zwischendurch - weshalb nicht?

Oder hier die Verknüfungen: https://learningapps.org/18122435 / https://learningapps.org/18122333

Das passt wohl zu jedem Englischbuch, in welchem "Tiere" behandelt werden und sowieso zu lehrbuchunabhängigem Unterricht. Bei YoungWorld von Klett zu Band 3, unit 6.

Montag, 1. März 2021

Präsenzunterricht an Primarschulen darf nicht verboten werden

Foto: Ennio Leanza / NZZ
Präsenzunterricht an Primarschulen darf nicht verboten werden. Diese klare Aussage machte Anfang Februar Prof. Andreas Glaser, der an der Universität Zürich Staats-, Verwaltungs- und Europarecht lehrt.

Glaser schreibt: "Das im März 2020 von der Regierung angeordnete und nach der Aufhebung im April 2020 von vielen Seiten wiederholt geforderte Verbot von Präsenzunterricht an sämtlichen Schulen ist verfassungswidrig. Es verstösst gegen den grundrechtlichen Anspruch jedes Kindes auf ausreichenden und unentgeltlichen Grundschulunterricht (Art. 19 BV). Denn ein solches Verbot erfasst flächendeckend gesamtschweizerisch den Unterricht der obligatorischen Schule auf der Primarstufe und der Sekundarstufe I. 

Anspruch auf Primarschulunterricht

Der von den Lehrpersonen häufig mithilfe elektronischer Informationstechnik unterstützte Fernunterricht der Kinder an deren privatem Aufenthaltsort ist nicht ausreichend im Sinne der Verfassungsbestimmung. Wie das Bundesgericht in ständiger Rechtsprechung urteilt, muss der Grundschulunterricht «die Schüler sachgerecht auf ein selbstverantwortliches Leben im modernen Alltag vorbereiten». Mit Blick auf den vor der Pandemie noch verbrämten Fernunterricht hielt das Bundesgericht fest, dass ein ausreichender Primarschulunterricht nicht nur schulisches Wissen vermitteln, sondern entwicklungsspezifisch auch die Fähigkeit zum Zusammenleben in der Gesellschaft fördern muss. 

Der Anspruch auf Primarschulunterricht wird daher verletzt, wenn dem Kind nicht die Fähigkeiten vermittelt werden, die ihm erlauben, an der Gesellschaft und am demokratischen Gemeinwesen teilzuhaben. Ausserdem dient der obligatorische Schulbesuch laut Bundesgericht der Wahrung der Chancengleichheit aller Kinder und fördert die Integration. Durch Fernunterricht kann jedoch gerade die Integration der Kinder geschmälert werden. Verschiedene neue Studien vonseiten der Erziehungswissenschaft im Zusammenhang mit dem Fernunterricht während der Pandemie bestätigen diesen Befund. Fernunterricht für bestimmte Klassen oder auch Schulhäuser während des begrenzten Zeitraums einer Quarantäne lässt sich im öffentlichen Interesse der Pandemiebekämpfung rechtfertigen. Auch Massnahmen, die im Vergleich zu Fernunterricht milder sind, wie die Aussetzung des Schwimmunterrichts oder die Pflicht zum Maskentragen, lassen sich bei hinreichend belegter Gefahr und Wirksamkeit der Massnahmen unter Umständen rechtfertigen. Das Verbot von Präsenzunterricht auf dem gesamten Kantonsgebiet oder gar schweizweit erweist sich dagegen in jedem Fall als nicht erforderliche Einschränkung des Anspruchs auf Primarschulunterricht. 

Arsenal der Epidemiologie 

Dies gilt umso mehr, als Kinder und Jugendliche gemäss Verfassung Anspruch auf besonderen Schutz ihrer Unversehrtheit und auf Förderung ihrer Entwicklung haben. Solange andere Massnahmen, die im Arsenal der Epidemiologie noch vorgeschlagen werden, nicht ergriffen wurden, beispielsweise die Schliessung von Skigebieten oder die Testpflicht bei der Einreise in die Schweiz, verbietet sich die Einschränkung des verfassungsrechtlich geschützten Präsenzunterrichts in der obligatorischen Schule ohnehin. Landesregierung und Kantonsregierungen setzen den Anspruch auf unentgeltlichen Primarschulunterricht in der zweiten Welle der Covid-19-Pandemie bis jetzt zwar konsequent durch, massgebliche Gründe wurden bisher aber nicht genannt. Sollte die Forderung nach Schulschliessungen lauter werden, können sich Bundesrat und Kantonsregierungen in ihrer Entgegnung ausdrücklich auf die Verfassung berufen: Art. 19 der Bundesverfassung verbietet die kantons- oder schweizweite Umstellung auf Fernunterricht in der Primarschule und auf der Sekundarstufe I."

Andreas Glaser ist Professor für Staats-, Verwaltungs- und Europarecht an der Universität Zürich und Direktoriumsmitglied des Zentrums für Demokratie Aarau (ZDA).

Montag, 22. Februar 2021

Bleistiftphopie kurieren

 

Was tut man mit einem Kind, das am Bleistift scheitert? Nennen wir es E. Immer, wenn es etwas notieren sollte, ist es erschöpft, kann nicht mehr, mag nicht mehr, erschlafft. Manchmal habe ich Zeit und wandle die Aufgaben in Lernschpiele um: Legekarten, Dominos, Logicos, LÜKs, Klammerkarten oder ich tippe alles schnell in eine passende Schablone von leraningapps.org. Zum Beispiel die Hunderterdifferenzen (bei uns im Drittklassbuch):

Die konnte E. schnell und fehlerfrei - aber nur nicht ins Heft ...

Dienstag, 16. Februar 2021

Der gute moderne Frontalunterricht

Das ist ein provokativer Titel. Ich weiss. Heute heisst es, ein guter Methodenmix und die professionelle Anwendung moderner Technik machen den guten Unterricht aus. Richtig. Aber aufgepasst: zum Methodenmix geört auch Frontalunterricht. Guter Frontalunterricht, wohlverstanden. Das haben Bildungsökonomen in einer gross angelegten Analyse herausgefunden: 

„Lehrer wenden häufig eine Kombination verschiedener Unterrichtsmethoden an. Wenn Lehrer 10 Prozent mehr Zeit auf frontales Unterrichten verwenden, dann zeigen Schüler einen Leistungsvorsprung, der ungefähr dem Wissenszuwachs von ein bis zwei Monaten Schulbildung entspricht.“ 

Die schreibt die deutsche Zeitung FAZ. Dazu passt auch der Bericht über Hanspeter Amstutz, der vor vier Jahren hier erschien und der Langzeitrenner unter allen Blog-Artikeln: Die beste Sitzordnung der Welt.

Montag, 8. Februar 2021

Rettet die starken Verben!

In einer alten Ausgabe der "Zeit" schreibt eine Leserin und offenbar Verbenliebhaberin, Ariane Gehr, sie freue es, wenn jemand Kuchen buk oder ein Feuer glomm. Wir müssen starken Verben Fürsorge angedeihen lassen, fordert sie.

Solange der Hund nicht mehr boll (wie noch in der ersten Ausgabe des Grimm'schen Wörterbuchs), eine Forderung, der ich gerne nachkomme, auch wenn meine Schulkinder sich dann manchmal bemüssigt sehen, mir zu erklären, wie man richtig deutsch spräche...

Montag, 1. Februar 2021

Lasst den Lehrern genug Freiheiten

Die Schlüsselpersonen sind die Lehrer. Sie müssen ihre pädagogischen Freiheiten behalten. Sie sollen mit den Schülern so oft kochen können, wie es für sie sinnvoll ist. Das Prinzip gilt für alle Fächer.

Anja Buri über den Streit um den Lehrplan 21, Tages-Anzeiger, 4. Mai 2015