Samstag, 10. Januar 2026

Rechnen und Sprachen lernen wie aus Zauberhand

Ich setze gerne Lehrmethoden ein, bei denen sich die Kinder selber korrigieren können, und die wenn möglich auch eine spielerische Komponente haben. Da entdeckte ich bei Frau Wegerer eine ganze Reihe an Kärtchen, für Deutsch und um die Einmaleinsreihen zu lernen: vorne die Aufgabe, hinten das Resultat. Eigentlich nichts neues - ausser, dass dies unter der Rubrik "Schlauer Schacht" veröffentlicht worden war.

Dazu fallen mir in den Sinn, kürzlich gelesen zu haben, dass man mit Papierkärtchen (zum Wenden) doppelt so schnell oder in gleicher Zeit doppelt so gut Wörter (Fremdsprachen) oder Rechnungen (Einmaleins) lernt, als mit bildschirmgestützten Methoden. Erst beim Repetieren von bereits Gelerntem, seien sich die analoge und die digitale Methode ebenbürtig.

Blieb der "Schlaue Schacht". Nach einigen Recherchen wurde mir einiges klar: Der "Schlaue Schacht" ist im Laufe seines Lebens schon unter verschiedenen Namen aufgetreten. Einige nennen ihn "Zauberhut". Bei Betzold heisst er heute "Magischer Zylinder". Dabei handelt es sich um ein technisch einfaches Gerät, das angetrieben durch die Schwerkraft die Kärtchen wie durch Magie wendet.

Ich habe mir für den Schulgebrauch aus Sperrholzresten schnell einen "Schlauen Schacht" zusammengesägt und -geleimt. Zu Hause bastelte ich mit unserem Buben ein Kartonmodell aus einer alten Lebensmittelverpackung - kaschiert mit Blumen aus einem Gartenkatalog.

Wer selber einen "Schlauen Schacht" bauen will, dem möge diese Skizze und die folgenden Masse dienen:

  • Breite ca. 9cm
  • Tiefe ca. 7cm
  • Höhe ca. 15-16 cm
  • Schlitz ca. 1.5cm

Beim Zusammenbau achte man darauf, dass eine Seite vorerst offen bleibt (und erst am Schluss, quasi als Deckel, verschlossen und verleimt wird. Das Innenleben besteht aus zwei Bahnen Zeichenpapier, welche genug Luft lassen, dass das Kärtchen problemlos nach unten fällt und gleichzeitig so stark geführt wird, dass es im Fallen gewendet wird. Obengenannte Masse ermöglichen den Einsatz von Kärtchen sowohl im Format A7 (halbe Postkarte), als auch A8 (Viertel-Postkarte).

Wer Anfangs dritter oder vierter Klasse im Werkunterricht einen "Schlauen Schacht" Schacht baut, kann ihn dann bei den Hausaufgaben einsetzen in Mathematik (Einmaleins), Englisch (Vokabeln) und in der 5. Klasse dann auch in Französisch (Vokabeln). Sich die Kärtchen wie von Zauberhand drehen zu lassen, fasziniert immer wieder...



Samstag, 25. Oktober 2025

Schule muss langsamer werden

Die Welt verändert sich gerade radikal. Sollte sich die Schule auch radikal verändern? Auf diese Frage antwortete Erziehungswissenschaftler Prof. Roland Reichenbach kürzlich in einem Interview:

Im Gegenteil, wenn alles schneller wird, sollte die Schule langsamer werden. Lesen, schreiben und rechnen lernen benötigen Zeit und Übung. Ich jogge zum Beispiel nicht gern, und wenn es eine KI gäbe, die mir das abnehmen könnte, würde ich sie machen lassen. Aber das geht eben nicht. Üben ist mühsam. Das wird sich nie ändern. Schon Hannah Arendt schrieb, dass Bildung ein konservatives Geschäft sei. Und zwar konservativ im Sinne von konservieren. Man sollte das, was sich bewährt hat, bewahren und weitergeben. Im Übrigen hat man der Schule schon immer vorgeworfen, sie sei träge.

Obwohl: Die Digitalisierung hat die Schule längst erreicht. Das Problem ist, dass das Neue einen prinzipiell guten Ruf hat. Von dieser Neomanie ist auch die Schule geprägt. Neu ist besser, während das Alte verpönt ist. Natürlich kann sich die Schule nicht von den digitalen Medien lösen, und es wäre auch dumm, das zu fordern. Aber sie kann sich von ihrer Dominanz lösen. Also von ihrer Selbstverständlichkeit und Aufdringlichkeit. Dass wir immer und überall vor diesen Bildschirmen sitzen, ist erbärmlich, da muss die Schule nicht auch noch mitmachen. Das Problem ist, dass die digitalen Medien uns ablenken. Es sind nicht die Medien an sich, es ist die Zeit, die man verschwendet, ohne damit den Menschen zu stärken. Mit Lernen hat dieses schnelle Sich-ins-Bild-Setzen nichts zu tun. Es hat mit Üben nichts zu tun. Es hat nichts mit Verfeinerung des Denkens oder des Urteilens zu tun. Deshalb ist weniger Digitalität sicher mehr.

Donnerstag, 25. September 2025

Sprachen lernen - aber richtig

Sprachen lernen gehört zur Schule, wie das Amen zur Kirche. Am einfachsten gibt man den Kindern Wörtli (in Deutschland Vokabeln genannt) auf, die diese lernen müssen und die man regelmässig abfragen und benoten kann.

Zuallererst verweise ich auf einen Beitrag, den ich schon vor Jahren veröffentlicht habe. Der eingebettete Film (am Beispiel Französisch), ist heute noch genau so gültig wie damals und hat in der Zwischenzeit schon hunderten, wenn nicht tausenden von Eltern geholfen, ihre Kinder bei den Hausaufgaben effizient zu unterstützen: Wörter richtig lernen

Nach dem richtigen Wörter lernen kommt das richtige Wörter abfragen. Dazu schrieb ich vor sieben Jahren, wie ich es während Jahren gemacht habe. Nun gibt es zu dem Thema einen äusserst lesenswerten Artikel, der alles bisherige auf den Kopf stellt. In der Tat ist es wichtig, im Französisch-Unterricht nur Französisch oder im Englisch-Unterricht nur Englisch zu bewerten. Das heisst: was auf deutsch sinngemäss stimmt, darf nicht falsch sein, da z.B. die deutsche Rechtschreibung oder mangelhafter deutscher Wortschatz nicht Bestandteil der Fremdsprachennote sein darf. Ein Mädchen übersetzte einmal "la casquette" mit "Tschäppy", was umgangssprachlich für Schirmmütze ist. Es bekam den Punkt.

Aufpassen muss man auch mit Muttersprachlern, oder cleveren Kindern, die gegebenenfalls andere Ausdrücke kennen, als auf der Wörterliste stehen, jedoch das gleiche bedeuten. Ist ein "breakfast" etwa kein "Frühstück", sondern nur ein "Morgenessen"?

Jakob Wüest weist in "Der moderne Fremdsprachenunterricht" [1] richtigerweise darauf hin, dass [i]n Übereinstimmung mit neuen pädagogischen Einsichten [. . .] dem Wortschatz eine wichtige Rolle zu[kommt], was mit möglichst vielseitigen Wortschatzübungen im Unterricht umgesetzt wird. Diese können allerdings die systematische Repetition des Wortschatzes durch die Schulkinder selbst nicht ersetzen.

Die bekannteste Methode, Wörter zu lernen, ist die Übersetzung, obwohl wir alle wissen, dass je nach Kontext eine Übersetzung unterschiedlich ausfallen kann. Sie kann deshalb nur ein Einstieg ins Wörterlernen bieten, mehr nicht. Es darf dabei auch nicht vergessen werden, dass viele Kinder zu Hause nicht deutsch sprechen, weshalb sie dann unter Umständen nicht an der Fremdsprache, sondern an der deutschen Übersetzung scheitern.

Wüest nennt verschiedene Methoden. Die Autoren des äusserst durchdachten Französischlehrgang Envol haben auf den bekannten tschechischen Pädagogen  Johann Amos Comenius und dessen Orbis sensualium pictus von 1653 zurückgegriffen und dem Buch eine Wörterkartei mit Bildern beigelegt: 500  Wortschatzkärtchen mit den Wörtern, manchmal ergänzt mit einem Satz (Wort im Kontext), auf der Rückseite ein aussagekräftiges Bild. Die Lehrer waren zuerst entsetzt (was ist nun die richtige Übersetzung?, die Kinder begeistert (das führte dann zu vorgenanntem Tschäppy und gleichlangen Spiessen für alle DAZ-Kinder).


[1] Jakob Wüest: Der moderne Fremdsprachenunterricht. Zürich, 2001: Lehrmittelverlag. ISBN 3-906743-51-9 (bei Amazon bestellen oder bei Eurobuch bestellen)

Scan https://www.optimisme.ch/files/documents/fd_I_teil1_envol_wueest.pdf


Freitag, 13. Juni 2025

Informatik - aber wie?

Vor einigen Jahren schon hatte ich das Glück Prof. Juraj Hromkovič kennenzulernen. Er setzt sich seit Jahren, um nicht zu sagen seit Jahrzehnten für einen vernünftigen Einsatz von Rechnern an der Schule ein. Leider werden seine wohl überlegten Aussagen von der Politik oft ignoriert. 

An einer Buchpräsentation des Klett-Verlages wurde er als Autor gefragt, wie man denn vorgehen sollte, wenn man nicht genügend PC im Schulzimmer habe. Seine Antwort war einfach: für einen Band braucht man gar keinen PC für Informatik, beim zweiten für einen Teil der Aufgaben, nur für den Band Programmieren braucht jedes Kind Zugang zu einem Rechner. Dabei bestätigt die Erfahrung, dass spannender Informatikunterricht in vielen Fällen auch ohne elektronisches Gerät auskommt.

Vortrag Prof. Juraj Hromkovič (20 min)

Einer seiner Vortäge wurde aufgezeichnet. Auch für uns von der Primarschule gibt das viel her: Verstehen, was Informatik eigentlich ist (eine der ältesten Wissenschaften der Welt); was Informatik mit Mathematik zu tun hat, und wie Informatik den Deutschunterricht stärkt. Wer hier etwas begreift, muss keine Angst vor Computern haben, denn um die geht es gar nicht...

In einen Satz zusammengefasst: Bei Juraj Hromkovič geht es um weniger Computer und mehr Informatik; weniger Maschinen und mehr Denken. Das ist ein Ansatz, der mir gefällt; sehr gefällt sogar.

Schulbücher von Juraj Hromkovič (mehrmals verwendbare Bücher!):

Für 1. bis 4. Klasse

  • Einfach Informatik Zyklus 1: Rätsel und Spiele ohne Computer (Handbuch)
  • Einfach Informatik Zyklus 1: Rätsel und Spiele ohne Computer (Spielkarten)
  • Einfach Informatik Zyklus 1: Spielerisch programmieren (Handbuch)

Für 3. bis 4. Klasse

Für 5. bis 6. Klasse (6jährige Primarschule nach Schweizer System)

Für 7. bis 10. Klasse (Sekundar I):

Für 8. bis 14. Klasse (Sekundar II):

  • Informatik: Programmieren und Robotik (Schulbuch)
  • Informatik: Daten verwalten, schützen und auswerten (Schulbuch / erscheint im Juni 2022)
  • Informatik: Algorithmen (Schulbuch / erscheint im Mai 2023)
  • Informatik im Ergänzungsfach: Programmieren, Daten und Algorithmen vertiefen (Schulbuch / erscheint im Juli 2023)

 

 

Sonntag, 13. April 2025

Früheste Erinnerungen nicht mehr greifbar

Noch immer ist es ein Rätsel, warum wir uns nicht an die frühe Kindheit erinnern können. Ist das Hirn zu unreif oder fehlt uns die Sprache? Wer mit einem Zwei- oder Dreijährigen spricht, der weiss, dass sich kleine Kinder durchaus an Ereignisse erinnern können, die gestern oder letzte Woche passiert sind. Was geschieht mit diesen Erinnerungen, wenn das Kind grösser wird? Das Speichern von Erinnerungen im Gehirn ist ein komplexer Vorgang, der noch nicht komplett erforscht ist. 

Was man weiss: Die Erinnerungen werden zuerst abgespeichert, dann konsolidiert, also vom Kurzzeit- ins Langzeitgedächtnis übertragen. Dadurch entstehen neue Verbindüngen in der Hirnstruktur, um die Erinnerungen langfristig zu speichern. Kinder ab ungefähr 12 Monaten schauten in einer Studie jene Bilder, die sie schon kannten, länger an als neue Bilder.  Das werteten die Forscher als Erinnerung. Bei Kindern unter einem Jahr funktionierte das noch nicht. Folglich sind Erinnerungen ab rund einem Jahr möglich. Aber der Zugang zu diesen Erinnerungen geht später offenbar verloren. 

Carole Peterson, eine Psychologin der Universität von Neufundland, beschäftigt sich seit rund zwanzig Jahren mit den frühesten Kindheitserinnerungen und hat verschiedene Studien zu diesem Thema verfasst. Sie hat festgestellt, dass sich die früheste Erinnerung verändert. 90 Prozent der Vier- bis Siebenjährigen, die sie interviewt hatte, konnten sich zwei Jahre später nicht mehr an das erinnern, was sie der Psychologin als früheste Erinnerung erzählt hatten. Vierjährige wiederum konnten sich durchaus an Ereignisse vor dem dritten Geburtstag erinnern, doch im Alter von sechs Jahren hatten die Kinder diese Erinnerungen vergessen. Auch das deutet darauf hin, dass die Erinnerungen zwar gespeichert werden, aber durch spätere Prozesse nicht mehr abrufbar sind. Zudem gibt es Vermutungen, dass der Spracherwerb eine Rolle spielen könnte. Dass man Erlebtes erst dann besser speichern kann, wenn man Worte dafür hat.

Ausführlicher Artikel aus dem Bund.

Sonntag, 22. September 2024

Wortschatztraining am Computer (DisDonc 5, Unité 1)

Die Fünftklässler haben zwei neue Schulfächer: Medien und Informatik sowie Französisch: eine neue Sprache lernen!

Dass "Sprache" von "sprechen" kommt und man dazu Wörter, ja einen ganzen Wortschatz, braucht, wissen sie schon aus der dritten und vierten Klasse aus dem Englischunterricht. Und auch wie man Wörter üben kann.

Wörter übt man natürlich auch im Unterricht mit kleinen Spielen, mündlichen Übungen, Dominos, Legekärtchen, dem schlauen Schacht und zwischendurch auch einmal am Computer. Hier ein paar spielerische Übungsformen für das in der Schweiz gängige Lehrmittel DisDonc. Erster Teil: DisDonc 5, Unité 1.

Da ich im Moment nicht an einer Regelklasse unterrichte, mag man die eine oder andere Übung vermissen. Sollte jemand noch andere Learningapps (von Kollegen) kennen, nehme ich die gerne in diese öffentliche Sammlung auf - für Unité 1 oder spätere Unités.

Wer nicht warten mag,bis ich alle meine Apps auf französisch veröffentlicht habe,findet sie in diesem Ordner. Man muss ein wenig suchen, da ich sie nach unseren Lehrmitteln sortiert habe; die Themen bleiben jedoch in den meisten Büchern etwa die gleichen.


Mehr zu Französisch in der 5. Klasse / 1. Lernjahr
Interaktive Übungen zu DisDonc 6: https://learningapps.org/user/eruedin?displayfolder=1322548 da müsste noch jemand mithelfen
Interaktive Übungen Französisch allgemein: https://moderne-schulen.blogspot.ch/p/francais-franzosisch.html

Mehr zu Englisch in der Primarschule

Mehr zu Wörter lernen

Montag, 4. September 2023

Gründe für den Lehrermangel

In der Schweiz herrscht Lehrermangel. Im Tages-Anzeiger und allen gleichgeschalteten Blättern (im halben Land) schreibt ein Redaktor, der wenig bis keine keine Ahnung vom Beruf hat. Das provozierte viele Reaktionen. Die folgende ist mir durch ihre kurze, klare und pointierte Sprache aufgefallen: "Es ist verständlich, wenn ein Mangel an Lehrkräften herrscht. Gründe: Fehlende Anerkennung, fehlende Autorität im Beruf, katastrophale Qualität der Eltern, Schulleiter-System à la Ausland, keine Möglichkeiten mehr für Generalisten auf der Primarstufe, keine Anreize zum Durchhalten vom Ende der Ausbildung bis zur Pensionierung. Wer den Beruf heute wählt, ist selber schuld. Ich würde in der heutigen Zeit niemandem die Berufswahl zum Lehrer / zur Lehrerin empfehlen."

Bevor ich mich dazu äussern konnte, schrieb schon ein zweiter äusserst prägnant Leser: "Von A bis Z richtig. Leider. Leiderst. Und insbesondere eben gerade das mit der "katastrophalen Qualität der Eltern"."

Ich zweifelte etwas bei der Berufswahl. Kann ich hier behaupten, das sei von A bis Z richtig und gleichzeitig im Beruf bleiben? Oder habe ich mit mehreren Jahrzehnten Erfahrung und einem praxisorientierten seminaristischen Grundstock mir ein Rüstzeug zugelegt, dass mit einen Vorteil erschafft, wie das heute nicht mehr möglich ist? Bliebe die Frage der Alternative. Oder ist das ein gesellschaftliches Problem, wie ein Leser ergänzt: "Was die Autorität betrifft, so ist die Parallele zu den Polizisten auffällig. In meiner Jugend war der Lehrer der "Herr Lehrer", der Polizist eben der "Herr Polizist". Heute Pauker und Bullen, die man wenn immer möglich zu verarschen sucht."