Zuallererst verweise ich auf einen Beitrag, den ich schon vor Jahren veröffentlicht habe. Der eingebettete Film (am Beispiel Französisch), ist heute noch genau so gültig wie damals und hat in der Zwischenzeit schon hunderten, wenn nicht tausenden von Eltern geholfen, ihre Kinder bei den Hausaufgaben effizient zu unterstützen: Wörter richtig lernen
Nach dem richtigen Wörter lernen kommt das richtige Wörter abfragen. Dazu schrieb ich vor sieben Jahren, wie ich es während Jahren gemacht habe. Nun gibt es zu dem Thema einen äusserst lesenswerten Artikel, der alles bisherige auf den Kopf stellt. In der Tat ist es wichtig, im Französisch-Unterricht nur Französisch oder im Englisch-Unterricht nur Englisch zu bewerten. Das heisst: was auf deutsch sinngemäss stimmt, darf nicht falsch sein, da z.B. die deutsche Rechtschreibung oder mangelhafter deutscher Wortschatz nicht Bestandteil der Fremdsprachennote sein darf. Ein Mädchen übersetzte einmal "la casquette" mit "Tschäppy", was umgangssprachlich für Schirmmütze ist. Es bekam den Punkt.
Aufpassen muss man auch mit Muttersprachlern, oder cleveren Kindern, die gegebenenfalls andere Ausdrücke kennen, als auf der Wörterliste stehen, jedoch das gleiche bedeuten. Ist ein "breakfast" etwa kein "Frühstück", sondern nur ein "Morgenessen"?
Jakob Wüest weist in "Der moderne Fremdsprachenunterricht" [1] richtigerweise darauf hin, dass [i]n Übereinstimmung mit neuen pädagogischen Einsichten [. . .] dem Wortschatz eine wichtige Rolle zu[kommt], was mit möglichst vielseitigen Wortschatzübungen im Unterricht umgesetzt wird. Diese können allerdings die systematische Repetition des Wortschatzes durch die Schulkinder selbst nicht ersetzen.
Die bekannteste Methode, Wörter zu lernen, ist die Übersetzung, obwohl wir alle wissen, dass je nach Kontext eine Übersetzung unterschiedlich ausfallen kann. Sie kann deshalb nur ein Einstieg ins Wörterlernen bieten, mehr nicht. Es darf dabei auch nicht vergessen werden, dass viele Kinder zu Hause nicht deutsch sprechen, weshalb sie dann unter Umständen nicht an der Fremdsprache, sondern an der deutschen Übersetzung scheitern.
Wüest nennt verschiedene Methoden. Die Autoren des äusserst durchdachten Französischlehrgang Envol haben auf den bekannten tschechischen Pädagogen Johann Amos Comenius und dessen Orbis sensualium pictus von 1653 zurückgegriffen und dem Buch eine Wörterkartei mit Bildern beigelegt: 500 Wortschatzkärtchen mit den Wörtern, manchmal ergänzt mit einem Satz (Wort im Kontext), auf der Rückseite ein aussagekräftiges Bild. Die Lehrer waren zuerst entsetzt (was ist nun die richtige Übersetzung?, die Kinder begeistert (das führte dann zu vorgenanntem Tschäppy und gleichlangen Spiessen für alle DAZ-Kinder).
[1] Jakob Wüest: Der moderne Fremdsprachenunterricht. Zürich, 2001: Lehrmittelverlag. ISBN 3-906743-51-9 (bei Amazon bestellen oder bei Eurobuch bestellen)
Scan https://www.optimisme.ch/files/documents/fd_I_teil1_envol_wueest.pdf
