Mittwoch, 18. März 2026

Wie KI die Schule zerstört

Unter dem Titel Es braucht klare Regeln statt naiven Optimismus schrieb Giorgio Scherrer am Dienstag einen äusserst lesenswerten Kommentar in der Neuen Zürcher Zeitung, nachdem bereits am Montag ein längerer Hintergrundartikel zum Thema KI in der Schule erschienen ist. Kurz zusammengefasst geht es um folgendes: An Schulen überall im Land spielt sich gerade ein seltsames Theater ab. Gemäss NZZ geht es so: Der Lehrer, etwa an einem Gymnasium, gibt den Schülern ein Aufgabenblatt, das er mit KI generiert hat. Die Gymnasiasten lösen es mit KI, oftmals direkt im Klassenzimmer, an den dort mittlerweile omnipräsenten Tablets. Und dann gehen alle zusammen die Antworten durch. Die Jugendlichen lesen vor und sagen dabei stets dasselbe, einer nach dem anderen. Der Lehrer muss nichts korrigieren, nie eingreifen – es ist ja alles korrekt. Und so steht er bloss vorne und nickt. Ein Theater, von dem alle wissen – und vor dem doch zu viele die Augen verschliessen: Schule als inhaltsleeres Theaterstück, zu dem die KI das Skript geschrieben hat. 

Sogenannte «künstliche Intelligenz», also von Algorithmen generierte Antorten hat zwar nur eine Trefferquote von 55% oder anders herum formuliert sind 45% falsch, doch neunzig Prozent der Schweizer Mittelschüler nutzen sie mittlerweile und geben automatisch generierte Inhalte als eigene Texte, Prüfungen oder Vorträge aus. Dies ergab eine Befragung bei 9000 Jugendlichen durch die Universität Zürich. 

Und die Schulen? Dreizehn Prozent von uns Lehrern nutzt Algorithmen auf eine Art, die dem Lernen zuträglich ist und nur eine von fünf Schulen hat Regeln für den Umgang mit der Technologie. Kulturpessimismus sagen: Alles ist ohnehin verloren. Diese Fraktion ignoriert das Phänomen grösstenteils. Naive Tech-Optimisten sprechen gern luftig von «Chancen» und «Möglichkeiten» und fabulieren von den Verlockungen des virtuellen Klassenzimmers. Sie kleiden schlechte Nachrichten gern in wohlmeinende Worthülsen – bis alle beruhigt und keine Probleme gelöst sind. 

Beide Ansätze bringen niemanden weiter. Schulen müssen – gemeinsam mit Eltern, Lehrpersonen und Jugendlichen – klare Regeln für den Umgang mit Algorithmen definieren. Und zwar möglichst sofort. Gefragt sind gemäss der NZZ bindende Vorgaben, nicht vage Absichtserklärungen, für Schüler und Lehrer:
  • Algorithmen (KI) soll Lernassistenz, nicht Schummelcompagnon sein. 
  • Tech-Firmen müssen schleunigst technischen Möglichkeiten schaffen, damit Schulen den Gebrauch ihrer Werkzeuge sinnvoll einschränken oder gezielt ermöglichen können.
  • Es braucht eine Stärkung der analogen Unterrichtssphären, in denen das Denken und das Lernen ohne KI im Zentrum stehen. 
  • Mindestens die Hälfte der Zeit im Klassenzimmer sollte ganz ohne elektronische Geräte stattfinden. 
Solch deutliche und regulierende Worte in den Spalten der freisinnigen NZZ mögen auf den ersten Blick überraschen. Aber in diesem Punkt hat sie recht: Das Diskutieren und Erarbeiten von Wissen, gemeinsam, von Angesicht zu Angesicht, ist am Ende das Wertvollste, was die Schule bietet. Das darf nicht kampflos aufgegeben werden. (Quelle: NZZ, 17.3.2026, gekürzt)

Samstag, 10. Januar 2026

Rechnen und Sprachen lernen wie aus Zauberhand

Ich setze gerne Lehrmethoden ein, bei denen sich die Kinder selber korrigieren können, und die wenn möglich auch eine spielerische Komponente haben. Da entdeckte ich bei Frau Wegerer eine ganze Reihe an Kärtchen, für Deutsch und um die Einmaleinsreihen zu lernen: vorne die Aufgabe, hinten das Resultat. Eigentlich nichts neues - ausser, dass dies unter der Rubrik "Schlauer Schacht" veröffentlicht worden war.

Dazu fallen mir in den Sinn, kürzlich gelesen zu haben, dass man mit Papierkärtchen (zum Wenden) doppelt so schnell oder in gleicher Zeit doppelt so gut Wörter (Fremdsprachen) oder Rechnungen (Einmaleins) lernt, als mit bildschirmgestützten Methoden. Erst beim Repetieren von bereits Gelerntem, seien sich die analoge und die digitale Methode ebenbürtig.

Blieb der "Schlaue Schacht". Nach einigen Recherchen wurde mir einiges klar: Der "Schlaue Schacht" ist im Laufe seines Lebens schon unter verschiedenen Namen aufgetreten. Einige nennen ihn "Zauberhut". Bei Betzold heisst er heute "Magischer Zylinder". Dabei handelt es sich um ein technisch einfaches Gerät, das angetrieben durch die Schwerkraft die Kärtchen wie durch Magie wendet.

Ich habe mir für den Schulgebrauch aus Sperrholzresten schnell einen "Schlauen Schacht" zusammengesägt und -geleimt. Zu Hause bastelte ich mit unserem Buben ein Kartonmodell aus einer alten Lebensmittelverpackung - kaschiert mit Blumen aus einem Gartenkatalog.

Wer selber einen "Schlauen Schacht" bauen will, dem möge diese Skizze und die folgenden Masse dienen:

  • Breite ca. 9cm
  • Tiefe ca. 7cm
  • Höhe ca. 15-16 cm
  • Schlitz ca. 1.5cm

Beim Zusammenbau achte man darauf, dass eine Seite vorerst offen bleibt (und erst am Schluss, quasi als Deckel, verschlossen und verleimt wird. Das Innenleben besteht aus zwei Bahnen Zeichenpapier, welche genug Luft lassen, dass das Kärtchen problemlos nach unten fällt und gleichzeitig so stark geführt wird, dass es im Fallen gewendet wird. Obengenannte Masse ermöglichen den Einsatz von Kärtchen sowohl im Format A7 (halbe Postkarte), als auch A8 (Viertel-Postkarte).

Wer Anfangs dritter oder vierter Klasse im Werkunterricht einen "Schlauen Schacht" Schacht baut, kann ihn dann bei den Hausaufgaben einsetzen in Mathematik (Einmaleins), Englisch (Vokabeln) und in der 5. Klasse dann auch in Französisch (Vokabeln). Sich die Kärtchen wie von Zauberhand drehen zu lassen, fasziniert immer wieder...